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Drolshagen, Drolshagen, 23. Oktober 2015

Halle „In der Wünne“ wird für Flüchtlinge hergerichtet

Asylunterkunft: Helfer im Dauereinsatz

Asylunterkunft: Helfer im Dauereinsatz
Fotos: Rüdiger Kahlke
Einsatzfahrzeuge von DRK, THW und Feuerwehr auf den Parkplätzen. Sicherheitsdienst am Eingang. Zutritt nur für Befugte. Die Turnhalle „In der Wünne“ ist abgeriegelt wie eine Katastrophenstelle. Draußen lagern Absperrgitter. An den Türen klebt der Hinweis „Ausgang“ für Fluchtwege in fünf Sprachen, darunter Französisch, Türkisch und Arabisch. In den Geräteräumen stehen Bierzelt-Garnituren. Nur: nach feiern ist hier keinem zumute. Seit Montag wird die Sporthalle zur Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge umgerüstet – eine Notunterkunft.

Die MDF-Platten als Schutz für den Fußboden haben Mitarbeiter des Kreises am Montag verlegt. Die Einrichtung für 200 Flüchtlinge ist Sache der ehrenamtlichen Kräfte der Rettungsdienste. Samstagmorgen soll die Halle betriebsbereit sein. „Ohne die Ehrenamtlichen geht es nicht“, sagt Karin Khalladi.
Der Mitarbeiter der Kreisverwaltung in Olpe ist als Ansprechpartner für die Helfer vor Ort, für Sicherheitsdienst, Betreiber und auch die Flüchtlinge selbst abgeordnet. Seit vier Wochen macht er den Job, der für ihn völlig neu ist. Olpe. Attendorn - die beiden Hallen hat er schon mit eingerichtet, hat mitbekommen, wie es läuft, wo Probleme auftauchen, wie die Flüchtlinge reagieren. „Die“, sagt Khalladi, „sind froh, dass sie hier sind, dass sie sie es warm und trocken haben.“ Eingespieltes Team Bei Matthias Wintersohl klingt schon wieder das Handy. Sein Rat ist gefragt. Für den DRK-Helfer aus Drolshagen ist es bereits die achte Flüchtlingsunterkunft, die er mit einrichtet. Ehrenamtlich – klar. Der Außendienstmitarbeiter für Schmierstoffe ist vor Arbeitsbeginn in Halle und nach Feierabend. Vorige Woche Donnerstag hat er erfahren, dass er mit seinem Team wieder ran muss. Diesmal vor der Haustür – in Drolshagen.
In der Halle stehen schon die ersten Gondeln: Drahtgitter, wie man sie von Baustellen-Absperrungen kennt. Mit Kabelbindern befestigen THW-Helferinnen schwarze Planen als Sichtschutz an den Gittern. An einer Seite der Halle stapeln sich die Einzelteile für die Etagenbetten. Je Gondel sind drei Doppelstock-Betten vorgesehen – sechs Schlafplätze. Am anderen Ende der Halle karren Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr Bodenplatten als Halterung für die Absperrgitter heran, legen sie in Quadraten aus. Gut 24 Stunden haben die Teams noch, dann muss die Halle betriebsbereit sein. Danach sieht am Donnerstagnachmittag noch nicht aus. Erfahrungen werden direkt umgesetzt Matthias Wintersohl bringt das nicht aus der Ruhe. „Wir wissen wie schnell es geht mit dem Aufbau.“ Gibt es eine Checkliste, was wann erledigt sein muss? „Es ist jedes Mal ein bisschen anders“, sagt der stellvertretende Leiter des DRK Drolshagen. „Wenn etwas schief läuft nehmen wir das mit und versuchen es beim nächsten Mal besser zu machen.“ Davon werden die Flüchtlinge In der Wünne ab Samstag profitzieren. Die Gondeln mit den Planen stehen so, „dass sie weniger einsehbar sind“, schildert Wintersohl, wie die Erfahrungen direkt umgesetzt werden.
Bis Freitagabend müssen 200 Betten aufgebaut werden und Nebenräume eingerichtet werden.
