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Finnentrop, Finnentrop-Rönkhausen, 28.08.16

Kristin Hoffmann hat es in den Landesjugendkader geschafft und wünscht sich mehr Ansehen für ihren Sport

Die einzige weibliche Fahrsportlerin im Sauerland

Mit 2 PS durch den Hindernis-Parcours
Kristin Hoffmann aus Rönkhausen trainiert seit sieben Jahren in Wildewiese, Pferde vor der Kutsche zu lenken - und zwar durch Hindernisstrecken. Sie ist die einzige Frau im Sauerland, die sich dem Fahrsport verschrieben hat - und zwar überaus erfolgreich.

„Bei F starten wir. Dann durch die halbe Bahn auf das erste Hindernis zu“, erklärt Ausbilder Christian Schmalor. Kristin Hoffmann treibt die beiden Haflinger an, die im Trab die Kutsche durch die vorbereiteten Kegelhindernisse ziehen. In einer engen Kurve wendet sie die Kutsche gleich nach dem Hindernis und weiter geht´s zum nächsten Kegelpaar. Alles begann mit dem Reitunterricht Kristin Hoffmann aus Rönkhausen hat vor sieben Jahren ihr Herz an den Fahrsport verloren. „Es fing alles damit an, dass ich Reitunterricht genommen habe. Dann wurde ich gefragt, ob ich vielleicht mal mit auf der Kutsche fahren möchte. Und weil mir das viel Spaß gemacht hat, habe ich ein Turnier besucht und mir die Fahrsportler mit ihren Kutschen angesehen. Da war mir klar: Das ist etwas für mich“, erinnert sich die heute 22-jährige. Die Eltern stellten sie damals vor die Wahl: Rollerführerschein oder das erste Fahrabzeichen. Eine leichte Entscheidung für die Rönkhauserin. Seitdem lernt sie im Ausbildungsstall von Christian Schmalor in Wildewiese, die Ponys vor der Kutsche sicher zu lenken.
Kristin Hoffmann mit ihrem Ausbilder Christian Schmalor und den Haflingern Alluna und Amiira
Fünf bis sechs Mal die Woche trainieren die beiden mit Alluna und Amiira. Und das machen beide nicht nur zum Spaß: Kristin Hoffmann und Christian Schmalor nehmen mit den Haflingern deutschlandweit an Turnieren teil. Dafür müssen nicht nur Dressur- und Hindernisfahren trainiert werden, sondern auch die Ausdauer der Pferde. Auch unter dem Sattel oder vor der einspännigen Kutsche werden die Haflinger trainiert. „Wir machen nicht jeden Tag dasselbe. Schließlich sollen die beiden sich auch nicht langweilen“, erklärt Kristin Hoffmann. Berufung in den Landeskader 2010 und 2011 war Ausbilder Christian Schmalor selbst im Landeskader und nahm an den Deutschen Meisterschaften teil. Bei den NRW-Meisterschaften bekam er die Bronzemedaille. Auch für das kommende Jahr peilt er einen Start bei den Meisterschaften im Fahrsport an. Mit 13 Jahren begann er mit dem Reitunterricht, zu Weihnachten bekam er das erste eigene Pony. „Eigentlich ein total untypisches Alter, um sich für Pferde zu interessieren“, lacht der heute 30-jährige. Aber die Faszination blieb, und so kam er über Bekannte an den Fahrsport. Damals immer mit dabei: Das erste Pony, die Haflingerstute Alma. „Je besser ein Pferd unter dem Sattel trainiert wird, desto leichter ist es, dem Pferd beizubringen, vor einer Kutsche zu laufen“, erklärt Schmalor. Er erwarb die Trainerlizenz und bringt seitdem zwei Mal im Jahr bei Seminaren Anfängern und Fortgeschrittenen das Kutsche fahren bei. Allerdings ist der Fahrsport für beide nur ein Hobby: Christian Schmalor ist Entwicklungsleiter im Bereich Elektronik, Kristin Hoffmann studiert Lehramt an der Universität Siegen. „Reich werden kann man mit dem Fahrsport nicht. Dazu sind die Preisgelder bei Turnieren zu gering. Aber es ist ein sehr schönes Hobby“, so Schmalor. Imageproblem Kutsche „Viele verbinden Kutsche fahren gleich mit Planwagenfahrten. Aber es ist viel mehr als das. Dass Fahrsport eine interessante und spannende Sportart ist, wird leider viel zu wenig wahrgenommen“, findet Kristin Hoffmann. So sind sie und Christian Schmalor die einzigen Fahrsportler im ganzen Sauerland. Deutsche Jugendmeisterschaft Und das mit Erfolg: Im vergangenen Jahr wurde Kristin Hoffmann nach ihren Erfolgen bei kleineren Turnieren in den Landesjugendkader berufen und startete bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Okel bei Bremen. Gerne erinnert sie sich an das besondere Erlebnis zurück: Mittwochs ging die Reise los, weil ja auch die Pferde die lange Anreise in den Norden verkraften müssen. Im eigenen Stall-Zelt konnten die beiden Haflinger sich in aller Ruhe an die neue Umgebung gewöhnen. Am nächsten Tag stand die erste Prüfung an: Beim Vormustern der Pferde werden nicht nur Gang, Präsentation und Aufmachung der Pferde beurteilt, sondern auch das Outfit des Reiters. Das Vormustern konnte Kristin Hoffmann mit dem zweiten Platz abschließen und damit die anderen 30 Konkurrenten erst einmal weit hinter sich lassen. Auch mit der Leistung in der Dressurprüfung am Freitag ist sie sehr zufrieden: „Alles hat gepasst, die Pferde waren gut drauf. So konnten wir einen tollen vierten Platz erreichen“, erinnert sie sich. Am nächsten Tag ging es für zwei mal sechs Kilometer ins Gelände. Hier waren die Ausdauer der Pferde und die Geschicklichkeit des Kutschers gefragt. Durch Wasserhindernisse, zwischen Kegelhindernissen hindurch, Berge hinauf- und das alles natürlich auf Zeit: eine anstrengende Prüfung. „Leider haben wir am Anfang gepatzt. Dadurch wurde ich nervös und wir haben in der Gesamtwertung einige Plätze eingebüßt“. So landete Kristin Hoffmann in der Gesamtwertung im guten Mittelfeld.

„Das ist reine Übungssache. Bis zum nächsten Jahr bekommen wir das auf jeden Fall noch besser hin“, ist ihr Trainer Christian Schmalor überzeugt. Immerhin war es für die beiden Haflingerstuten Alluna und Amiira das erste große Turnier gemeinsam als Gespann. „Die beiden haben einen guten Gang, eine starke Hinterhand, ein ruhiges Gemüt und trotzdem Power. Das braucht man für den Fahrsport. Die beiden sind ein starkes Team“, weiß Christian Schmalor über seine Pferde. Und so könnte es im kommenden Jahr für Kristin Hoffmann, Alluna und Amiira bei der Deutschen Jugendmeisterschaft vielleicht auf das Siegerpodest gehen.
Ein Artikel von Ina Hoffmann

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