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Finnentrop, 06.09.2015

Eine Woche vor der Wahl: Die Kandidaten im LokalPlus-Interview

Bürgermeisterwahl in Finnentrop

Von links: Dietmar Heß (CDU-Kandidat), Christian Vollmert (Kandidat der Freien Wähler FÜR Finnentrop), Stefan Volpert (Unabhängiger Kandidat)
Von links: Dietmar Heß (CDU-Kandidat), Christian Vollmert (Kandidat der Freien Wähler FÜR Finnentrop), Stefan Volpert (Unabhängiger Kandidat)

Steckbriefe der Kandidaten
Dietmar Heß (CDU-Kandidat) tritt als Bürgermeister wieder für das Amt an. Ehrenamtlich engagiert er sich als Vorsitzender des DRK-Ortsvereins Finnentrop sowie als Vizepräsident des Städte- und Gemeindebundes NRW. Heß (Jahrgang 1955) lebt in Heggen, ist verheiratet und hat einen Sohn.

Hobbys: Sport (aktiv und passiv), Radfahren, Wandern, Ski fahren, Lesen, Kachelofenholz im eigenen Wald gewinnen

Haustiere: Hund „Bella“

Top 3 der Lieblingsfilme: Casablanca, Die Feuerzangenbowle, Tatort

Musikgeschmack: nicht festgelegt, klassisch bis Rock
Christian Vollmert (Kandidat der Freien Wähler FÜR Finnentrop) arbeitet als Rettungsassistent. Der Vater von drei Kindern ist verheiratet. Vollmert (Jahrgang 1968) lebt in Finnentrop – in seiner Freizeit engagiert er als Bürgerschützenverein Finnentrop, ist seit 2009 Mitglied des Rates der Gemeinde Finnentrop. Außerdem ist er Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler FÜR Finnentrop.

Hobbys: Familie, Kegeln, Autos

Haustiere: eine Katze

Top 3 der Lieblingsfilme: „Blues Brothers“, „Wir können auch anders“, „Die Ritter der Kokosnuss“

Musikgeschmack: Blues, Rock, Oldies
Stefan Volpert (Unabhängiger Kandidat) ist nach eigenen Angaben Betriebswirt. Der Vater eines Sohnes lebt in Lennestadt. Volpert (Jahrgang 1963) ist Vorstandsmitglied bei Slowfood Sauerland. Er hat langjährige Erfahrung in diversen politischen und kommunalen Gremien.

Hobbys: Tauchen, Natur erleben

Haustiere: 2 Hunde, ein Großer Münsterländer und ein Bayrischer Gebirgsschweißhund

