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Drolshagen, 27. Dezember 2018

Einladung des Heimatvereins

Vortrag „Baugeschichte des Drolshagener Zisterzienserinnen-Klosters“

Das Bild zeigt eine mögliche Rekonstruktion der Lage der Klostergebäude. Dr. Vitt hat hierzu auf historische Grundrisse anderer Klöster, Beschreibungen aus den Berichten zum Drolshagener Kloster und eigenen Recherchen aus zugänglichen Dokumenten zurückgegriffen. Der Referent hat dies auf eine alte Karte eingearbeitet.
Das Bild zeigt eine mögliche Rekonstruktion der Lage der Klostergebäude. Dr. Vitt hat hierzu auf historische Grundrisse anderer Klöster, Beschreibungen aus den Berichten zum Drolshagener Kloster und eigenen Recherchen aus zugänglichen Dokumenten zurückgegriffen. Der Referent hat dies auf eine alte Karte eingearbeitet.
Foto: privat
Drolshagen. Zu einem Vortrag „Baugeschichte des Drolshagener Zisterzienserinnen-Klosters“ mit Dr. Peter Vitt hatte jetzt der Heimatverein für das Drolshagener Land eingeladen.

Der Vortragssaal war mit 70 Personen voll besetzt und gespannte Stille herrschte, als der Leiter der Geschichtswerkstatt des Heimatvereins mit seinen Ausführungen begann. Er schlug einen Bogen von der Gründung im 13. Jahrhundert über die Auflösung des Klosters im Zuge der Säkularisation bis zum heutigen Tag.

Jede seiner Aussagen und Darstellungen hatte der promovierte Historiker sorgfältig und umfangreich recherchiert. Zur Untermauerung seiner Darstellungen präsentierte er die jeweiligen Ausschnitte aus Dokumenten, die er fotografisch festgehalten hatte. Ausführliche Beschreibungen Dr. Peter Vitt beschrieb ausführlich, wie das Kloster von ersten Anfängen über die Blütezeit bis zur Auflösung gebaut, erweitert, renoviert und schließlich auch in großen Teilen wieder abgerissen wurde. Der gesamte Klosterkomplex umfasste ein Areal, das sich in südöstlicher Richtung von der St. Clemens-Pfarrkirche ausdehnte und den Bereich umfasste, der heute noch „Klosterhof“ genannt wird.

Aus den Dokumenten, die der Referent zum Teil im Landesarchiv Münster eingesehen und ausgewertet hatte, ist nachweisbar, dass das Kloster neben den typischen Klosterräumen wie Kapitelsaal, großen Schlafsälen, die erst später in Klosterzellen umgebaut wurden, einer Kapelle, einem Kreuzgang auch eine umfangreiche Landwirtschaft mit den dazugehörenden Stallungen und Scheunen und sogar eine Brauerei und ein Bienenhaus aufweisen konnte. Großer Brand 1604 Aus den Dokumenten, die Peter Vitt vorlegte, ging auch hervor, dass 1604 nach einem großen Brand eine Bitte Hilfe zur Rettung des Klosters erging. Für 1650 ist die Instandsetzung und Erweiterung des Klosters bis an die Kirche nachgewiesen. In dieser Zeit war das Kloster zu einer großen hufeisenförmigen Anlage gewachsen. Der Kreuzgang wurde unmittelbar an die Stadtmauer gebaut, der die Anlage abschloss. Der Südwestflügel steht bis heute und wird „Altes Kloster“ genannt.

