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Drolshagen, Drolshagen, 28. Juli 2015

Asyl: Wenig Hilfe für Helfende

Asyl: Wenig Hilfe für Helfende
Fotos: Matthias Clever
Sie kommen aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, China oder Albanien. Krieg, Verfolgung und Armut bringen die Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Vor allem die großen Krisen Afrikas und der arabischen Halbinsel sorgen dafür, dass viele Menschen in Deutschland Asyl suchen. Kommunen wie Drolshagen sind stark gefordert und suchen selbst Hilfe.

„Man muss sich nur die bloßen Zahlen ansehen und dann wird einem das Problem schnell klar“, sagt Martin Tomasetti. Der Fachbereichsleiter für die Bereiche Sicherheit und Soziales berichtet, dass die Stadt Drolshagen 2012 insgesamt 14 Zuweisungen hatte. 2013 seien es 17 und 2014 insgesamt 49 gewesen. „Bisher haben wir im Jahr 2015 schon 48 Menschen zugewiesen bekommen“, erklärt Tomasetti. Die Asylsuchenden müssten alle untergebracht, versorgt und betreut werden. Die Verwaltung setzt auf eine dezentrale Verteilung auf Wohnungen. Allerdings existieren zwei Wohnanlagen in Drolshagen. Neben Bleche, wo derzeit 17 Menschen leben, gibt es eine größere Unterkunft in der Wünne – dort leben 25 Flüchtlinge. Zweite Stelle nötig Wann und wie viele Flüchtlinge der Stadt zugewiesen werden, entscheidet sich oft spontan. Mit einem Mix aus Deutsch, Englisch, Französisch und zu einem großen Teil sprichwörtlich mit Händen und Füßen, verständigen sich die Verwaltungsmitarbeiter mit den Hilfesuchenden. Die Arbeit mit den Menschen leistete in der Vergangenheit Gerd Lütticke alleine. „Eine Person kann aber nicht alleine 80 Menschen betreuen“, betont Tomasetti – daher wird nun auch Stefanie Clemens nach ihrer Ausbildung im Rathaus in dem Bereich eingesetzt. Die beiden Mitarbeiter achten direkt bei der Ankunft der Hilfesuchenden bei der Aufteilung darauf, dass mögliche Konfliktparteien getrennt werden. Tomasetti: „Wir probieren, auf die ethischen und religiösen Belange einzugehen.“
Teambesprechung im Rathaus: Martin Tomasetti, Angelika Schlicht und Stefanie Clemens (von links) unterhalten sich über geplante Maßnahmen.
Im administrativen Bereich arbeiten Martin Tomasetti und Angelika Schlicht. „Wir werden nicht nur älter und weniger, sondern auch bunter – daher gehört das Thema auch zu meinen Aufgaben als Demografiebeauftragte“, sagt Schlicht, die sich als eine Art Projektmanagerin des Netzwerkes Asyl sieht.

Anders als in anderen Kommunen gründete sich das Netzwerk nämlich nicht aus der Bürgerschaft heraus, sondern in der Verwaltung. Dazu gebe es von übergeordneter Instanz keinen Plan, wie dies funktioniert, sondern jede Kommune sei auf sich gestellt. „Meine Hauptaufgabe ist es, Strukturen aufzubauen“, berichtet Schlicht. Bisher bringen sich mehr als 50 Menschen ehrenamtlich ein – diese Arbeit muss koordiniert werden. Das Netzwerk Asyl hat inzwischen vielfältige Aufgaben übernommen.
Angelika Schlicht bei der Arbeit mit Hilfesuchenden aus China.
Aktuell kümmert sich das Netzwerk darum, dass Flüchtlinge aus Ortsteilen wie Bleche die Möglichkeit erhalten, in die Stadt zu kommen. Schlicht: „Der Busverkehr ruht in den Schulferien quasi – daher organisieren wir Fahrdienste und stellen Fahrräder zur Verfügung. Dadurch bekommen die Menschen die Möglichkeit, in der Stadt einzukaufen und andere Dinge zu erledigen.“

Es geht aber nicht nur um Einkäufe, sondern auch um Arztbesuche und vieles mehr. „Die Stelle, die die Flüchtlinge verteilt, macht sich oft scheinbar keine Gedanken, dass es hier bei uns Hindernisse gibt“, erklärt Angelika Schlicht. Sie berichtet von einer Familie, die ein krankes Kind hat und nun Fahrten in die Kinderklinik nach Lüdenscheid organisiert werden müssen.

Bei der Verteilung der Hilfesuchenden auf die einzelnen Kommunen werden nach Aussage von Tomasetti und Schlicht oft auch Familien auseinandergerissen und auch andere Zuteilungen erfolgen, die wenig Sinn machen. Als Beispiel nennen die beiden einen Mann, der eigentlich zu seinem Bruder nach Oberhausen wollte, dann aber „aufs platte Land“ geschickt worden ist. Obwohl er chronisch krank ist und in Drolshagen nicht die Möglichkeit hat, ausreichend behandelt zu werden. Zwei wöchentliche Sprachkurse Aber das Netzwerk leistet noch mehr: bei der Ankunft der Hilfesuchenden werden die Menschen begrüßt und mit den ersten Informationen über den Ort und vieles mehr versorgt. Außerdem werden inzwischen zwei wöchentliche Sprachkurse angeboten. Die pensionierte Lehrerin Dagmar Bayer bietet Deutsch in je einem Kurs für Anfänger und Fortgeschrittene an. Mit Englisch und Französisch vermittelt sie die Grundlagen an die Menschen aus Albanien, Algerien, Nigeria, Syrien, Mali und China.
Dagmar Bayer unterrichtet die Asylsuchenden.
Neben den Sprachangeboten kümmert sich das Netzwerk Asyl auch um eine Abwechslung für die Menschen. So werden gerade verschiedene Aktivitäten wie Sport, Bingo, Handarbeiten und vieles mehr organisiert – dabei kooperiert das Netzwerk mit Institutionen vor Ort. Viele Menschen böten ihre Hilfe an und seien zur Stelle, wenn es darum geht, die Asylsuchenden zu unterstützen. Aber es sei nicht alles rosig, sagt Angelika Schlicht: „Selbstverständlich gibt es Menschen, die die Situation nicht akzeptieren und nicht gerne wollen, dass Flüchtlinge in die Nachbarschaft ziehen.“ Oft sei es aber so, dass die neuen Nachbarn nach dem ersten Kennenlernen toleriert und akzeptiert werden.
Zumal es bisher laut Martin Tomasetti keinerlei Probleme mit Streit, Diebstählen oder ähnliches gegeben hätte. Die Schicksale der Menschen berühren eher die Nachbarn und regen an zum Helfen. Gleiches gilt für die Verwaltungsmitarbeiter. „Die Geschichten der Flüchtlinge nehmen wir ganz klar auch mit nach Hause – sie bleiben nicht im Büro zurück“, sagt Tomasetti.
Netzwerk sucht Unterstützer
Wer im Netzwerk Asyl mitarbeiten möchte, kann sich telefonisch mit Angelika Schlicht unter der Mobilnummer 01 70 / 5 17 47 04 oder Festnetz 0 27 61 / 97 01 16 (eventuell Anrufbeantworter) oder per E-Mail an a.schlicht@drolshagen.de in Verbindung setzen.
Ein Artikel von Matthias Clever

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