Top 3 der Lieblingsfilme: Schindlers Liste, Pretty Woman, Sherlock Holmes

Musikgeschmack: facettenreich
1.Laut Bertelsmann-Stiftung wird der Kreis Olpe bis 2030 rund 12.000 Einwohner verlieren. Welche Maßnahmen werden Sie in Ihrer Amtszeit gegen diesen Trend ergreifen?
Heß: Zunächst ist das Statistik. Abgesehen vom aktuellen Flüchtlingsstrom verliert ganz Deutschland an Einwohnern, der ländliche Raum ist davon stärker betroffen als die Städte und die Ballungsräume. Wir haben in Finnentrop attraktive Wohn- und Arbeitsplätze, eine intakte und vielfältige Natur, viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und ein noch intaktes Zusammenleben und -halten in den Orten. Bauland ist preiswert und die Lebensbedingungen auch für junge Familien sind exzellent, Kindertageseinrichtungen und Schulen sind dezentral vorhanden, so dass den Menschen bewusst gemacht werden muss, dass das Leben auf dem Land interessant ist und Zukunft hat.
Vollmert: Für die Gemeinde Finnentrop sehe ich 3 Leitziele: Finnentrop als lebendige Gemeinde, als naturnahe Gemeinde und ein einheitliches Zentrum. So soll sich die Gemeinde zum attraktiven, familien- und wirtschaftsfreundlichen Standort entwickeln. Das ist der Schlüssel für Familien und für Zuwanderung.
Volpert: Wir benötigen bei moderater Zuwanderung eine durchschnittliche Kinderzahl je Frau von 1,7, bei der sich die Einwohnerzahl stabil halten lässt. Deshalb werde ich, dem Beispiel der skandinavischen Länder folgend, auch auf kommunaler Ebene eine familien- und kinderfreundliche Infrastruktur fördern.
2.Flüchtlinge könnten den demografischen Wandel abfedern. Wie wollen Sie dieses Potenzial nutzen? Welche anderen Chancen ergeben sich durch den Zuzug für die Kommune?
Heß: Die Flüchtlinge, die dauerhaft hier bleiben können, wollen wir so schnell und so gut wie möglich integrieren. Viele Menschen in unserer Gemeinde sind bereit, dabei zu helfen, dazu gibt es inzwischen das „Netzwerk Integration“. Natürlich wollen wir versuchen, aus diesem Potenzial Fachkräfte für die Wirtschaft zu gewinnen, aber vor allem wird es darum gehen, den Flüchtlingen hier eine Perspektive für die Gestaltung ihres eigenen Lebens zu geben. Wir müssen den Kindern eine ihren Talenten entsprechende Schulausbildung zukommen lassen. Das alles ist eine Frage des humanitären Umgangs mit den Flüchtlingen, nicht der verzweifelte Versuch, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.
Vollmert: Vielfalt ist ein wesentlicher und notwendiger Faktor für wirtschaftliche Entwicklung. Die Eingliederung in die Arbeitswelt braucht Zeit. Unabdingbar ist die Kommunikation in deutscher Sprache. Die Unternehmen brauchen aber auch Sicherheit. Es macht keinen Sinn, wenn sie diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vor allem die Auszubildenden nach kurzer Zeit wieder durch Abschiebung verlieren.
Volpert: Die südwestfälischen Wirtschaft, u.a. die Kirchhoff Gruppe, hat bereits deutlich ihre Forderungen zur Flüchtlingspolitik geäußert. Es ist erforderlich, die Zuwanderer zügig in das Arbeitsleben zu integrieren, damit sie nicht erst für lange Zeit die Schulbank drücken müssen. Flüchtlinge bieten die Chance, Arbeitsmarkt und die sozialen Sicherungssysteme zu stabilisieren.
3.Wie gehen Sie mit weiterem Zuzug von Asylsuchenden um? Wo wollen Sie die Menschen unterbringen? Wie viel Hilfe kann die Kommune noch stemmen?
Heß: Bislang hat sich unser dezentrales Unterbringungskonzept in Finnentrop voll bewährt – zum Nutzen der Flüchtlinge, wichtig auch für das Verständnis innerhalb der Bevölkerung. Ab Oktober 2015 wird für 4 Monate die Jugendherberge in Heggen belegt werden, in dieser Zeit und vier Monate danach teilweise werden die dort untergebrachten Personen auf unser Kontingent angerechnet. Danach stoßen wir aus heutiger Sicht an Grenzen, sind aber durch weitergehende Planungen vorbereitet. Auf Dauer hoffen wir auch darauf, dass Flüchtlinge sich nach und nach des allgemeinen Wohnungsmarktes als ganz normale Mieter bedienen können, wir wollen solange Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
