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Finnentrop, Finnentrop-Heggen, 30. September 2015

Heggen: Aufnahme von Flüchtlingen verschiebt sich

Heggen: Aufnahme von Flüchtlingen verschiebt sich
Foto: Barbara Sander-Graetz
Ab Donnerstag, 1. Oktober, sollte die Jugendherberge in Heggen eine Notunterkunft für Flüchtlinge in NRW werden. Das Haus hat eine Kapazität von 208 Plätzen. „Dieser Termin wird sich verschieben“, sagt Dr. Christian Chmel-Menges, Pressesprecher bei der Bezirksregierung in Arnsberg. Für die Betreuung vor Ort ist das Essener Unternehmen European Homecare (EHC) zuständig. Doch dieses hat zurzeit laut Bezirksregierung noch nicht genügend qualifiziertes Personal.

„Wir verschieben den Termin für die Aufnahme in dem Haus lieber, bis wir sicherstellen, dass ausreichend Personal vorhanden ist. Somit können bis zur Ankunft der ersten Flüchtlinge noch zwei bis drei Wochen vergehen.“ Die Bezirksregierung Arnsberg ist im Asylbereich landesweit zuständig. Sie organisiert die Unterbringung der Flüchtlinge in fünf Erstaufnahmeunterbringungen, in 21 zentralen Unterbringungseinrichtungen (ZUE) des Landes sowie in 121 Notunterkünften (NU). Zudem ist die Bezirksregierung für die anschließende Verteilung und Zuweisung der Asylbewerber auf die 396 nordrhein-westfälischen Städte und Gemeinden verantwortlich.

Um die Betreuung vor Ort sicherzustellen, schließt das Land Verträge mit Betreuungsorganisationen wie die Malteserwerke, dem Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Kolpingbildungswerk sowie dem privaten Unternehmen European Homecare ab, was diese Aufgabe auch in Heggen übernehmen soll. „Sehr kurzfristig“, wie ein Unternehmens-Sprecher erklärt. Allerdings beantwortet das Unternehmen weitere Nachfragen nur zögerlich. „Wir werden vorbereitet sein, verfahren routinemäßig wie in allen anderen 100 Einrichtungen unter unserer Leitung auch und sind mit den Bedingungen vor Ort hinreichend vertraut“, antwortet Pressesprecher Klaus Kocks schriftlich auf Nachfrage. „EHC ist sozusagen Marktführer“ EHC hat sich laut eigener Homepage seit der Gründung 1989 zu einem der effizientesten privaten Dienstleistern Deutschlands im Sozialwesen entwickelt. Das Unternehmen war bekannt geworden, „weil in einem seiner Häuser im nordrhein-westfälischen Burbach Wachmänner Flüchtlinge misshandelt hatten. EHC ist sozusagen Marktführer im Geschäft mit der Unterbringung von Flüchtlingen“, schrieb etwa die Süddeutsche Zeitung im Dezember 2014. Für die Sicherheit in Heggen hat EHC das Unternehmen S.E.T. (Security & Event Team) aus Düsseldorf beauftragt.

Mit allen Betreuungsverbänden wurden nach dem Skandal im Burbach einvernehmlich verbindliche Standards für den Einsatz von Sicherheitskräften beschlossen. Kernpunkt der Vereinbarung: Alle Betreuungsorganisationen werden künftig bei der Beauftragung von Sicherheitsfirmen keinen Einsatz von Subunternehmen mehr akzeptieren. Zusätzliche verbindliche Festlegung: Wer künftig in einer Asylbewerbereinrichtung des Landes als Sicherheitskraft arbeiten will, muss sich mit einer Sicherheitsüberprüfung durch Polizei und Verfassungsschutz einverstanden erklären. Einziger Haken an der Sache: Diese Vereinbarung gilt für Regelunterkünfte. Bei Notunterkünften wie in Heggen „sollte man sich an den Standards orientieren“, erklärt so Dr. Christian Chmel-Menges. „Verfügen über eine schlanke Verwaltung“ Damit wird die Personalsuche immer schwieriger. Auch die Wohlfahrtsverbände stoßen hier an ihre Grenzen. Aber der Kostenfaktor ist ein wichtiges Argument bei der Vergabe und hier zeigt sich European Homecare günstig. „Als Familienunternehmen verfügen wir über eine schlanke Verwaltung und kurze Entscheidungswege, so dass wir schnell und flexibel auf die täglichen Anforderungen reagieren und einen Betrieb kostengünstig führen können“, wirbt das Unternehmen auf der Internetseite. „Frei von Abläufen, Aufwand und Zwängen, denen Behörden oder große karitative Organisationen unterliegen, verstehen wir uns als eine Manufaktur praktischer Lösungen. Wir wollen engagierter als unsere Wettbewerber sein. Damit setzen wir Kräfte frei, die letztlich den von uns betreuten Menschen, aber auch unseren Auftraggebern zu Gute kommen.“

Derzeit betreut und versorgt EHC mit rund 900 Mitarbeitern mehr als 15.000 Asylbewerber und ausländische Flüchtlinge in 90 unterschiedlichen Unterkunftseinrichtungen. Weitere Flüchtlinge werden zugewiesen Das Geschäft läuft. Laut The Huffington Post verzeichnete EHC bereits von 2012 auf 2013 einen Umsatzsprung um 72 Prozent auf rund 16,7 Millionen Euro, der Gewinn legte um deutlich mehr als das Doppelte von 585.000 auf mehr als 1,4 Millionen Euro zu.

Auch auf die Zuweisung von Flüchtlingen für die Gemeinde Finnentrop hat die Verzögerung der Belegung in Heggen Auswirkungen. Solange hier noch keine Flüchtlinge untergebracht worden sind, werden der Gemeinde weitere Asylsuchende zugewiesen.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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