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Drolshagen, 04. Januar 2019

Intaktes Vereinsleben und starker Gemeinsinn

Blick hinter die Kulissen: Dorfverein Hützemert

Im Team geht's schneller: Beim Dorfverein Hützemert packt jeder mit an.
Im Team geht's schneller: Beim Dorfverein Hützemert packt jeder mit an.
Foto: Rüdiger Kahlke
Drolshagen. „Lieber lang?“ „Nein“. - Es ist kurz nach 13 Uhr. Statt Mittagsschlaf ist für die Mitglieder des Dorfvereins Mitmachen im Hützemerter Bahnhof angesagt. Kurze Diskussion, wie die Bodenplatten für die Bühne liegen sollen. Ein schneller Blick auf ein ausgedrucktes Foto vom Aufbau für die vorige Aufführung der „Wunderübung“, dann haben sich Stefan Tump und Klaus Koch ein Bild gemacht, wie es weitergeht.

Über eine Whatsapp-Nachricht hat der Vorstand des Dorfvereins für den letzten Freitag im Dezember die Helfer mobilisiert. Sie sollen im Bahnhof eine Bühne und ein Zuschauer-Podest aufbauen. Denn: Am ersten Freitag im neuen Jahr geht wieder „Die Wunderübung“ des Konnex-Theaters „über die Bühne“.

Der Dorfverein ist zwar selbst nicht Veranstalter der vier neuen Theateraufführungen, packt aber gerne mit an. „Wir sind ja froh, wenn wir Kultur und Theater hier haben“, sind sich Stefan Tump, der beim Bühnenbau „den Hut auf hat“, und Vorsitzender Sascha Koch einig. Immerhin neun Mann packen mit an. Später kommt noch der eine oder andere dazu. 22 Zentimeter, die viel bringen Zwei bauen die Unterkonstruktion für die Bühne. Andere schleppen Balken und Bodenplatten rein. „Gucken, dass es vorne bündig ist“, gibt Klaus Koch auf Knien hockend kurze Anweisungen. „Ja, ich schieb noch mal rüber“, klopft Stefan Tump gegen die Balken, auf denen kurz darauf die Bretter liegen, die für die drei  Konnex-Schauspieler wieder viermal die Welt bedeuten. „Wir sind schneller“, frozzelt Marc Alte, der mit einem Kollegen das Podest hinten im Zuschauerraum zusammenschraubt und den kleinen Wettbewerb der Teams anheizt.

Das Podest ist schnell gemacht, meint Tump. Es kam erstmals bei den Vorführungen Anfang 2018 zum Einsatz. „22 Zentimeter, die den Unterschied machen“, sagt Tump, „die letzten drei Reihen freuen sich.“ Mit dem neuen Niveauunterschied verbessert sich die Sicht im Saal. Euro-Paletten bilden in beiden Fällen die Basis. Die hat Tump bei Firmen in der Umgebung für die vier Vorführungen zusammengeschnorrt. „Kein Kostenpunkt, eigentlich“, sagt er. „Wir könnten die auch kaufen.“

Aber: Der Dorfverein hat keine Lagermöglichkeit. Die ersetzt logistische Raffinesse. Jedes Mal müssen die Paletten neu organisiert werden. Dazu ein paar Balken, Folien und oben drauf kommt Laminat. Das schleppen Sacha Koch und Ulrich Hilchenbach vom Vorstand ran. Die Materialkosten trägt der Theaterverein, die Arbeit machen die Hützemerter. – Damit Leben in den Bahnhof und in den Ort kommt. Vorstand als Handlanger „Frank ist als Elektriker gesetzt“, sagt Sascha Koch. „Ansonsten finden sich die Pärchen.“ Manche bringen auch das eigene Werkzeug mit. Da weiß man, was man hat! Alles läuft ruhig und planvoll ab, wie von Geisterhand geordnet.

Dem Vorstand kommen dabei eher Handlanger-Dienste zu. Mal räumt einer der „Chefs“ etwas zur Seite oder packt an, wo gerade Hilfe nötig ist. Wenn der Vorstand mitmacht, „wissen viele das zu schätzen, auch wenn man nicht das Meiste macht“, hat Sascha Koch auch Stimmung im Blick. „Man muss auch aufpassen, dass manche sich nicht überfordern“, weiß er. „Sonst geht die Motivation flöten.“ Fürsorgepflicht im Verein. Experten regeln den Ablauf Was wie zu tun ist, regeln die Experten im Verein. Das hat sich seit Renovierung und Umbau des Bahnhofs zum Kulturzentrum Hützemerts so entwickelt. Frank Wigger hockt rechts in der Ecke vor den Bühne und bohrt durch die Wand. Eine neue Doppelsteckdose soll die Energieversorgung erleichtern. Dann muss künftig kein Kabel mehr unter der Tür durchgezogen werden.

„Alles Kabel, das hier liegt, hab ich selbst gelegt“, sagt er stolz. Klar, dass er auch selbst bohrt, damit keiner irgendwo ein Kabel beschädigt. Für Wigger wie die anderen, die an diesem Freitag dabei sind, ist klar, warum sie im Dorfverein mitmachen. „Weil das das dörfliche Leben ausmacht“, sagt er und freut sich, „in Gemeinschaft etwas zu machen.“
Martin Willmes, seit einem Jahr Rentner, repariert Stühle, schraubt Lehen wieder fest, montiert neue Gleiter. „Alles passt zusammen hier“, sagt er, „das ist ein gutes Team.“ 14.30 Uhr. Hinten sitzen die ersten auf den Stühlen – auf dem Podest natürlich.

Das Team um Marc Alte ist fertig. Erwartungsgemäß. „Wenn man ins Dorf zieht, muss man sich integrieren“, ist seine Motivation, im Dorfverein mitzumachen. Er sei in Hützemert „mit offenen Armen empfangen worden“. Zusammenarbeit schaffe Kontakte. Die gehen über die Arbeitseinsätze in Sachen Bahnhof hinaus. Der Dorfverein bietet damit neben dem kulturellen und gesellschaftlichen Treffpunkt auch eine Integrationsfunktion.  Geschafft Weiter vorne wird noch für die drei Konnex-Akteure gewerkelt. – 17.15 Uhr. Geschafft. Die Schauspieler haben an den ersten beiden Januar-Wochenenden wieder eine Bühne für ihre wunderbare „Wunderübung“. Und die neuen Steckdosen kommen allen zugute, die den Saal nutzen. Gut vier Stunden nach Arbeitsbeginn ist die Bühne bespielbar und Ausweis für ein intaktes Vereinsleben und starken Gemeinsinn.
Aufführungen:
Das Konnex-Theater spielt „Die Wunderübung“ im Hützemerter Bahnhof nochmals am:
  • Freitag, 4. Januar,
  • Sonntag, 6. Januar,
  • Freitag, 11. Januar,
  • Sonntag, 13. Januar
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

Bildergalerie: Blick hinter die Kulissen: Dorfverein Hützemert