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Finnentrop, Finnentrop-Rönkhausen, 16. Oktober 2015

Friedrich Freiburg ist seit 35 Jahren freier Bildhauer / Er denkt und arbeitet in großen Dimensionen

Am Anfang war „Der kleine Zirkus“

Hat auch nach 35 Jahren als freier Bildhauer und zahlreichen Skulpturen in großen Dimensionen nach wie vor jede Menge  Ideen: Friedrich  „FFreiburg
Hat auch nach 35 Jahren als freier Bildhauer und zahlreichen Skulpturen in großen Dimensionen nach wie vor jede Menge Ideen: Friedrich „FFreiburg" Freiburg.
Die Frau im Mond. Atlas, der das Gewicht des Himmels trägt. Hermes der Götterbote. Dazu Gänse, Elefanten, eine Meerjungfrau, ein Eisbär, die Titanen, die im Meer versinken. Alles in allem eine illustre Gesellschaft von mehr als zwanzig Personen und Tieren, die sich an einem kleinen Teich direkt an der B236 in Rönkhausen versammelt hat. Allesamt aus Beton erschaffen. Ihr Schöpfer: Der freie Bildhauer Friedrich Freiburg

Als einziger Sohn seines Vaters sollte Friedrich Freiburg einst die Therecker Mühle übernehmen, das Unternehmen, das sein Großvater gegründet hatte. Deshalb machte er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. „Aber ich war schon immer eher praktisch veranlagt. Ich arbeite gerne mit meinen Händen“, erklärt er. Alles begann mit Reisen in den Mittelmeerraum, wo Freiburg zahlreiche Skulpturen bewunderte, die ihn dazu inspirierten, sich selbst an der Bildhauerei zu probieren und den eigenen Garten mit seinen Werken zu dekorieren.
„Der kleine Zirkus“ vor dem Finnentroper Rathaus.
Neun Jahre lang übte Friedrich Freiburg die Bildhauerei nur als Hobby aus. 1991 stellte er seine Werke erstmals in der Öffentlichkeit auf dem Rathausplatz in Finnentrop aus, nachdem er viel Zuspruch erhalten hatte und die Nachfrage nach seinen Werken anstieg. Seitdem ziert „Der kleine Zirkus“ den Platz und erfreut sich bei den Kleinen großer Beliebtheit. Inzwischen arbeitet „FFreiburg", so der Künstlername, seit 35 Jahren als freier Bildhauer. Eisen sorgt für Stabilität „Die Vorgehensweise habe ich selbst entwickelt: Ich mische den Beton an und gieße ihn in ein Becken. Dann lege ich ein vorgeformtes Stück Eisen oder ein Rohr in die noch weiche Masse und warte, bis es etwas aushärtet. Durch das eingelegte Eisen erhält die Figur Stabilität. Bevor der Beton endgültig hart wird, beginne ich mit der Bearbeitung. In diesem Stadium kann man ihn noch mit kleinen Werkzeugen bearbeiten und überflüssige Stücke einfach wegschneiden. Wenn das Material dann aushärtet, kann man nur noch mit Hammer und Meißel arbeiten“, erklärt Freiburg seine Vorgehensweise.
Die Titanen, die im Meer versinken.
„Beton eignet sich besonders gut für meine Skulpturen. Die Figuren lassen sich stückweise zusammensetzen. So muss ich nicht eine komplette Figur auf einmal bearbeiten. Das würde man auch gar nicht schaffen, bevor der Beton aushärtet. Auf diese Weise kann ich auch einzelne Teile erneuern, wenn sie beschädigt wurden“, so Freiburg. Nach der Fertigung werden die Skulpturen noch mit Zement beschichtet. So vermoosen sie nicht und können sogar mit dem Hochdruckreiniger von Schmutz und Dreck befreit werden. „Manche von ihnen stehen schon seit 35 Jahren in meiner Ausstellung und sehen aus wie neu“, sagt der Künstler. Ein Zelt als Atelier Die Arbeiten für die meist mehrere Meter hohen Figuren finden draußen in einem großen Zelt hinter dem Teich statt. Ein 25 Tonnen schwerer Sandhaufen sorgt stets für Nachschub bei der Arbeit. „Früher habe ich alles in meiner Werkstatt im Keller hergestellt. Als das Pferd, das inzwischen in Wildewiese zu sehen ist, abtransportiert werden sollte, mussten wir das Oberlicht aushängen und die Figur hinten anheben, damit der Kopf durch die Tür passte“, erinnert sich Freiburg. „In dem Zelt ist der Abtransport viel leichter. Es ist genügend Platz für einen Lkw mit Kran, der die Skulpturen abholen kann.“
An der Kilianstraße 115 befand sich früher das Lager der Therecker Mühle. Heute ist dort auf 300 Quadratmetern die ganzjährige Ausstellung des freien Künstlers zu sehen. Neben über 100 abstrakten und realistischen Skulpturen sind dort auch Zeichnungen, Gemälde, Fotografien sowie „Geistesblitze und Kurzschlüsse aus dem FF“, Freiburgs Sinnsprüche und Verse, untergebracht. „Ein Raum nur mit Skulpturen hätte viel zu sehr nach Lagerraum ausgesehen. Deshalb stelle ich auch meine anderen Werke aus“, erklärt er. „Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, begegnen einem überall interessante oder auch absurde Dinge. Egal, ob Politik, Gesellschaft oder Menschen, alles findet Eingang in mein Schaffen.“ Wahrzeichen des Biggesees entsteht in Rönkhausen „FFreiburgs“ Skulpturen sind vielerorts zu bewundern: Seit September 2012 ist die Nixe Attania, das neue Wahrzeichen des Biggesees, auf der Vogelschutzinsel Gilberg zu bestaunen. Die neun Meter lange und zehn Tonnen schwere Nixe wurde in 200 Kilogramm schweren Teilen mit den Personenschiffen auf die Insel transportiert und dort von Freiburg und mehreren Helfern auf einem zehn Meter hohen Felsenvorsprung zusammengesetzt. Nun kann die Seejungfrau von den Personenschiffen aus betrachtet werden.
Ein Blick ins Atelier.
Die meisten Objekte sind so schwer, dass sie nur mit einem Schwertransporter an ihren neuen Bestimmungsort gebracht werden können: So auch der 16 Tonnen schwere „Lauschgeist“ in Eslohe-Wenholthausen, das schwerste bisher von „FFreiburg“ geschaffene Objekt. In dessen Ohren befinden sich Trichter, die mit einer Verlängerung durch Schläuche die Geräusche des Waldes für jeden Besucher gut hörbar machen. Kooperation für Kreisverkehr-Kunst Bei der Neugestaltung der Kreuzung Lenscheider Straße/Bahnhofsstraße/B 236 in Rönkhausen zu einem Kreisverkehr entstand der Wunsch nach einer ortsbezogenen Gestaltung des Mittelpunktes. Da an diesem Punkt die Wegenetze des Kreises Olpe, des Märkischen Kreises und des Hochsauerland-Kreises aufeinandertreffen, entschied man sich für ein Gemeinschaftsprojekt, das diesen besonderen Punkt repräsentiert. „FFreiburg“ gestaltete einen Mühlstein mit den Buchstaben OE, der an die einstige Therecker Mühle an der B236 erinnert. Kilian Kreutz, Meister für Metallverarbeitung, schuf ein Eisenrad mit MK-Schriftzug, das die einstige Eisenerzgewinnung in Rönkhausen repräsentiert. Holzkonstrukteur Markus Schmidt schuf ein Sägeblatt mit den Initialen HSK, das für die holzverarbeitenden Betriebe steht. Andere Beispiele für das regionale Werken des freien Bildhauers: Zum 100-jährigen Jubiläum der Palottiner erschuf Freiburg eine neue Skulptur des Gründers Vinzenz Palotti, die seit Anfang dieses Jahres im Garten des Palottihauses eine hölzerne Version des Gründers ersetzt.