Vollmert: Die Menschen werden zugewiesen und sind bei uns. Wir müssen sie unterbringen und uns um sie kümmern. Dies kann nur dezentral geschehen. Es darf sich keine Parallelgesellschaft bilden. Mit ehrenamtlicher und nachbarschaftlicher Hilfe kann man die Flüchtlinge dezentral am besten integrieren.
Volpert: Ich gehe freundlich und offen mit dem weiteren Zuzug um. Deshalb möchte ich die Menschen dezentral unterbringen. Die Kommune kann soviel Hilfe stemmen, wie die Wirtschaft langfristig Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren kann.
4.Die heimischen Unternehmen sind Weltmarktführer, die langsamen Internetanbindungen sind jedoch ein potentieller Wettbewerbsnachteil. Auch die meisten Privatpersonen klagen über langsame Leitungen. Wie wollen Sie konkret für schnelles Internet sorgen?
Heß: In der Gemeinde Finnentrop haben wir grundsätzlich ausgesprochen gute Verhältnisse. Aus den Bereichen Rönkhausen/ Lenhausen und Serkenrode/Fretter dürfte es keine Klagen geben, dort gibt es breitbandige Anschlüsse in ausreichender Zahl. Genau dieser “Flaschenhals“ wird gerade in den Bereichen Finnentrop/Bamenohl/Weringhausen und Heggen sowie in Hülschotten beseitigt, die zahlreichen Baustellen sind nicht zu übersehen. Nach Auskunft der Telekom erfolgt die Freischaltung noch in 2015. Für Schönholthausen und Ostentrop war bereits in 2011 eine Lösung unter finanzieller Beteiligung der Gemeinde Finnentrop greifbar, allerdings fand sich nach Ausschreibung kein Auftragnehmer. Deshalb ist hier zunächst auf Initiative der Gemeinde eine Funklösung installiert worden. Nun gibt es seit dem Frühjahr 2015 ein völlig neues Konzept für die Orte Schönholthausen/Ostentrop/ Müllen/ Frettermühle/Gierschlade und Deutmecke, dessen Umsetzung derzeit vorbereitet wird. Es sieht sogar so aus, dass auch Fehrenbracht und Schliprüthen angeschlossen werden können.
Vollmert: Ein schnelles Internet ist ein bedeutsamer Standortfaktor. Will Finnentrop wettbewerbsfähig bleiben, gehört schnelles Internet unbedingt dazu. Mit den Unternehmen werde ich den IST- und Wunsch-Zustand zum schnellen Internet erheben. Zudem ergeben sich aus dem aktuell aufgelegten Programm der Bundesregierung zum Breitbandausbau Möglichkeiten, bisher vernachlässigte Bereiche wie z.B. Schönholthausen anzubinden.
Volpert: Die Telekom, als ein Hauptakteur der Internetanbindungen, ist ein träges Ross. Vor dem Hintergrund, dass 1 km Kabelverlegung ca. 70.000 € kosten, werde ich, insbesondere in den entlegenen Ortsteilen ein solidarisches Bündnis aus Kommune, Wirtschaft und Bürgern, ergänzt durch Fördermittel, schmieden, um eine schnelle Internetverbindung flächendeckend zu schaffen.
5.Thema Fachkräftemangel: Wie gelingt es, Fachpersonal in den Kreis zu holen und hier zu halten?
Heß: Anschließend an die Antwort zu 1. geht es zunächst darum, unsere Potenziale herauszustellen. Da geht es auch darum, dass die Familien der Fachkräfte die Möglichkeit haben, hier in einem intakten Umfeld zu leben. Aber es braucht natürlich das attraktive wohnortnahe Schulangebot, die Kinderbetreuung, aber auch die weichen Standortfaktoren wie Naherholung, Kultur, Sport und Freizeit. Das soziale Zusammenleben ist anders als in der Großstadt, in der ich anonymer leben kann, wenn ich will. Unser Vereinsleben, die Aktivitäten in den Dörfern sind so großartig und vielfältig, damit kann man schon werben.
Vollmert: In Finnentrop gelingt das durch die Ausweisung von Gewerbeflächen und im Zusammenwirken mit Attendorn. Eine gemeinsame Nutzung von Gewerbegebieten ist für beide Kommunen eine Win-Win-Situation. Neben günstigem Bauland zielen Fachkräfte auch auf ein wohnortnahes Schulangebot. Alle Grundschulstandorte sind zu festigen und die Gesamtschule ist zu stärken. Wichtig ist auch: Der Haltepunkt für die geplante IC-Verbindung gehört nach Finnentrop. Hier ist der Bahnknotenpunkt. Dafür kämpfe ich.
Volpert: Fachkräftemangel ist ein nationales Problem, welches in direktem Zusammenhang mit dem demographischen Wandel steht. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern bedarf es ein Umdenken in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Die Unternehmen werden im Ringen um die Fachkräfte nur erfolgreich sein, wenn sie sich an der Philosophie der skandinavischen Unternehmen orientieren. In Schweden gibt es unter Firmen einen Wettbewerb darum, wer das familienfreundlichste Umfeld bieten kann.
