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Drolshagen, Drolshagen, 3. September 2015

Lütticke: Auch klamme Kommune muss investieren

Bürgermeister-Kandidat warnt vor Resignation

Bürgermeister-Kandidat Christoph Lütticke will die Lage am Marktplatz verbessern.
Bürgermeister-Kandidat Christoph Lütticke will die Lage am Marktplatz verbessern.
Luftbild: Matthias Clever
Breitband-Kabel für die Dörfer. „Verbesserung der digitalen Infrastruktur im gesamten Stadtgebiet“. Das ist eine Kernforderung in Christoph Lüttickes Wahlprogramm. Wie nötig sie ist, zeigt der Praxistest beim Fototermin auf dem Marktplatz. Es dauert ewig bis sich die Homepage auf Lüttickes Tablet aufbaut. Nachbarorte bieten längt freies W-LAN in der Innenstadt. „Erhebliche Defizite“ gebe es auf diesem Feld in Drolshagen, meint Lütticke, der als unabhängiger Kandidat am 13. September Bürgermeister werden möchte.

Angesichts der Förderung von 90 Prozent müsse auch die klamme Kommune hier zugreifen und den Rest durch Eigenmittel oder über zweckgebundene Spenden aufbringen. „Wir müssen da ran“, sagt Lütticke und hat nicht nur Unternehmen oder Freiberufler im Blick, die das Internet brauchen, sondern auch die junge Generation. Die werde mit dem Internet groß.
Christoph Lütticke
Freies W-LAN am Marktplatz etwa sieht er auch als Baustein, die Attraktivität des Platzes zu steigern. Hier sei er, solle er gewählt werden, „für jegliche kreative Lösung zu haben.“ Er wolle allerdings auch bürgerliche Initiative zur Verbesserung der Lage am Marktplatz einfordern. Wertschöpfung im Ort halten Bürger spielen für ihn auch in Sachen Windkraft eine Rolle. Konzentrationsflächen statt Verspargelung der Landschaft ist seine Devise. Gesundheitliche Aspekte müssten angesichts der Größe neuer Windkraftanlagen berücksichtigt werden. Und: die Akzeptanz der Technik sei zudem größer, wenn die, die in der Nähe leben, „auch daran partizipieren“, sagt Lütticke, der Bürgerwindparks favorisiert. Dann bleibe ein Teil der Wertschöpfung vor Ort.

Maßvoll möchte er neues Bauland auf den Dörfern schaffen. Junge Familien müssten die Chance haben sich in Drolshagen ansiedeln zu können, „um sie auch hier zu halten“. Finanzplanung seriöser gestalten Die Stadt dürfe nicht weiter über ihre Verhältnisse leben. Auch Lütticke zeigt mit dem Finger auf Bund und Land, die die Kommunen bei etlichen Kosten alleine ließen. Die Lücke zwischen Ansatz und Ergebnis bei der Gewerbesteuer sieht er als weiteren Grund für die defizitäre Situation der Stadt. Sparen will er durch interkommunale Zusammenarbeit, sieht aber auch hier Grenzen, etwa beim Bauhof: „Wenn Winterdienst in Olpe anfällt, haben wir hier auch Winter.“ – Schlechte Voraussetzungen für eine gemeinsame Nutzung von Räum-Fahrzeugen.

Angesichts der desolaten Finanzlage „ist das Tätigkeitsfeld anfangs eingeschränkt“, sieht der Bürgermeiste nur geringe Aktionsmöglichkeiten. Dennoch dürfe man „nicht in Resignation verfallen.“ Drolshagen, so Lütticke, biete eine „gute Mischung aus Menschen, Projekten, Unternehmen, Landschaft und Vereinsleben. Wir müssen diese Stärken aufzeigen und voranbringen.“ Daran möchte er als Ur-Drolshagener mitwirken. Kandidiert hat 51-jährige Leiter des Stadtbauamtes aber auch, „um den Drolshagenern wieder die Möglichkeit einer Wahl zu bieten.“ Sollte er das Rennen am 13. September oder bei der Stichwahl zwei Wochen später machen, sieht er sich für das Amt gut gerüstet. „Die Umstellung ist nicht sehr groß“, meint er mit Blick auf viele Termine. Als Kreisbandmeister habe er auch jetzt schon „120 bis 150 Termine im Jahr.“ Dennoch bleibe Zeit für Familie und private Interessen. Beides auf dem Schirm Die Frage „Wie geht’s du damit um?“ hat er sich mit Blick auf das Wahlergebnis auch gestellt, nachdem er sich im Frühjahr nach Absprache mit der Familie entschieden hatte als unabhängiger Kandidat anzutreten. Sieg oder Niederlage – beides hat er auf dem Schirm. „Sonst hätte ich nicht antreten dürfen“, sagt Christoph Lütticke. Soweit die Theorie. Und die Praxis? Da weiß er noch nicht, „ob es so einfach ist.“
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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