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Finnentrop, Finnentrop-Heggen, 13. Januar 2016

Gemeinde schließt Vertrag über ein Jahr ab / „Puffer"-Funktion für erwartete steigende Zuweisungen

Jugendherberge bleibt Unterkunft für Flüchtlinge

In der Jugendherberge in Heggen werden weiter Flüchtlinge untergebracht.
In der Jugendherberge in Heggen werden weiter Flüchtlinge untergebracht.
Fotos: Barbara Sander-Graetz

Schnell mussten am Dienstagabend noch Tische und Stühle in der Schützenhalle Heggen gestellt werden, denn der Andrang bei der Einwohnversammlung war größer als erwartet. Bürgermeister Dietmar Heß kam auch gleich zur Sache. Noch werde die Notunterkunft in Heggen auf die Zuweisungen der Bezirksregierung angerechnet, doch das wird ab Ende Januar schrittweise aufgehoben. „Ab Juni haben wir dann normale Zuweisungen wie alle anderen Kommunen auch.“ In Finnentrop rechnet man mit bis zu 93 Zuweisungen im Monat. „Wir haben aber keinen geeigneten Wohnraum, um die Menschen sofort adäquat unter zu bringen“, so Heß. 2500 Übernachtungen pro Monat – plus Option Daher habe sich die Verwaltung dazu entschlossen, die Jugendherberge weiter zu nutzen. Ein Beherbergungsvertrag mit dem DJH Landesverband Westfalen- Lippe liege vor. Gebucht habe man 2500 Übernachtungen pro Monat. Das entspreche einer Aufnahme von 83 Personen im Monat. „Natürlich habe man auch die Option auf weitere Plätze“, so Heß. In dem Vertrag sei wie bisher eine Vollverpflegung enthalten, die als Sachleistung angerechnet wird. Die dort lebenden Menschen bekämen dann ein Taschengeld.
Bürgermeister Dietmar Heß.
Die Herberge ist als Durchlaufeinrichtungen geplant. Sobald es freie Wohnungen gebe, sollten diese bezogen werden. „In Heggen haben wir nur die Wohnung im Feuerwehrgerätehaus und die ehemalige Hausmeisterwohnung. Aber auch für letztere gibt es noch einen anderen Interessenten“, so Heß. Private Vermieter sind daher immer willkommen. „Obwohl bei manchen schon eine Goldgräberstimmung ausgebrochen ist und uns die abenteuerlichsten Schrottimmobilien angeboten werden“, kritisierte Heß. Betrieb als Jugendherberge endet gänzlich Allerdings verschwieg er auch nicht, dass nach diesem Jahr die Jugendherberge nie mehr als solche genutzt werden wird. „Eine Weiternutzung durch Flüchtlinge bedeutet das Ende als Betrieb der Jugendherberge. Nach einem Jahr Ausfall wird die Heggener Herberge nicht mehr an den Markt kommen.“ Die Gemeinde habe aber vom DJH eine mündliche Zusage, als erstes die Möglichkeit eines Zugriffs zum Erwerb des Gebäudes zu bekommen. „Wir haben in den nächsten zwölf Monaten auch die Möglichkeit, eine weitere Nutzung des Gebäudes zu prüfen.“ Betreutes Wohnen sei eine Alternative, die man sich vorstellen könne.
Die Schützenhalle war bis auf den allerletzten Platz gefüllt.
Ein Umbau der Herberge zum jetzigen Zeitpunkt sei nicht geplant. „Das wäre ein erheblicher Aufwand, besonders im Hinblick auf den Brandschutz. Daher wird das Haus auch weiterhin mit Vollverpflegung betrieben, denn einzelne Selbstversorgereinheiten gibt es im Haus nicht“, sagte Heß weiter. Sachliche Diskussion Die anschließende Diskussion verlief wie schon im Juli vergangenen Jahres überaus sachlich. Hildegard Schmitz, unmittelbare Nachbarin der Herberge, sagte, dass es keine Probleme durch die Flüchtlinge gegeben habe. Im Gegenteil, erste Kontakte seien geknüpft worden. Das bestätigte auch der Jugendvorsitzenden des SV Heggen, Michael Schwabe. Gemeinsam spiele man auf dem Daspel Fußball.

Dietmar Heß versprach, sich darum zu bemühen, dass Flüchtlinge, die jetzt in der Herberge leben, der Gemeinde zugewiesen würden. „Natürlich hoffen wir auch auf das Ehrenamt im Ort. Im Gegensatz zu heute gibt es langfristige Zugangsmöglichkeiten vom Deutschkurs über Patenschaften, da die Bewohner nicht wechseln.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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