Für die Stadt Arnsberg erschuf Freiburg vor fünf Jahren die Schwanzflosse eines Wals und ein Stück von dessen Rücken, das in der Ruhr direkt am Ruhrtal-Radweg den Eindruck eines vorbeischwimmenden Meeressäugers erzeugen soll. Perfekt wird die Illusion durch die regelmäßig aus dem Atemloch aufsteigende zehn Meter hohe Fontäne. In unmittelbarer Umgebung ist während des Arnsberger Kunstsommers mit dem Eisbär ein weiteres Werk Freiburgs zu sehen. Skulpturen auch an der Mosel und in Österreich Auch außerhalb der heimatlichen Gefilde ist FFreiburg als Bildhauer bekannt: So schuf er für die Stadt Zell an der Mosel mit einer fünf Meter hohen Katze auf einem Weinfass eine neue Version des Wahrzeichens „Zeller Schwarze Katz“. Und: Für einen Mann aus Österreich schuf er ein Abbild von dessen verstorbenem Vater, das in einem öffentlichen Park in Ebreichsdorf aufgestellt wurde.

Ans Aufhören denkt der 66-jährige noch lange nicht: „Ich halte es da wie Christo. Als man ihn danach fragte, wann er in Rente gehen wolle, soll er gesagt haben, dass Künstler nicht aufhören zu arbeiten: Künstler sterben. Ich habe auch noch eine Menge zu tun. Wenn ich alle Ideen in die Tat umsetzen will, die ich bis heute hatte, muss ich mindestens 85 Jahre alt werden. Und ich habe ja ständig neue Ideen.“

Ein Artikel von Ina Hoffmann

Bildergalerie: Am Anfang war „Der kleine Zirkus“