Nachrichten Dies und das
Finnentrop, Finnentrop, 21. Dezember 2015

Rund 300 Schüler sehen Theaterstück über Gräuel des Nazi-Regimes

Diskussionen über das dunkelste Kapitel

Theaterstück über Nazi-Verbrechen und Widerstand
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Das Theaterstück „Über das Leben oder meine Geburtstage mit dem Führer“ der Wittener Autorin Beate Albrecht stand am Montagvormittag auf dem Stundenplan der weiterführenden Schulen in Finnentrop. In zwei Aufführungen wurden Verbrechen, Alltag und Jugendwiderstand zu Zeiten des Nazi-Regimes thematisiert.

Diese Diskussion über die Aktualität des Stückes führten die rund 300 Schüler Schüler im Anschluss an die Aufführung mit den Schauspielern. Das Ensemble nahm sich die Zeit, um die vielen Fragen der Schüler zu beantworten. Gleichzeitig bedeuteten diese Rückmeldungen für alle eine Reflektion des Gebotenen. „Wir wollen, dass ihr versteht, was damals passiert ist und was das mit der Gegenwart zu tun hat“, so Autorin Beate Albrecht, die auch gleichzeitig die Rolle der Mutter übernommen hatte.

Die Geschichte handelt von Anni. Sie hat am gleichen Tag Geburtstag wie Adolf Hitler, der selbsternannte Führer. Während sie an ihrem neunten Geburtstag noch nicht viel mit dieser Tatsache anfangen kann, verändert sich ihr Leben von Jahr zu Jahr immer dramatischer. „Das ist eine Ehre“, erklärt ihr ein Schulfreund Hansi, der im Laufe der Zeit immer stärker in den Sog der ideologischen Indoktrinierung gerät. Die Hitlerjugend und der Bund Deutscher Mädel locken die Kinder in die Fänge der Partei. Doch geprägt vom eigenen Elternhaus entscheidet sich die heranwachsende Anni nach anfänglicher Begeisterung für den Widerstand. Verhaftungen, Diffamierungen, Tötungen Immer wieder schreibt sie dabei Briefe an Hitler, die sie aber nie abschickt. Sie muss erleben, wie ihr Vater inhaftiert und getötet, ihr jüdischer Musiklehrer diffamiert wird und verschwindet. Auch ihre Mutter wird schließlich ermordet, und nur Anni und Schulfreund Hansi überleben den Terror auf unterschiedlichen Seiten. Mit minimalistischen Mitteln, bestehend aus Koffer, Stühlen und einem Tisch, wurde im Kino ein Bühnenbild geschaffen, das als Sinnbild für das Leben im Versteck, die Hoffnung auf eine Fluchtmöglichkeit und letztendlich die Grausamkeit der Deportation steht. Die musikalische Untermalung des Saxofonisten sorgte dabei für atmosphärische Dichte. Melodisch erleben die Schüler, wie Stimmung und Zeitgeist von fröhlichen Geburtstagsliedern zu düsteren Tönen umschlagen, die von donnernden Befehlen und Angstschreien überlagert werden. Gleichaltrige Identifikationsfigur Dank der überzeugenden Schauspielkunst der Hauptfigur Anni, die das junge Publikum immer wieder direkt anspricht, gibt es eine gleichaltrige Identifikationsfigur, die einfühlsam und lebendig die dunklen Zeiten der deutschen Geschichte ins Gedächtnis ruft und zum Nachdenken anregte.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

Bildergalerie: Diskussionen über das dunkelste Kapitel