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Finnentrop, 29. September 2016

Schausteller restauriert „alte Schätzchen“ in Rönkhausen

Altes Karussell soll zum „beweglichen Denkmal“ werden

Riesenrad: Farbtupfer im Gewerbegebiet
Foto: Rüdiger Kahlke
Rönkhausen. Zwischen Bahnlinie und Berghang reihen sich in Rönkhausen Lagerflächen und Gewerbebauten aneinander. Unspektakuläre Tristesse, stünde nicht mittendrin ein nostalgisches, buntes Riesenrad, dahinter ein Kettenkarussell, das schon bessere Tage gesehen hat. Hier hat Schausteller Sven Feldmann seinen Lagerplatz. Hier verhilft er „alten Schätzchen“ zu neuem Glanz. Highlight ist das Riesenrad. Innerhalb von vier Tagen fand das kleine Fahrgeschäft großes Interesse.

Erst kam der Denkmalpfleger aus Münster, dann der TÜV-Prüfer aus Köln – der hatte das Fahrgeschäft genau inspiziert, die Steuerung selbst in die Hand genommen „und richtig Gas gegeben“, erzählt Sven Feldmann. Das Riesenrad hat die Plakette. Damit und mit dem Eintrag ins Baubuch durch die Soester Bauaufsicht, die zuständig ist für „fliegende Bauten“, wie Karussells im Fachjahrgon heißen, kann der Schausteller das Rad weiter betreiben – bis September 2019. Dann wird das nur 12,50 Meter hohe Himmels-Karussell gerade seinen 90. Geburtstag hinter sich haben. Dass es bis dahin „fit“ bleibt, dafür werden Sven Feldmann und sein Sohn Toni (18) schon sorgen.
Erst inspizierte ein Vertreter der Denkmalbehörde aus Münster das Rad. Denn: Feldmanns Riesenrad ist zwar nur ein kleines Fahrgeschäft, zugleich aber eine große Rarität. 88 Jahre hat das Gefährt auf dem Buckel. Seit 1928, als Feldmanns Opa das Karussell gekauft hatte, ist es im Familienbesitz. Jetzt soll es zum Denkmal erklärt werden. Vom Riesenrad als beweglichem Denkmal verspricht sich der Schausteller einen besonderen Werbeeffekt. Das Gutachten der Denkmalbehörde beim Landschaftsverband im Münster steht noch aus. Die Signale deuten aber in diese Richtung, ist Sven Feldmann im Gespräch zuversichtlich, dass sein Antrag positiv beschieden wird. Behutsame Restauration geplantZu Dritt haben die Feldmanns 30 Stunden gebraucht, um das Rad für TÜV-Abnahme und Begutachtung durch den Denkmalschützer aufzubauen. „Ein Auto-Scooter steht in acht Stunden“, rechnet der Chef vor. Vater und Sohn mussten sich erst einmal in das alte Schätzchen reindenken, sehen, wie es auf- und abgebaut wird. Die braun lackierten Stufen hoch zu den Gondeln „sehen aus wie Kunststoff“, sagt Feldmann, „das sind aber Eichenbretter.“ So sollen sie auch demnächst auch wieder aussehen, wenn sie abgeschliffen und klar lackiert sind, wie früher eben. Auch farblich ist dem Betreiber das Riesenrad an manchen Stellen zu grell. Das soll wieder dezenter werden, nostalgischer. Der Vertreter der Denkmalbehörde, wird’s gern gehört haben. Auch wenn es etwas dauert: Die Feldmanns „machen alles selber: reparieren, lackieren. Es gibt nichts, was ich wegbringen muss“, ist der Schausteller stolz auf sein Know-how.  

Vor sechs Jahren ist das Riesenrad zuletzt lackiert worden und sieht noch top aus. „Man muss vorsichtig damit umgehen.“ Die Fahrgeschäfte sind sein Kapital und die alten „sind auch mein Hobby“, sagt er. Moderne Karussells gebe es „an jeder Ecke“. Alte Fahrgeschäfte sind rar. Und weil sein Opa das Riesenrad schon 1928 gekauft hatte, war es auch keine Frage, es zu übernehmen und weiter zu betreiben. Alte Fahrgeschäfte sind „Herzenssache“Im Gewerbegebiet an der Rönkhauser Bahnhofstraße fallen Feldmanns bunte Fahrgeschäfte auf. Hier lagert, was gerade nicht auf Festen fährt oder steht. Nach der Inspektion verpacken Vater und Sohn das historische Riesenrad in zwei Wagen. Eine Vielzahl von Decken sorgt dafür, dass die Teile möglichst unbeschadet und ohne Schrammen den Transport überstehen. „Herzenssache“, sagt der Senior. Neben dem Rad steht ein altes Kettenkarussell auf dem Lagerplatz in Rönkhausen. „Das sind wir dran, das aufzuarbeiten“, sagt Sven Feldmann. Langeweile kommt nicht auf , auch wenn die Reise-Saison, die im April beginnt, im September endet.

Die Feldmanns wollen, dass die „alten Schätzchen“ eine Zukunft haben. Ein Grundstein dafür ist mit der neuen TÜV-Abnahme gelegt. Und die nächste Generation will die Familientradition als Schausteller fortsetzen. Das steht für Junior Toni Feldmann schon fest.
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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