6.Die Kommunen unterliegen dem Sparzwang, müssen aber angesichts des demografischen Wandels ihre Attraktivität steigern. Wie wollen Sie das schaffen?
Heß: Diese Frage würde mir in Bayern oder Baden-Württemberg kaum gestellt werden. Geld ist in Deutschland mehr da, als man in den Kommunen, speziell in NRW, spürt. Es muss zwischen den staatlichen Ebenen anders verteilt werden. In NRW gibt es die größte Kommunalisierungsquote, d.h. wir müssen hier mehr Aufgaben als anderswo erledigen und bekommen nicht das notwendige Geld dazu. Also zunächst einmal gilt es die kommunale Finanzausstattung zu verbessern. Wir können uns nicht immer weiter wie eine Zitrone ausquetschen lassen.
Aber unabhängig davon ist es der ländliche Raum, sind auch wir in Finnentrop es gewohnt, kreativ mit wenig Geld doch einiges zu schaffen. Das hat auch sehr viel mit der Übernahme von Aufgaben durch Ehrenamtliche zu tun, die allerdings auch nicht als Lückenbüßer angesehen werden dürfen.
Vollmert: Mit mir als Bürgermeister gibt es keine Traumschlösser. Der Haushalt unterliegt Leitzielen. Die Attraktivität der Gemeinde Finnentrop ist dort anzugehen, wo sie früher einmal war, in der Tallage. Die Gemeinde Finnentrop leidet auch unter einer viel zu starken Abwanderung junger Leute, die nicht zurückkehren. Qualifizierte Arbeitsplätze müssen her. Das geht u.a. in Zusammenarbeit mit Attendorn.
Volpert: Die Attraktivität der Kommune insgesamt kann nur gemeinsam mit den Unternehmen der Region gesteigert werden. Wie in Frage 5 bereits angesprochen, ist der Attraktivitätsfaktor Nummer 1 ein familienfreundlicher Arbeitsplatz. Kindergärten und Kitas müssen dabei mit modernen und erweiterten Öffnungszeiten unterstützen, damit die Menschen Beruf und Familie flexibel vereinbaren können
7.Was glauben Sie? Werden Sie als Bürgermeister Schulden verwalten statt Zukunft aktiv zu gestalten? Was motiviert Sie, Bürgermeister zu werden?
Heß: Natürlich will ich auch weiter die Zukunft gestalten. Unsere Verschuldung befindet sich trotz ungenügender Finanzausstattung mit 300 €/Einwohner (Durchschnitt in NRW 3.500 Euro/Einwohner!) auf einem äußerst niedrigen Stand.
Viele Dinge motivieren mich, weiter Bürgermeister zu bleiben. Die Aufgabe der Gestaltung ist immer eine Team-Aufgabe. Da ist der Rat mit einer gestaltenden Mehrheit, da gibt es eine Verwaltung, zwar relativ klein aber wirkungsvoll, mit Vielen, die an einer Zukunftsgestaltung interessiert sind und in der ein gutes Miteinander herrscht. Und da sind die Herausforderungen der Zukunft, die mich weiter reizen.
Vollmert: Aktiv gestalten natürlich. Aber mit den Bürgerinnen und Bürgern. In der Opposition hat meine Fraktion viele hervorragende Anträge zur besseren Gestaltung der Gemeinde Finnentrop gestellt. Leider vergeblich. Als Bürgermeister kann ich sie mit Nachdruck auf die Agenda setzen. Darauf freue ich mich.
Volpert: Als Bürgermeister werde ich keine Schulden verwalten, sondern im Rahmen eines Bürgerhaushaltes, die Finanzen der Kommune auf ein stabiles Fundament stellen. Mein Motivationsfaktor Nr. 1 ist der Wille zur Tat, gemeinsam mit den Menschen vor Ort, die direkte Demokratie in die Hand zu nehmen.
8.Nur bei Gewinnspielen und im Anschluss an die Amtszeit als Bürgermeister gibt es sie: die „lebenslange Sofort-Rente“. Was halten Sie davon, dass diese nun abgeschafft werden könnte? Verliert der Job des Bürgermeisters damit für Sie an Reiz?
Heß: Da gibt es im Moment eine populistische Diskussion ausgelöst durch einen Fall in der Landeshauptstadt, der zum Kopfschütteln wirklich Anlass gibt.
Mich persönlich betrifft die Diskussion deshalb nicht, weil ich aufgrund meiner langen Tätigkeit bereits die Höchstpension erreicht habe. Aber seit vielen Jahren kämpfe ich auch in überörtlichen Gremien für eine attraktivere Ausgestaltung des Amtes des Bürgermeisters; das unterliegt den Bedingungen des Beamtenrechtes, das für Lebenszeitbeamte gedacht ist, während Bürgermeister ja nur auf Zeit gewählt werden. Die Mindestzeit für Pensionsansprüche beträgt derzeit 8 Jahre. Wird also ein Bürgermeister etwa nicht wiedergewählt, hat er keinerlei Ansprüche. Bekommt man unter solchen Voraussetzungen denn wirklich die besten Kräfte, die unsere Kommunen brauchen? Da gäbe es noch einiges mehr zu diskutieren.
