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Finnentrop, Finnentrop-Heggen, 17. April 2016

Kaffee und Kuchen in der Herberge

Heggener treffen Flüchtige

Heggener treffen Flüchtige
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Zu einem gemeinsamen Nachmittag hatte Markus Schreuer, seit 1. Februar Jugendherbergsvater in Heggen, alle Nachbarn rundum die Herberge eingeladen. „Zu Jugendherbergszeiten war es Tradition, sich zum neuen Jahr in unserem Haus zu treffen. Da sich die Bestimmung des Hauses gewandelt hat und dieses Treffen in diesem Jahr nicht stattfand, möchten wir sie heute zu Kaffee und Kuchen einladen“, begrüßte Markus Schreuer die Nachbarn am Sonntagnachmittag.

Die waren zahlreiche gekommen und genossen nicht nur den angekündigten Kaffee und Kuchen, sondern auch die vielen Spezialtäten, die die Bewohner der Herberge nach Rezepten aus ihrem Heimatland gebacken und gekocht hatten.

„Wir beherbergen hier zurzeit 80 Schutzsuchende. Da ist es einfacher bei Unstimmigkeiten, wenn man schon mal zusammen gesessen hat. Wir wollen das Prinzip der kurzen Wege, wenn es Probleme, aber auch Anregungen und Hilfe gibt.“ „Schulklassen machen mehr Trubel“ Probleme gab es bis jetzt nicht. „Es ist sogar ruhiger als zu Zeiten, wo das Haus noch als Jugendherberge genutzt wurde“, erklärte ein unmittelbarer Nachbar. „Schulklassen on Tour machen mehr Trubel als die jetzigen Bewohner. Aber auch die Schulkinder haben uns nicht gestört.“

Schon im Eingangsbereich trafen die Kinder aufeinander und das Eis war schnell gebrochen. Am Ende spielten alle gemeinsam auf dem hauseigenen Spielplatz. Aber auch die Erwachsenen hatten keine Berührungsängste. Wenn es mit der Sprache nicht weiter ging, kamen Hände und Füße zum Einsatz. „Haben Möglichkeit, Vertrag zu verlängern“ Unter den Gästen waren auch Bürgermeister Dietmar Heß, Pia Hirschhäuser (Koordinatorin für die ehrenamtliche Arbeit) und Björn Büscher von der aufsuchenden Jugendarbeit. Bürgermeister Heß erklärte, dass man die Herberge zunächst für ein Jahr gemietet hat, um hier die zugewiesenen Asylsuchenden zu beherbergen. „Wir haben aber im Herbst auch die Möglichkeit, den Vertrag zu verlängern.“
Neben den Flüchtlingen, die der Gemeinde zugewiesen worden sind, leben in Heggen derzeit auch 15 Jugendliche aus dem Märkischen Kreis. Diese unbegleiteten Jungen zwischen 15 und 17 Jahren werden vor Ort durch das Josefhaus in Trägerschaft der GFO betreut. „Wir sind froh, die Jugendlichen hier gut untergebracht zu wissen. Diese Räumlichkeiten waren in Plettenberg nicht vorhanden“, erklärt Reinhard Geuecke, Leiter des Josefshauses. Die 15 Jugendlichen gehen aber in Plettenberg zur Schule. „Dort haben sie sofort einen Schulplatz bekommen und die Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert auch“. Im Kreis Olpe hingegen warten viele minderjährige Flüchtlinge auf einen Schulplatz. „Wir sind für jede Idee dankbar“ Aber auch die ehrenamtliche Hilfe in Heggen selber läuft an. Der SV Heggen und der Sportplatz am Daspel sind gerade für die Jugendlichen ein beliebtes Ziel. Kicken geht immer, egal welche Nation. „Ich würde mir aber auch wünschen, dass hier aus dem Haus ein Integrationszentrum wird“, so Herbergsvater Markus Schreuer. „Es wäre toll, wenn die Vereine ins Haus kommen würden und so die Flüchtlinge in einem für sie geschützten Ort mit in ihre Aktivitäten einbinden. Im Keller gibt es einen Raum, in dem Sport stattfinden kann, in der ehemaligen Kapelle könnten Chöre proben, in einem Aufenthaltsraum könnte ein Nähkurs starten. Vielleicht hat auch mal ein Band Lust, bei uns zu proben. Wir sind für jede Idee dankbar.“ Zurzeit bieten Birgit Dommes, Hildegard Hamers und Gabriele Gräfin von Spee vormittags ehrenamtlich schon Sprachkurse an. „Wir benötigen aber noch helfende Hände, die in dieser Zeit die Kinderbetreuung übernehmen würden, damit auch vermehrt Mütter diese Kurse besuchen könnten“, wünscht sich Hildegard Hamers noch mehr Hilfe. Gemeinsame Kochkurse, aber auch Ausflüge und Angebote, die die Langeweile, die manchmal den Tag endlos werden lässt, sind immer erwünscht. „Melden sie sich einfach im Haus oder bei Pia Hirschhäüser“, gibt Markus Schreuer allen noch mit auf den Weg.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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