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Finnentrop, Finnentrop-Heggen, 2. November 2015

188 Menschen kommen Montagfrüh an / WLAN als Verbindung in die Heimat

Flüchtlinge beziehen Jugendherberge

Flüchtlinge beziehen Herberge in Heggen
Fotos: Barbara Sander-Graetz
In der Nacht von Sonntag auf Montag sind 188 Flüchtlinge in der Jugendherberge Heggen angekommen. Mit einem Monat Verspätung (LokalPlus berichtete) ist das Haus damit als Notunterkunft für die Betreuung von Flüchtlingen in Betrieb genommen worden.

Montagmorgen im Foyer der Jugendherberge: Zahlreiche Menschen drängen sich hier. Im Foyer gibt es kostenlosen WLAN-Empfang. Die meisten der in der Nacht angekommen Flüchtlinge versuchen, ihre Familien und Angehörigen zu erreichen, um ihnen mitzuteilen, dass es ihnen gut geht. „What`s the name of this city?“ Die Frage nach dem Namen des Ortes hat Rainer Schöne heute schon zig Mal beantwortet: „Heggen, in the near of Finnentrop.“
Dieses Banner hieß die Flüchtlinge willkommen.
Schöne wohnt in Rönkhausen und kommt gebürtig aus Dortmund. Jetzt ist er Rentner. Als er in der Zeitung die Annonce las, dass ein „Allrounder“ für die Arbeiten in und um die Jugendherberge während der Unterbringung der Flüchtlinge gesucht wird, bewarb er sich. Umgehend, wie er sagt. „Ich wollte mich sozial engagieren, und ein ,Allrounder´ bin ich auch. Handwerklich weiß ich, wo der Hammer hängt.“ Seit Tagen nicht geschlafen Hinter der Rezeption befindet sich das Büro von European Homecare. Das private Unternehmen ist für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig. „Heute Nacht gegen vier, halb fünf sind die Busse mit den Flüchtlingen gekommen“, erzählt Paul van Maldegem. Er fungiert bis Ende Januar als Einrichtungsleiter. „Zwei Busse mit Flüchtlingen kommen direkt von der bayrischen Grenze. Sie sollten zunächst in eine andere Einrichtung, aber die war voll und so kamen sie nach Heggen. Viele haben daher seit Tagen nicht geschlafen“, sagt van Maldegem. Nachdem ihnen Zimmer zugewiesen worden seien, seien die meisten Menschen direkt unter die Dusche und ins Bett gegangen.

„Die Jugendherberge ist schon absoluter Luxus“, so Paul van Maldegem. „Hier haben die Menschen auch die Möglichkeit auf Privatsphäre, was in den Turnhallen absolut nicht möglich ist.“ Das ist besonders für die Familien eine Erleichterung. Aber auch die anderen freuen sich, nach oftmals anstrengenden Tagen, Wochen und Monaten auf der Flucht endlich wieder ein Zimmer für sich zu haben. Küchenchef freut sich auf Herausforderung Und auch beim Essen soll es an nichts fehlen. Dafür sorgt Küchenchef Stephan Willmes. Der gelernte Koch freut sich auf die Herausforderung. „Heute Nacht habe ich mit meinem zwölfköpfigen Team erst einmal Chili con Carne aus Rindfleisch mit Fladenbrot, Reis und Salat für alle gemacht. Die Menschen hatten Hunger.“ Frühstück gibt es auch noch um 12 Uhr. „Viele haben einfach lange geschlafen nach den ganzen Strapazen.“ Fertiggerichte kommen Stephan Willmes nicht auf den Teller. „Ich war heute Morgen schon einkaufen und habe erst einmal Obst besorgt.“ Brot hat er auch gleich mitgebracht.
Küchenchef Stephan Willmes.
Vier Soldaten der Bundeswehr sind in den ersten zwei Wochen ebenfalls vor Ort. Sie helfen bei der Einweisung, der Ausgabe der Erstausstattung und sprechen zum Teil auch arabisch, denn die Flüchtlinge kommen zurzeit aus Syrien, Afghanistan, Indien, Somalia, Pakistan und Ghana. Dolmetscher und Kinderbetreuer gesucht „Über ehrenamtliche Dolmetscher, die arabisch können, würden wir uns sehr freuen“, antwortet Paul Van Maldegem auf die Frage, wie die Heggener und Ehrenamtliche helfen können. „Außerdem suchen wir noch Freiwillige, die bei der Kinderbetreuung helfen.“ Die können sich zum einen bei European Homecare unter der Telefonnummer 0159/04363146 oder bei der Gemeinde Finnentrop (Pia Hischhäuser, Tel. 02721/512-108) melden.

„Kleiderspenden brauchen wir hier nicht“, sagt Rainer Schöne. „Die sollten auf jeden Fall bei der Kleiderkammer abgegeben werden. Wir haben dafür hier vor Ort keinen Platz.“
Das Mittagessen wird zubereitet.
Die Flüchtlinge werden voraussichtlich zwei bis vier Wochen in Heggen bleiben, bevor an einzelne Kommunen weitergeleitet werden. Manche machen sich aber auch selbstständig auf den Weg zu Verwandten in Deutschland. Ob die 20 derzeit freien Plätze in der Jugendherberge in naher Zukunft auch noch belegt werden, sei zurzeit nicht absehbar.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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