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Drolshagen, 31. Dezember 2016

Eigenes Bier zum eigenen Brot

Dräulzer Landbier ein Alleinstellungsmerkmal

Bäcker und Brauer: Winfried Christ bietet im Backhauscafé mit Brot und Bier aus eigener Produktion authentisches Handwerk, bei dem Besucher zusehen können.
Bäcker und Brauer: Winfried Christ bietet im Backhauscafé mit Brot und Bier aus eigener Produktion authentisches Handwerk, bei dem Besucher zusehen können.
Foto: Rüdiger Kahlke
Drolshagen. Mit einem Spritzbeutel kringelt Winfried Christ Kokosmakronen auf ein Backblech. Ein Wecker klingelt. Der Bäckermeister muss die Brote aus dem Ofen holen, in dem Fach nebenan Holz nachlegen. Und ein Radler, der im Backhauscafé in Essinghausen Mittagspause macht, fragt, was das denn für ein dunkles Bier sei. Zwischen all den Arbeitsabläufen nimmt sich Winfried Christ noch Zeit, sein Dräulzer Landbier vorzustellen. Ein Griff zum Zapfhahn – das dunkle Gebräu mit besch-brauner Krone läuft ins Glas. Prost. Der Gast kann kosten.

Und: er ist begeistert. Nicht nur er. Bei der Präsentation im Oktober  fanden die Gäste gleich Gefallen an dem Gebräu, das Ralf Münker kreiert hatte. Der Braumeister will „Wirten zeigen, wie es geht, mit einfachen Mitteln zu brauen“. Bier brauen sei seine Leidenschaft, sagt er. Dafür hat der Meggener  mit einem Bekannten kleine Anlagen entwickelt, mit denen jeder sein eigenes Bier herstellen kann. Idee: Kunden ein Event bieten Zusammengefunden haben der Bäckermeister und der Braumeister über einen Bekannten Christs, der für Marketing fürs Backhauscafé macht. Winfried Christ: „Es ging darum, den Kunden ein Event zu bieten.“ Vor den Augen der Besucher zu backen, in einem Ofen, der dazu noch mit Holz befeuert wird, sei authentisch, zeuge von alter, ehrlicher Handwerkskunst, so die Überlegung. Wer braut, sollte auch authentisch sein. Der Marketing-Experte vermittelte den Kontakt zu Münker. Der probierte ein paar Mischungen, die auf alten Rezepten fußen, aus. Am Ende der Tests stand das Dräulzer Landbier.
„Brot und Bier zusammen, das passt“, war auch Münker von der Idee angetan. Die Namensgebung mache das Bier für die Region interessant. Durch die industrielle Produktion in großem Stil sei die Vielfalt verloren gegangen, so der Braumeister. Auch für die regionalen Sorten gilt das Reinheitsgebot. Je nach Mälze und zugesetztem Wasser entstehen Biere, die sich zwar ähnlich sind, aber dennoch einzigartig.  „Die Möglichkeiten der Rohstoffe sind enorm. An einem anderen Standort erhält man ein anderes Produkt“, sagt Münker. Und attraktiv sei es als Alleinstellungsmerkmal allemal. Einblicke, die es sonst nicht gibt Winfried Christ ist rundum zufrieden mit seinem neuen Angebot: „Das hat sich gelohnt“, sagt er. Das eigene Bier steigere die Attraktivität. Kunden freuten sich, Handwerk vor Ort zu sehen und Einblicke zu bekommen, die sie sonst nicht haben. „Hier sehen sie alles“, sagt Christ und plant für das Frühjahr erneut ein Brau-Event im Backhauscafé.
Nur mit dem „isotonischen Getränk“, wie der Radler, das süffige Landbier umschreibt, ist es nicht getan. Eine eigene Marke braucht Etiketten, Bierdeckel, Flaschen, damit Kunden die Erinnerung mitnehmen können. Ja, Gläser auch. Die waren für Winfried Christ ein großes Problem. Kleine Stückzahlen mit Aufdruck eines eigenen  Logos waren kaum zu bekommen oder nicht zu bezahlen. Auch das Problem ist inzwischen gelöst. Mit den kleinen Henkelkrügen lässt sich leicht anstoßen. „Das kommt gut an“, bilanziert Christ und weiß: „Das trinken auch Frauen gerne.“ Damit vergrößert sich der potenzielle Kundenkreis. Deftiges Brot mit Hausmacher Wurst oder pikanter Flammkuchen dazu kommt aus dem Ofen in der Gaststube. Radler müssen bei dem „isotonischen Getränk“ dennoch vorsichtig sein. Auch wenn die Restsüße höher, das Landbier süffiger ist – Alkohol enthält es trotzdem.
Weitere Infos
  • Der Name des Dräulzer Landbier leitet sich aus der mittelalterlichen Sprache ab. Dort hieß Drolshagen noch „Draulzen“ und das passende Adjektiv dazu ist „Dräulzer“.
  • Damit soll sich das Bier zu einem überregionalen Botschafter der seit mehr als 1100 Jahren  bestehenden Ortschaft erweisen.
  • Das Backhaus Café hat die Familie Christ 2011 selbst gebaut. Im Zentrum steht, aus dem Gastraum sichtbar, der große, mit Holz befeuerte Backofen.
  • Winfried Christ hat sich damit seinen Traum erfüllt, ein eigenes Backhaus zu besitzen in dem er mit natürlicher Energie frische Backwaren herstellen kann.
  • Inzwischen ist die Jause in Essinghausen ein beliebter Ausflugsort für Jung und Alt. Gruppen nutzen die urige Atmosphäre für Feiern aller Art.
  • Weitere Infos: www.backhaus-cafe.de,  info@backhaus-cafe.de, Tel.: 02761 - 5626
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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