Anfangs wurden die Einsatz-Einheiten abwechselnd mit den Aufbauarbeitern betraut. Inzwischen haben sich Wintersohl und sein Team spezialisiert. „Wir machen das jetzt alleine“ sagt er, vergisst aber nicht, Feuerwehr und THW zu erwähnen, die ebenfalls mit etlichen Kräften zupacken. Mit dem Aufbau der Betten und den Gondeln, die wenigstens etwas Intimität in der großen Halle schaffen sollen, ist es nicht getan. Infrastruktur muss erst geschaffen werden Eine Sanitätsstation muss noch eingerichtet werden. Stromanschlüsse müssen verlegt werden. Allein für die fünf Waschmaschinen und die Trockner ist ein 30-KW-Anschluss nötig. „Die Halle ist dafür nicht ausgelegt“, sagt Matthias Wintersohl. Die Maschinen werden 24 Stunden durchlaufen müssen, um den Wäsche-berg von 200 Personen bewältigen zu können.
Neben der Halle werden Container aufgestellt – für die Kinderbetreuung, für Büros, für Duschen und WC. Auch dafür ist die Halle nicht ausgelegt. Auch dafür müssen Anschlüsse verlegt werden. Geheizt werden die mobilen Unterkünfte mit Strom. Umweltfreundlich klingt das nicht. Anders geht es aber nicht, macht der DRK-Leiter deutlich. Man könne nicht für ein paar Monate eine Gas- oder Ölheizung bauen. Ganz abgesehen vom Problem, die Kraftstoffe zu lagern. Und der Sicherheit natürlich. Die Container haben nur einen Anschluss. „Außen nur ein Stecker rein und sie haben Strom und Heizung, alles komplett“, schildert Wintersohl die Vorteile. Container-Markt leergefegt Die Container kommen erst noch. Der Markt ist leergefegt, macht Karin Khalladi deutlich. Die Unternehmen kommen mit der Fertigung nicht nach. Mit dem Einzug der Flüchtlinge, der für Samstag geplant ist, ist für die Helfer der Einsatz nicht vorbei. Vermutlich 14 Tage werden sie noch zu tun haben bis sich alles eingespielt hat. Und auch im Alltagesbetrieb ist ihr Engagement gefragt. Man brauche die Freiwilligen zum Beispiel bei der Kleiderausgabe, verweist Karin Khalladi auf Tätigkeiten, die das DRK auch mit hauptamtlichen Kräften nicht leisten könne.
Die Geräteräume mit Bierzelt-Garnituren dienen als Aufenthaltsbereiche.
Die neuen Flüchtlinge müssen untersucht und geimpft werden. Die Erwachsenen werden zudem zum Röntgen-Check gebracht, um Tuberkulose-Erkrankungen vorzubeugen. Erst wenn die Befunde vorliegen, läuft das Asylverfahren an, schildert der Ansprechpartner des Kreises das Prozedere. Danach erst erfolgt die Verteilung auf die Kommunen. Nicht alles verläuft reibungslos. Karin Khalladi hat ein Dienst-Handy. „Ich bin auch abends ansprechbar, sagt er. Wenn alle Notunterkünfte laufen, werde er auch nicht immer vor Ort sein. „Da wachsen Freundschaften dabei“ Wie hält man die Dauerbelastung durch? „Das hält man solange durch, wie die Familie das mitmacht“, sagt Matthias Wintersohl. Seine Frau, ebenfalls beim DRK aktiv, hilft in der Halle mit. Der kleine Sohn wird derweil von den Großeltern betreut. „Bis das soziale Gefüge bricht“, sagt Wintersohl, „dann wird man sich entscheiden müssen.“
Da hilft es, dass die Stimmung unter den Helfern gut ist. „Die Kollegen vom THW haben wir schon in Olpe und Attendorn getroffen“, zeigt der DRK-Leiter in die Runde. „Man kennt sich inzwischen. Wenn wir nach Feierabend noch ne Wurst zusammen essen, dann wachsen da Freundschaften dabei“.

Und die Flüchtlinge? Die wissen zu schätzen, was für sie getan wird. Das ist Karin Khalladis Erfahrung. Er hat es in Attendorn erlebt, als sie aus der Halle auf die Kommunen verteilt wurden: „Die haben sich tausendmal bedankt, als sie gingen“, schildert Khalladi.
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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