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Drolshagen, Drolshagen-Iseringhausen, 14. Oktober 2015

Restauratoren haben Reliefs des Iseringhauser Altars überarbeitet

Jesus und Jünger in „altem neuen Glanz“

Altar aufwendig aufgearbeitet
Fotos: Rüdiger Kahlke
„Oben. Vorsicht nicht werfen“. Des Hinweises auf der Rückseite des Reliefs hätte es nicht bedurft, als Andreas Ahlers und Christoph Fiebiger die Platte mit den Figuren vorsichtig aus dem Transporter holen und auf ein Rollbrett stellen. Drei Monate haben die Restauratoren die Bilder des Iseringhauser Alters restauriert. Am Dienstag, 13. Oktober, wurden die Platten wieder eingebaut.

Der neugotische Altar in der St. Antonius Kirche stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Von den ursprünglich kräftigen, warmen Farben war nichts mehr zu sehen. „Die Figuren sahen eher pastellfarben aus“, sagt Andreas Ahlers und vermutet, dass sie vor etlichen Jahren übermalt worden sind. Zudem waren die Reliefs „in die Jahre gekommen“, sagt Norbert Hoffmann, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands. Als die Orgel restauriert werden musste, weil die wurmstichig war, hätten Experten auch darauf hingewiesen, dass die Bildeinsätze im Hochaltar nicht ihre ursprüngliche Farbe hätten. Arbeit für Experten „Unsere Aufgabe war es, die ursprünglichen Farben wieder herzustellen“, schildert Andreas Ahlers, Projektleiter des Paderborner Restaurationsbetriebs „ars colendi“. Dafür wurden die Reliefs demontiert und nach Paderborn gebracht. In der Werkstatt wurden verschiedene Stellen an den Figuren freigelegt. Lasuren, Vergoldung - eine Arbeit für Experten, die wissen, wann was wie gemacht worden ist. „Sonst könnte man dem Maler vor Ort sagen: Mach mal ´ne Dose auf“, sagt Christoph Fiebiger, diplomierter Restaurator.
Etwa 40 Kilogramm schwer sind die Reliefs, die Christoph Fiebiger
(links) Andreas Ahlers in der St. Antonius Kirche wieder einbauten.
24 Figuren aus Lindenholz, alle in unterschiedlichen Farben, die Säume der Gewänder mit Blattgold belegt, wurden bearbeitet. Das geht in der Werkstatt mit entsprechendem Material und Werkzeugen deutlich besser als vor Ort. „Blattgold ist ein zehntausendstel Millimeter dick“, sagt Ahlers. Ohne besonderes Werkzeug würde es zwischen den Fingern zu Staub zu verfallen. Und um den richtigen Farbton zu treffen, brauchen die Restauratoren auch ästhetisches Empfinden und handwerkliches Knowhow.. Entscheidend sei auch, wie „die Farbschichten aufgebracht werden. Wir wollen den Stoff imitieren, nicht nur den roten Anstrich“, sagt Ahlers und zeigt auf den Schattenwurf an den Mänteln der Jünger Jesu. Kunsthistorische Kenntnisse nötig Zudem bringen die Restauratoren kunsthistorische Kenntnisse ein. Denn irgendwo eine Farbschicht abzukratzen, führt nicht weiter. „Man muss zuordnen können, was man bei der Öffnung sieht. Es kann sein, dass noch fünf weitere Fassungen unter der Farbe liegen“, sagt Ahlers. Der Chorraum der Kirche war am Dienstag eine Baustelle. Hinterm Altar dient ein Roll-Gerüst als Arbeitsbühne, um die etwa 40 Kilogramm schweren Reliefs in die freigelegten Fenster auf beiden Seiten des Hochaltars einzusetzen. Elke Schneider, Küsterin, hatte noch schnell Deko und Tischtuch vom Altar abgeräumt, als die Restauratoren anrückten. Knapp eine Stunde dauerte es, bis das erste Relief montiert war. Währende bei älteren Objekten Holzverbindungen die Teile zusammenhalten, kamen in der St. Antonius Kirche schon Schrauben zum Einsatz. Das erleichtert jetzt die Montage. Bistum trägt Gros der Kosten „Jetzt erstrahlen die Figuren wieder in altem neuem Glanz“, freut sich Pfarrer Antonio Calabrese, obwohl die Überarbeitung länger gedauert hat als geplant war. Die Kosten dafür liegen im fünfstelligen Bereich. Davon geht Norbert Hoffmann aus. Der Kirchenvorstand rechnet aber auch mit einem kräftigen Zuschuss des Bistums. Das werde wohl den größeren Teil der Kosten tragen. Restaurator Andreas Ahlers ist überzeugt, dass die Figuren auch für die Gemeinde eine neue Wertigkeit ausstrahlen. Er geht davon, dass es „ganz schnell eine Rückmeldung“ geben wird.
Der Vergleich: Das Relief vor den Arbeiten...
... und danach.

Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

Bildergalerie: Jesus und Jünger in „altem neuen Glanz“