Eine Besonderheit war auch, dass das Klosters selbst außerhalb der Stadtmauern lag. Diese ging unmittelbar an der St. Clemens-Kirche vorbei. Die Zisterzienserinnen hatten daher einen eigenen Zugang zur Pfarrkirche, der über den Turm zur sogenannten Nonnenempore ging. Diese reichte bis weit in das Hauptschiff der Basilika hinein, sehr zum Unmut der Gemeinde, da die Empore das Tageslicht für den Gemeindeteil der Kirche sehr einschränkte. Erst 1909 wurde die Empore, nachdem sie zusammengebrochen war, endgültig aus der Kirche entfernt. Wehrturm Der Turm der St. Clemens Kirche war, wie man heute noch an seiner Massivität und Form erkennen kann, gleichzeitig auch Wehrturm, der unmittelbar an der Stadtbefestigung lag. Zugang zu Wasser und Notvorräte für den Fall einer Belagerung waren vorhanden. In diesem Zusammenhang erklärte der Referent auch, warum zwischen Turm und dem Gebiet außerhalb der Stadtmauern bis heute gemauerte Gänge zu finden sind, zuletzt in diesem Jahr bei dem Abriss eines Hauses unterhalb des Klosterhofs. Diese dienten wahrscheinlich dazu, bei einer Belagerung die bewaffneten Männer aus der Stadt zu bringen, damit diese den anstürmenden Feinden in den Rücken fallen konnten.

Da der Turm ein Teil der Stadtbefestigung war, war die Stadt verpflichtet, zum Unterhalt beizutragen. Diese seit 1705 bestehende Zahlungsverpflichtung wurde erst 1997 für nichtig erklärt. Zuvor aber hatte die Stadt bei einer notwendigen Reparatur des Turmdaches noch ihren finanziellen Beitrag geleistet. Streitereien über Jahrhunderte Die Streitereien zwischen den Ansprüchen des Klosters und der Pfarrgemeinde lassen sich über die Jahrhunderte nachweisen. So waren u.a. 1784 Drolshagener Männer unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters in das Kloster eingedrungen. Aus den Dokumenten um das Kloster geht auch hervor, dass sich die Drolshagener 1766 bei der Klosterleitung beschwerten, da die Abwässer aus den Stallungen des Klosters bei starkem Regen in die Kirche flossen.

Die ständigen Querelen zwischen Stadt bzw. Gemeinde und Kloster führten schließlich auch dazu, dass das Kloster eine eigene Kirche bekommen sollte. Diese hatte exakt die Maße des Mittelschiffs der Basilika. Die Urkunde der vollzogenen Konsekration konnte der Referent einsehen und zeigte den Anwesenden eine Abbildung dieses Dokuments. Im Zuge der Auflösung des Klosters unter Napoleon gingen die Besitztümer des Klosters an den Landesherrn, den damals das Großherzogtum Hessen stellte. Der Altar wurde nach Olpe und die Orgel nach Neuenkleusheim verkauft. Neuenkleusheimer Orgel spielt noch Dr. Peter Vitt korrigierte auch die häufig genannte Annahme, dass der Altar der Kreuzkapelle in Olpe aus der Drolshagener Kirche stamme. Möglicherweise ist der Drolshagener Altar beim Brand der Olper Pfarrkirche 1907 ein Raub der Flammen geworden. Die Orgel in Neuenkleusheim ist bis heute spielbereit.

Das Klostergrundstück wurde seinerzeit von einer Familie Alterauge gekauft, die seitdem den Beinamen „Klosters“ erhielt. Übrig geblieben vom gesamten Klosterkomplex ist nur der Südflügel, der nach wechselvoller Geschichte als Tabakmanufaktur, Waffen- und Papierfabrik, schließlich als Wohnhaus und heute als repräsentativer Verwaltungsbau der Stadt diente und dient. Exponate Der Referent wies noch auf eine Reihe von Kunstgegenständen, Büchern und Objekten hin, die aus dem Drolshagener Kloster stammen. Sie sind u.a. im Diözesanmuseum Paderborn ausgestellt oder in und an Gebäuden in Drolshagen zu finden sowie im Privatbesitz gesichert.

Die Fülle der chronologisch dargestellten Fakten und Zahlen zeigten ein abgerundetes Bild der Baugeschichte des Drolshagener Klosters, das weit in das südwestfälische Land Besitz und Einfluss hatte. Die Zuhörer des Vortrags bedankten sich durch herzlichen Beifall für die Bereicherung durch Fakten und Kuriositäten aus der Drolshagener Geschichte.
(LP)

Bildergalerie: Vortrag „Baugeschichte des Drolshagener Zisterzienserinnen-Klosters“