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Feuerwehr-Serie, Kirchhundem, 18. Dezember 2015

Der Tesla im LokalPlus-Test

Fahrt der Zukunft

Fahrt der Zukunft
Fotos: Matthias Clever
Zunder ohne Zylinder und Zündkerze: Elektro-Autos sind die Ökos auf den Straßen. Wer an langsame Mini-Fahrzeuge in komischen Formen und Batikfarben denkt, liegt komplett falsch. Das Kirchhundemer Unternehmen Mennekes öffnete für den 19. Tag des LokalPlus-Adventskalenders die Tür ihres Elektro-Autos. Ein Blick in die Zukunft der Mobilität, die Mennekes mitgestaltet.

Das Auto haftet auf der Straße. Wie ein ICE auf Schienen liegt der Wagen in der Kurve. Der Tesla S beschleunigt wie ein Düsenjet. Durch einen Tritt aufs Gaspedal wird Eckhard Wiese in den Beifahrersitz gedrückt. „Das ist toll bei E-Autos: Die Leistung ist sofort vorhanden“, erklärt mir der Leiter „Seminare & Schulungen für Elektromobilität“ bei Mennekes. Von Kirchhundem den Berg rauf in Richtung Schmallenberg beginnt der futuristische Kurztrip mit voller Leistung.

Auf der Überholspur sind nicht nur die E-Autos, sondern auch das Unternehmen Mennekes. Der als „Mennekes-Stecker“ bekannte Ladestecker für Elektrofahrzeuge hat sich als EU-Standard durchgesetzt. Alle E-Fahrzeuge in der Europäischen Union werden in Zukunft mit dem Stecker „Typ 2“ aufgeladen. Mennekes ist inzwischen der Begriff für eine ganze Gattung. Was das Tempo bei Papiertaschentüchern ist, ist Mennekes bei Steckern für E-Autos. Nicht nur das: Auch bei Ladesystemen ist das Unternehmen Vorreiter. Leiser Kraftprotz Der Tesla schießt die Straße hinauf. 90. 100. 110. Auf dem Display erscheinen Zahlen, die mir nicht real vorkommen. Kein Motor, der bebt und bollert. Kein Vibrieren des Lenkrades. Nur das Geräusch der Räder auf der Straße ist zu hören. Meine Einschätzung der Geschwindigkeit des Autos liegt 30 Stundenkilometer unter dem realen Wert. „Daran muss man sich erstmal gewöhnen“, sagt Eckhard Wiese und grinst. Der Mennekes-Mitarbeiter erklärt, dass sich in der Software Maximal-Geschwindigkeiten einstellen lassen, um teure Schwarz-Weiß-Bilder zu vermeiden.
Ein Kleinwagen kriecht vor uns her – es reicht, den Fuß vom Pedal zu nehmen und der Tesla wird deutlich langsamer. Auf dem Display wird angezeigt, dass durch die Bremskraft Strom erzeugt und so die Batterie geladen wird. Daneben steht die Reichweite des Wagens. Etwa 400 Kilometer schafft der Tesla S mit einer Ladung im Sauerland. Wiese: „Wenn man nicht immer bergauf und bergab fährt, sind es deutlich mehr. Auch schnelles Fahren sorgt dafür, dass die Batterie schneller leer ist.“

Mit dem Elektrofahrzeug fahren die Besitzer nicht mehr extra zum Tanken. Ein Elektroauto wird ganz einfach nebenbei geladen, wenn das Fahrzeug abgestellt ist. Am Firmenparkplatz, vor dem Supermarkt oder in der eigenen Garage, sparsam während der Nacht. Laut Bundesverband der eMobilität finden rund 80 Prozent des Aufladens daheim, an der eigenen Stromtankstelle, statt. Als einer der führenden Anbieter von Ladesystemen für die Elektromobilität hat Mennekes zahlreiche Lösungen entwickelt, um E-Autos Zuhause zu laden. Ob Stationen für die Wand oder freistehende Säulen – mehr als 10.000 Ladepunkte hat Mennekes bisher ausgeliefert und die Erwartungen sind groß. Ladestand per App kontrollieren Ein riesiges Touch-Multifunktionsdisplay bietet Kontrolle über das Fahrzeug: Musik, Navigation, Fahreinstellung oder etwa der Bildschirm der Rückfahr-Kamera sind darin vereint. Ruhig gleitet das Model S durch den Stadtverkehr von Altenhundem. Auf der Pole Position an der Ampel will ich die Hand auf dem Schaltknauf legen, um schnell loszuflitzen. Doch die Hand greift ins Leere. Keine Kupplung. Keine Handbremse. Die drei Einstellungen „fahren“, „rückwärts“ und „parken“ lassen sich über einen Wippschalter am Lenkrad einstellen.
Die Ampel springt auf Grün. Durch einen kurzen Tipp sprintet der Kraftprotz los und lässt dabei jeden Verbrennungsmotor als Relikt des vergangenen Jahrhunderts aussehen. Doch wie ist es mit der Alltagstauglichkeit bei langen Strecken auf der Autobahn? „Das Display zeigt die nächsten Schnellladestationen an“, sagt Eckhard Wiese und drückt aufs Navi – ein Fenster mit der Übersicht der nächsten E-Tankstellen poppt auf.

Etwa alle 400 Kilometer muss geladen werden. Dafür gibt es bisher deutschlandweit 30 Schnellladestationen. Noch: Nimmt die Zahl der Elektroautos zu, werden auch mehr Lademöglichkeiten in Form von Ladepunkten geschaffen.
Weil im Jahr 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren sollen und pro Fahrzeug durchschnittlich 1,6 Ladepunkte benötigt werden, sollen in den nächsten Jahren rund 1,35 Millionen Ladepunkte realisiert werden. Nach rund 30 Minuten kann die Fahrt von einer Schnellladestation fortgesetzt werden. An den heimischen Ladestationen dauert eine Ladung etwa vier Stunden, über eine App kann der Batteriestand aufgerufen werden. Außerdem kann dann geladen werden, wenn zum Beispiel gerade viel selbstproduzierter Strom durch eine Photovoltaikanlage anfällt. Das ist für die Fahrer nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch. Schnell und dennoch umweltschonend Fußgänger drehen sich um, um den Tesla zu bestaunen. Sportlich. Elegant. Sauber. Das amerikanische Unternehmen Tesla hat ein Produkt geschaffen, was die Herzen der Autobegeisterten höher schlagen lässt. Das E-Auto revolutioniert den Markt. Tesla weckt Begehrlichkeiten im Luxus-Segment – schnell, edles Design und obendrauf noch umweltfreundlich Fahren. Das macht den Erfolg. Es ist die Antwort darauf, dass Öko-Autos klein und langsam sind und dazu noch komisch aussehen.
Ein Artikel von Matthias Clever

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