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Drolshagen, Drolshagen-Eichenermühle, 31. Dezember 2015

„Manchmal singen wir alle in der Backstube."

Familienbäckerei Maiworm

Für den guten Geschmack: Bäckermeister Bernd Maiworm verfeinert die prämierten Brote nach dem Backen.
Für den guten Geschmack: Bäckermeister Bernd Maiworm verfeinert die prämierten Brote nach dem Backen.
Foto: Katja Fünfsinn
Was früher überall zum Alltag gehörte, ist heute nicht mehr so oft zu finden: Der Bäckerwagen, der Brötchen, Brot und Kuchen nach Hause bringt. In Drolshagen, Berlinghausen und Umgebung fährt Bäcker Steffen Maiworm täglich durch die Straßen und beliefert seine Kunden. LokalPlus hat ihn auf einer seiner Touren begleitet. Und sich mit seiner Frau Kathrin über Arbeit, Familie und das ganze Drumherum unterhalten.

Das alte Fachwerkhaus erhebt sich an diesem Morgen erhaben aus dem Nebel. An der Seite ist ein altes Emblem angebracht. Doch nicht nur daran merkt man sofort, dass es sich bei dem Gebäude nicht um ein einfaches Wohnhaus handelt. Es ist vor allem der Geruch nach frischen Backwaren, der den Besucher bereits auf der anderen Straßenseite begrüßt. Neben dem Haus stehen drei Kastenwagen mit dem Aufdruck „Landbäckerei Maiworm". Aus einer Tür kommt Martina Strahlenbach mit einem Blech voller Brote, die sie auf einer Ablage in einem der Wagen verstaut.
Martina Strahlenbach ist eine von zwölf Fahrern, die täglich die Kunden der Bäckerei von Olpe bis ins Bergische Land beliefern. Und ihre nächste Tour geht gleich los. In der Backstube ist es warm. Bäckermeister Bernd Maiworm steht an einem überdimensional großen Blech und streicht frische Brote ein, damit die Kruste schön knusprig wird.
Seit einigen Jahren werden die Produkte der Bäckerei von der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd regelmäßig als „Goldbrote" ausgezeichnet. Das heißt, sie wurden mehrere Jahre hintereinander gleichbleibend als sehr gut oder gut bewertet. An der Wand hinter Bernd Maiworm liegen Stutenmänner zur Abholung bereit.
„So ein Stutenmann braucht vier Stunden, bis er fertig ist", erklärt Kathrin Maiworm, die zwischenzeitlich dazugestoßen ist. Der Teig muss ruhen, gerollt werden, wieder ruhen, dann gehen, wird geschnitten und zurecht gedrückt. „Die Zeit, die man reinsteckt, schmeckt man aber hinterher auch", ergänzt Kathrin Maiworm. Die 34-jährige Ehefrau von Junior-Chef Steffen Maiworm kennt sich mittlerweile bestens mit Backwaren aus. Genau wie der Rest der Familie verbringt sie einen großen Teil des Tages in der Backstube. „Ich schneide Kuchen und befülle ihn, helfe beim Plätzchen verpacken. Das kann auch schon mal bis nachts dauern." Neben Brot, Kuchen und Teilchen backen die Maiworms auch saisontypische Waren. Und das sind im Moment neben Schokomuffins mit Zimtgeschmack oder Plätzchen eben vor allem die Stutenmänner, die auch von Kindergärten oder Schulen bestellt werden.
Auch Sonderanfertigungen können aus dem Stutenmannteig hergestellt werden.
