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Finnentrop, Finnentrop, 10.Mai 2015

Training für Körper und Geist

Jede Menge Spaß verspricht der Trendsport Bouldern

Bouldern im Selbstversuch
Jeden Muskel meines Körpers angespannt und voller Konzentration stehe ich in etwa zwei Meter Höhe und überlege, wie ich an den nächsten grünen Stein gelange, der meine Route kennzeichnet und mich zum obersten Punkt in 4,5 Meter Höhe führen soll. Irgendwo hinter und unter mir vernehme ich Mut machende und technische Tipps. Nur noch ein kleines Stück…

Ich sammle noch einmal alle meine Kräfte, ziehe mich eng an die Wand, stoße mich mit Schwung aus dem rechten Bein nach oben, erreiche mit meiner rechter Hand den ersehnten Griff und bin stolz wie Oskar, was meinen Muskelkater am nächsten Tag durchaus erträglich macht.

Die Trendsportart, die aktuell immer mehr Sauerländer beflügelt nennt sich Bouldern und bezeichnet Klettern ohne Seilsicherung. Ein Boulder ist ein Felsblock und das Klettern an Felsblöcken bis in fünf Meter Höhe wurde in den letzten Jahrzehnten auch immer mehr in Hallen übertragen. Seit November des letzten Jahres kann man das in der Blox Boulderhalle Sauerland im neuen Industriegebiet Wiethfeld in Finnentrop. Clemens Weiel, der seit zehn Jahren selbst begeisterter Boulder ist und die Entwicklung der Sportart verfolgt hat, hat sich mit dem Kauf des 1500 Quadratmeter großen Grundstücks auf 540 Quadratmeter seinen Traum von einer eigenen Boulderhalle erfüllt. Nach zehnjährigem Aufenthalt und einem Studium der Fächer Geografie und öffentliches Recht in Mainz kehrte der Kreuztaler in seine Heimat zurück, plante an verschieden Standorten und fand im neuen Industriegebiet der Stadt Finnentrop gute Konditionen und eine zentrale Lage zwischen verschiedenen Städten vor.

„Bouldern bringt Spaß, ist abwechslungsreich, kommunikativ, bewirkt ein tolles Ganzkörpertraining, stärkt besonders die Rückenmuskulatur und man ist gezwungen, seine Grenzen auszuloten“, schwärmt der 32-Jährige, der sein größtes Hobby zum Beruf gemacht hat. Klettern kann man bei Clemens Weiel verschiedenfarbige Routen, die unterschiedliche Schwierigkeitsgrade kennzeichnet und von denen er jede Woche 15 bis 20 Routen umsteckt, um seinen Gästen neue Herausforderungen zu bieten. Von der gelben Kinder- und Einsteigerroute über die knifflige blaue Route und die violette Jokerroute mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden bis hin zur schwarzen Profiroute, hier findet jeder Kletterfan sein geeignetes Trainingsprogramm. Ein 30 Zentimeter dicker Schaumstoffboden biete Sicherheit, falls der nächste Griff doch einmal knapp verfehlt wird. Die farbigen Schwierigkeitsgrade sind übrigens nicht national einheitlich besetzt. Ohne Vorerfahrungen möglichAuch Sportlehrerin Stefanie Rickfelder hat die Boulderhalle getestet und ist begeistert: „So ein Angebot unterstützt wertvoll die Jugendarbeit vor Ort, ist ein toller Ausgleich zum normalen Sportunterricht und wetterunabhängig durchzuführen. Die Schüler müssen lernen sich beim Bouldern selbst einzuschätzen und müssen mit helfenden Tipps vom Boden aus Verantwortung für andere übernehmen. Die Sportart liegt im Trend, ist ohne Vorerfahrungen möglich, verspricht Erfolgserlebnisse und fördert gleichzeitig sowohl Kopf- als auch körperliche Arbeit.“ Lediglich die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel könne hier noch ausgebaut werden, findet die Pädagogin.

Zum Verschnaufen lädt die 90 Quadratmeter große Lounge auf einer zweiten Ebene ein oder die kleine Theke, an der der Kreuztaler die Aktiven mit Getränken und frischen Flammkuchen oder selbst gebackenen Nussecken von Mutter Freya bewirtet. Auch eine Kinderecke und kletterspezifische Übungsgeräte sind vorhanden. Einen kleinen Shop mit Kletterausrüstung und -bekleidung soll es demnächst auch geben.

Die Boulderhalle hat von montags bis freitags von 14 bis 22 Uhr und an Sams-, Sonn-, und Feiertagen von 12 bis 20 Uhr geöffnet, so dass sich das Privatleben des ehemaligen Snowboardlehrers auf die Vormittage konzentriert. Die vierjährige Mischlingshündin „Lina“ ist täglich mit von der Partie. Ist Urlaub in Sicht zieht es Clemens und seine Lebensgefährtin Dagmar ins größte Outdoorklettergebiet der Welt Fontaimebleau, 50 Kilometer südlich von Paris.
Ein Artikel von Cristin Schmelcher

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