Vollmert: Nein, als Bürgermeister ist man Dienstleister für die Bürger. Es sollte in erster Linie nicht um das Gehalt oder um eine evtl. Pension gehen, sondern darum, dass man die Gemeinde positiv voranbringt.
Volpert: Nein. Bei einer lebenslangen Sofort-Rente stimmt die Fairness des Systems nicht. Die Altersversorgung sollte wie bei anderen Arbeitnehmern auch geregelt sein.
9.„Es ist doch egal, wer Bürgermeister ist. Es ändert sich doch eh nichts.“ Was antworten Sie Menschen, die so etwas sagen? Womit motivieren Sie die Menschen, wählen zu gehen?
Heß: Auch ein Bürgermeister allein kann die Welt nicht retten, das ist doch klar. Aber haben Sie einen mutigen, entscheidungs- und kommunikationsfreudigen Bürgermeister mit einer Mehrheit im Rat, dann können Sie sicher sein, dass sich in der Gemeinde etwas bewegt, über den Weg können Sie dann mit der Politik und dem Bürgermeister diskutieren. Gibt es einen unentschlossenen, einen zaudernden Bürgermeister, dann wird wenig oder nichts entschieden. Ein Bürgermeister, der alles von der Mehrheit Kommende ablehnt, blockiert die Entwicklung einer Gemeinde total.
Vollmert: Die Wähler haben eine Auswahl. Die Freien Wähler haben ein konkretes Programm, das mit den Bürgerinnen und Bürgern weiterentwickelt wird. Danach ändert sich sehr viel. Vor allem wird ein neues Klima zwischen Verwaltung und Bürgern Einzug halten.
Volpert: Politik- und Wahlmüdigkeit ist dem Parteiensystem geschuldet. Bei der Bürgermeisterwahl haben die Bürger jedoch die Möglichkeit, die Elemente der direkten Demokratie neu aufzubauen. Deshalb ist eine hohe Wahlbeteiligung wichtig, damit die Parteien endlich verstehen, was die Menschen wirklich wollen. Ein parteiloser Bürgermeister ist der Anwalt der Bürger. Es muss ein Ruck durch Finnentrop gehen!
10.In Kurzform: Warum sollten die Bürger am 13. September Sie wählen?
Heß: Weil ich bewiesen habe, dass ich es kann, weil die Gemeinde auch künftig eine angemessene Repräsentation nach innen und außen braucht und weil mir die Menschen zutrauen auch zukünftig frisch zu denken, aktiv zu handeln und damit meinen Beitrag zur Zukunftsgestaltung zu erbringen.
Vollmert: Weil ich offen, ehrlich und verlässlich die Gemeinde in eine gute Zukunft führe.
Volpert:Weil ich den Bürgerwillen ohne Rücksicht auf Parteiinteressen umsetze.
11.Was muss in der Gemeinde passieren, damit sich weitere Betriebe in den Industriegebieten ansiedeln?
Heß: Nicht viel: nach vielen Jahren des Kampfes mit der Bezirksregierung hat die Gemeinde die Möglichkeit erhalten, den Industriepark „Wiethfeld“ zu erschließen. Das Gelände steht zu angemessenen Konditionen parat, hat eine gute Topographie, ist gut an das überörtliche Straßennetz angebunden und kann kurzfristig bebaut werden. Im Übrigen ist dieses Industriegebiet das einzige, in dem noch nennenswerte Flächen zur Verfügung stehen. Im Gebiet „Finnentrop III“ steht nur noch eine Restfläche kleiner als 10.000 qm zur Verfügung.
Vollmert: Die größten Chancen liegen in der Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen. Attendorn zum Beispiel ist wirtschaftlich stark. Davon kann Finnentrop nur profitieren. Die Gewerbesteuer müsste auch eingefroren werden, damit wir für ansiedlungsfreudige Unternehmen konkurrenzfähig bleiben. Auch wird die Wirtschaft in meiner Zeit als Bürgermeister feste und verlässliche Ansprechpartner im Rathaus haben.
Volpert: Die Wirtschaftsförderung muss politisch, personell und inhaltlich optimiert werden, damit Finnentrop innovationsfähig und das Image verbessert wird. Offensichtlich gibt es in der Finnentroper Wirtschaftsförderung irgendwelche „Bremsklötze“, denn ansonsten würden CDU Ratsmitglieder, wie Dirk Leibe, ihren Betrieb in Finnentrop ausgebaut haben und nicht in der Nachbarkommune Lennestadt.