„Wir machen keine Industrieware, sondern echte Handarbeit", betont Kathrin Maiworm. Und dazu gehört es auch, neue Rezepte wie Nuss- oder Kürbiskernbrot auszuprobieren. Ansonsten setzen die Bäcker auf ihre weitergegebenen Familienrezepte. Und die wusste Kathrin Maiworm schon zu schätzen, bevor sie mit ihrem Mann zusammen war. „Unseren Kuchen mit richtigem gekochtem Pudding habe ich mir schon früher immer gerne geholt." Damals wohnte sie noch in Wörde. Der Tag beginnt früh Kathrin und der heute 38-jährige Steffen kennen sich schon seit ihrer Jugend. Seit sechs Jahren sind die beiden Eltern - mittlerweile von Josefin (6), Lotte (5) und Clemens (4). Mit drei kleinen Kindern und einer Backstube beginnt der Tag für die Familie natürlich sehr früh: Steffen Maiworm steht um halb 2 Uhr auf und geht in die Backstube, Kathrin folgt um 5.45 Uhr. Ab 7 Uhr geht es dann daran, die drei Kindern für Schule und Kindergarten fertig zu machen. Wenn die Kinder dann mittags nach Hause kommen, steht das Essen schon auf dem Tisch. Josefin kommt mit dem Schulbus und geht am liebsten durch die Backstube rein. In der ist ihr Vater dann meistens schon dabei, sein Auto zu beladen. Manchmal begleitet Josefin ihn auf einer seiner Touren.
Auf Tour mit dem Bäckermeister Steffen Maiworm belädt in aller Ruhe sein Auto, von Hektik keine Spur. „Selbst wenn ich mal zehn Minuten hinterherhänge, stresse ich mich nicht. Das bringt ja nichts", sagt er, während er einige Tüten mit Weihnachtsplätzchen im Auto platziert.
Nachdem das fertig beladen ist, geht es los zu seiner Tour. Von Eichener Mühle fahren wir nach Rüblinghausen. Sobald Steffen Maiworm angehalten und gehupt hat, öffnen sich einige Türen.
Die Kunden kennen die Zeiten ihres Bäckers. Die meisten halten der Bäckerei seit Jahren die Treue, was man nicht zuletzt an den vertrauten Gesprächen bemerkt, die Steffen Maiworm mit ihnen führt.
Er kennt Familien- und Krankengeschichten und nimmt sich Zeit, während er seine Backwaren in Tüten verpackt. Eine Straße weiter wohnt eine alte Frau, die nicht mehr zur Tür kommen kann. Sie ruft Steffen Maiworm ihre Bestellung zu und der reicht ihr ein halbes Sonnenblumen- und ein halbes Mehrkornbrot einfach durchs Fenster.
Foto: Katja Fünfsinn
„Es ist gut, dass ich so groß bin", sagt er und lacht. Seine nächste Kundin ist sich unschlüssig, was sie kaufen möchte. „Mein Arzt hat mir gesagt, ich soll mehr Mischbrot essen. Da hab ich gesagt, dass ich da mal meinen Bäcker fragen muss, was ich da essen kann." Steffen Maiworm nickt und drückt ihr ein Dinkelvollkornbrot in die Hand. „Das kannst du essen."
Und zu mir gewandt fügt er hinzu: „Ärzte liebe ich ganz besonders. Auf einmal sind Weizen oder Laktose schlecht. Dann kommen zehn Kunden, die das auf einmal nicht mehr vertragen. Dafür ist Dinkel plötzlich gesund." Er lacht wieder und schließt den Kofferraum. Kunden können per Zettel bestellen Zu so viel Plausch kommt es auf den Touren am frühern Morgen nicht: Die Fahrer sehen ihre Kunden nur selten. „Sie legen die Bestellungen einfach vor die Tür“, erzählt Kathrin Maiworm. Zudem haben ihre Kunden noch eine andere Möglichkeit: Sie hängen spezielle Taschen mit einem Bestellzettel an die Tür. So weiß der Fahrer, was die Kunden an diesem Tag gerne haben möchte. Aufgeteilte Kinderbetreuung Während Steffen Maiworm unterwegs ist, holt seine Frau die beiden kleineren Kinder vom Kindergarten ab. Dann wird gegessen und gespielt. Josefin erledigt ihre Hausaufgaben. An zwei Tagen in der Woche kümmern sich die Großeltern