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Feuerwehr-Serie, Finnentrop-Bamenohl, 14. Dezember 2015

Strom seit 1923

Strom seit 1923
Fotos: Ina Hoffmann
Im Wasserkraftwerk Bamenohl scheint es, als sei die Zeit stehen geblieben. Schwarz-weiße Fliesen zieren den Boden, die hohen Fenster sind mit achtzackigen Sternen verziert – in früheren Zeiten das Symbol für Energie – und die holzvertäfelten Facettendecken mit Stuck-Ornamenten verstärken den Eindruck, dass dies die Eingangshalle zu einem Schloss sein könnte. Aber das Dröhnen der Maschinen verrät, dass es sich hier nicht um den Landsitz eines Adligen handelt.

„Das Gebäude wurde im Stil der Architektur des beginnenden 20. Jahrhunderts gestaltet. Es steht inzwischen seit 30 Jahren unter Denkmalschutz“, weiß Ingenieur Arno Bäumer von der Lister- und Lennekraftwerke GmbH, die das Kraftwerk in Bamenohl betreibt. Stromversorgung seit 1923 Nach Ende des Ersten Weltkrieges reichte die Leistung des Listertal-Kraftwerks nicht mehr aus, um die zunehmend elektrifizierte Region mit Strom zu versorgen. So wurde 1921 das Wasserkraftwerk in Bamenohl gebaut, um die Stromversorgung sichern zu können. Im Jahr 1923 wurde das Kraftwerk in Betrieb genommen.

„Beim Bamenohler Kraftwerk handelt es sich um ein sogenanntes Laufwasserkraftwerk. Zwei Kilometer den Fluss hinauf wird an einer Wehranlage das Wasser angestaut und durch den eigens angelegten Obergraben hier her zum Kraftwerk geleitet. Da die Lenne hier ein natürliches Gefälle hat, fließt sie aus eigener Kraft den Graben hinunter“, erklärt der Ingenieur. Zehn Jahre stillgelegt Der Obergraben war der Grund dafür, dass das Kraftwerk zehn Jahre lang stillgelegt werden musste. „Der Graben war ein Deich aus angeschütteter Erde und einer Bruchsteinmauer. Diese wurde im Laufe der Jahrzehnte immer durchlässiger, sodass nicht mehr das gesamte Wasser des Grabens an den Turbinen ankam. Da eine Instandsetzung damals wirtschaftlich nicht rentabel war, entschloss man sich im Jahr 2004 dazu, das Kraftwerk außer Betrieb zu nehmen“, erinnert sich Arno Bäumer. Gestiegene Strompreise und die Möglichkeit den erzeugten Strom größtenteils als Eigenstrom für den Betrieb von Klärwerken zu nutzen, machten eine Wiederaufnahme des Betriebs möglich. „Die Bruchsteinmauer wurde abgetragen und durch ein Betongerinne ersetzt. Das verhindert, dass erneut Wasser ausdringen kann“, so der Ingenieur. Seit Dezember 2014 wird in Bamenohl wieder Strom erzeugt.
Ingenieur Arno Bäumer erklärt beim Rundgang durch das Wasserkraftwerk wie dies funktioniert: Am Ende des Obergrabens fängt ein Rechen Blätter und kleineres Treibholz ab, damit dieser nicht die Turbinen beschädigt. Die biologischen Abfälle werden weitergeleitet und hinter dem Kraftwerk dem Unterwasser wieder zugeführt. Auch Fische leben im Obergraben. „Die Fische hier haben sich an die Wasserbedingungen gewöhnt und wären inzwischen in der Lenne nicht mehr überlebensfähig. Durch den Rechen können sie nicht in die Turbinen gelangen und so durch den Graben schwimmen“, berichtet Bäumer.

Da das Kraftwerk die natürliche Strömung des Flusses nutzt, unterliegt die Strommenge Schwankungen. „Da wir in letzter Zeit viel Niederschlag hatten, ist der Obergraben im Moment gut gefüllt. Aktuell fließen 12.000 Liter pro Sekunde durch die Maschinen. Das ist das Maximum, das die Maschinen verarbeiten können. Ist der Obergraben so voll wie jetzt, wird das Wehr geschlossen, sodass hier nicht zu viel Wasser ankommt. Auch die drei Einlaufschützen hinter dem Rechen regeln den Einlauf“, so Bäumer. Fließt wegen einer längeren Trockenphase weniger Wasser durch den Obergraben, wird automatisch eine Turbine abgeschaltet, sodass die Maschinenkraft an die Wassermenge angepasst werden kann. Strom für 1000 Haushalte im Jahr Das Wasser stürzt durch den angestauten Obergraben ein 7,2 Meter hohes Gefälle hinab und treibt dabei drei Turbinen an. Zwei Francis-Doppelschacht-Turbinen mit einem maximalen Schluckvermögen von 6,3 Kubikmeter Wasser pro Sekunde und eine Francis-Zwillingsschacht-Turbine treiben wiederum die Generatoren im Inneren des Gebäudes antreiben. Die dadurch entstehende mechanische Energie wird in elektrische umgewandelt und dem Stromnetz zugeführt. „Die Generatoren erzeugen jetzt gerade 500 Kilowatt in der Stunde. Das reicht für den Stromverbraucht von 500 gleichzeitig eingeschalteten Staubsaugern“, weiß Bäumer. In einem Jahr erzeugt das Wasserkraftwerk in Bamenohl zwei Millionen Kilowattstunden Strom. Das genügt, um den Bedarf von 1000 Haushalten in der Region zu decken.

Die Jahreszahlen an den Generatoren verraten ihr hohes Alter. „Innerhalb des Gebäudes stehen immer noch die originalen Maschinen von 1923. Sie sind in den vergangenen Jahrzehnten gut gepflegt worden und können immer noch die Arbeit verrichten“, so Bäumer. „Wenn sie weiterhin gut behandelt und gewartet werden, können sie noch viele Jahre Strom erzeugen“. Doch auch im Kraftwerk in Bamenohl geht man mit der Zeit. Die gesamte Steuerung und Regelung der Maschinen erfolgt automatisch durch eine moderne Schaltanlage. Und sollte es mal ein Problem geben, wird eine Nachricht an den zuständigen Mitarbeiter geschickt, der von seinem Computer aus Webcams einschalten kann, um zu sehen, was geschehen ist. Vier Mitarbeiter der Lister- und Lennekraftwerke GmbH sind für fünf Kraftwerke zuständig und sehen regelmäßig nach dem Rechten, damit die Haushalte der Region auch weiterhin ihren Strom aus Bamenohl beziehen können.
Besichtigung möglich
Ein Besuch des Wasserkraftwerks in Bamenohl ist jedes Jahr am Mühlentag im Frühjahr möglich.
Ein Artikel von Ina Hoffmann

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