12.Stichwort veränderte Schullandschaft: Die Gesamtschule hat vor dem Hintergrund des verschärften Konkurrenzkampfes um Schüler für das laufende Schuljahr eine Drei- statt der festgelegten Vierzügigkeit. Wie wird Finnentrop als Schulstandort attraktiv?
Heß: Die ersten drei Jahrgänge in der Gesamtschule waren so stark wie erwartet. Jetzt gibt es tatsächlich einen kleinen Durchhänger, der aber den Bestand nicht berührt. Die Schule macht eine exzellente Arbeit. Das Umfeld ist in Bewegung geraten durch die Veränderung in der Schullandschaft in Lennestadt, durch die Stichworte wie Inklusion und anderes mehr. Die Eltern erkennen aber zunehmend, welche Chancen das längere gemeinsame Lernen insbesondere für die Spätentwickler bietet, was es heißt, in anderen Schulformen zu scheitern. Wir arbeiten gemeinsam mit der Schule an einem Bündel an Maßnahmen, dazu gehört z.B. dass die Eltern auch mitbekommen, dass hier nicht nur gefördert, sondern auch gefordert wird im Sinne einer Exzellenzförderung, d.h. auch die Starken entsprechend unterstützt und dann zum Abitur gebracht werden. Schließlich muss noch klarer werden, dass wir ein Schulzentrum mit Möglichkeiten haben, das seinesgleichen im Kreis Olpe sucht. Der Ruf einer Schule beruht aber auch auf einem gemeinsamen Bemühen; der Versuch, aus einer vorübergehenden Schwächeperiode politisches Kapital zu schlagen, schadet den Interessen der Schule.
Vollmert: Die Konkurrenz zu den benachbarten Gymnasien ist nun einmal da, und Eltern werden diese auch für ihre Kinder ansteuern. Die Gesamtschule Finnentrop könnte ihr Profil schärfen, indem sie einen Schwerpunkt setzt auf eine enge Zusammenarbeit des schulischen Lernens mit den außerschulischen Lernorten in den heimischen Unternehmen. Das macht den Standort „Gesamtschule Finnentrop“ attraktiv.
Volpert: Finnentrop wird als Schulstandort attraktiver, indem die ÖPNV Verbindungen für die Schüler, insbesondere aus den Nachbarkommunen, verbessert werden. Eine weitere Möglichkeit ist es, die Schulqualität zu verbessern, um die Schüler für den europäischen Wettbewerb zu rüsten, indem sich die Gesamtschule zur interkommunal geförderten Europaschule für den Kreis Olpe qualifiziert.
13.Das Thema Windkraft wird weiter kontrovers diskutiert. Wie erreichen Sie eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung?
Heß: Klimaschutz, Energiewende, es muss uns gelingen, die Entwicklung beim Thema Windkraft so zu steuern, das wir einerseits die lokalen Klimaschutzziele erreichen und der Windkraft in unserer Kommune substanziell Raum geben, andererseits aber auch die Landschaft und die hier lebenden Menschen nicht durch Wildwuchs überfordern.
Mein Ziel bleibt es auch, dass sich die Gemeinde wirtschaftlich an Projektgesellschaften in den zukünftigen Konzentrationszonen beteiligt, um Wertschöpfung vor Ort zu behalten, vor allem aber auch um zukünftig den Einfluss der Gemeinde zu sichern. Das ist ein facettenreiches Thema. Mir ist in diesem Zusammenhang aber wichtig darauf hinzuweisen, dass uns nicht diese wirtschaftlichen Möglichkeiten antreiben, Windkraftanlagen zu errichten, sondern dass die unmittelbare Beteiligung der Kommune ein Mittel darstellt, um der Gemeinde Finnentrop und damit den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde auch zukünftig den notwendigen Einfluss zu sichern.
Vollmert: Windkraftanlagen greifen massiv in unsere Kulturlandschaft ein. Sie sind politisch gewollt und damit legitimiert. Aber Bürgerinnen und Bürger machen sich Sorgen um ihre Gesundheit, um ihre vertraute Heimat und um die Artenvielfalt. Unsere Landschaft und Heimat ist in ihrem Wert für einen Bevölkerungszuwachs in besonderem Maße schutzwürdig. Deshalb sind die Bürger in alle Prozesse einzubeziehen.
Volpert: Die Windkraft ist ein wichtiger Baustein der regenerativen Energien, an denen die Bürger direkte Beteiligungsmöglichkeiten finanzieller Art haben sollten. Sämtliche Belange zur Windenergie müssen im Rahmen von Bürgerentscheiden demokratisch getroffen werden, damit alle Interessen berücksichtigt werden. Entscheidungen für ausschließlich öffentliche oder private Partikularinteressen lehne ich ab.
(LP)

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