oder die Tante um die Kinder. Dann arbeitet Kathrin Maiworm noch als Industrie- und Werbefotografin. „Oft nehme ich mir auch Arbeit mit nach Hause, das klappt sehr gut." Oder es wird mal etwas geschoben. „Wenn die Kinder krank sind zum Beispiel. Dann will man als Mutter ja schon gerne bei ihnen sein." Abends geht es nochmal in die Backstube Abends, wenn die Fahrer zurückkommen, geht es nochmal in die Backstube. Oft kommen die Kinder noch ein bisschen mit. „Manchmal singen wir auch alle in der Backstube", erzählt Kathrin Maiworm. Singen ist ein Hobby, das die ganze Familie teilt. Kathrin singt im gemischten Chor „Biggesang“, Steffen im Meisterchor „Vocal Art“ aus Ottfingen, bei der A-Capella Gruppe „five“ und im MGV Berlinghausen, dessen Schriftführer er auch ist.
Steffen Maiworm (M.) bei einem Auftritt mit der A-Capella Gruppe „five“.
Natürlich komme es hier und da mal zu Fehlzeiten im Chor. Etwa, wenn der Geselle ausfällt und mehr in der Backstube zu tun ist. „Aber eigentlich sind wir treue Socken.“ Bis Ende nächsten Jahres sind Kathrin und Steffen zudem das Schützenkönigspaar der St. Josef-Schützenbruderschaft Berlinghausen. Und auch die Kinder haben ihre Hobbys, gehen schwimmen und singen selbst im Chor. Engagement im Dorf Dazu kommt noch das Engagement der Eltern im Dorfverein, die Organisation des St.-Martin-Zuges, das Oktoberfest oder im Jahr 2013 die 500-Jahr-Feier der Eichener Mühle. Ihr Engagement für ihre Heimat, erklärt Kathrin Maiworm kurz und knapp: „Das Dorf hilft uns, wir helfen dem Dorf.“ Und so kommt es, dass sie im Karnevalsverein gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen die aufwendigen Kostüme für 26 Frauen näht
Kathrin Maiworm (vorne, r.) näht die Kostüme für 26 Frauen aus dem Karnevalsverein.
und bis vor zwei Monaten eine Kinder-Tanzgruppe trainierte. In der tanzten auch die eigenen Sprösslinge mit. „Da habe ich das Praktische mit dem Nützlichen verbunden.“ Eine weitere Leidenschaft von Kathrin Maiworm ist die Malerei. Auch dabei zeigt sich ihre Heimatverbundenheit: Im Hausflur hängt ein Acrylbild von Drolshagen.
Mit ihren Werken hat sie sich bereits einen großen Traum erfüllt: eine eigene Ausstellung. „Ich bin einfach eine kreative Nudel und habe einen Mann, der das mitmacht. Und solange ich in Elternzeit bin, geht das auch alles. Danach werden die Karten dann neu gemischt.“ Trotz aller Aktivitäten und Verpflichtungen komme das Familienleben nicht zu kurz, betont Kathrin Maiworm.
Steffen und Kathrin Maiworm mit den Kindern Josefin, Clemens und Lotte (v.l.).
Am Abend gibt es festgelegte Rituale, die allen sehr wichtig sind. „Wir versuchen, gemeinsam zu essen und auch die Kinder zusammen ins Bett zu bringen. Wir putzen die Zähne zusammen und beten gemeinsam." Und wie sieht es mit Urlaub aus oder gemeinsamen Freizeitaktivitäten? Die gibt es nicht so oft. „Wir wechseln uns da ab, schaffen es aber auch mal gemeinsam ins Kino.“ Urlaub gibt es einmal pro Jahr, auch wenn die dreiwöchigen Betriebsferien mit dem Schrubben der Backstube beginnen. „Das gehört einfach dazu", sagt Kathrin Maiworm. Und lächelnd fügt sie hinzu: „In diesem Jahr sind wir danach nach Mallorca geflogen."
Ein Artikel von Katja Fünfsinn

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