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Attendorn, Attendorn-Helden, 10. Oktober 2015

200 Kinder beweisen in der Manege ihr Können als Zirkusartisten

Welten der Illusion und der Fantasie

Junge Fakire, Dompteure und Akrobaten begeistern
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Einmal selber in die Zauberwelt des Zirkus eintauchen, einmal selbst als Fakir, Jongleur, Dompteur, Akrobat oder Clown auftreten: Das Jugendzentrum Attendorn hat diesem Traum zusammen mit dem „Zirkus Rondel“ nun zum elften Mal wahr werden lassen. 200 Kinder zeigten in zwei Vorstellungen am Freitagabend und am Samstagvormitag, was sie in einer Herbstferienwoche gelernt hatten (LokalPlus berichtete).

Und sie bewiesen auch vor Publikum ihr Talent in der Manege, ernteten tosenden Applaus für ihre Darbietungen, der sie zusätzlich sichtlich anspornte. Die jungen Akrobaten bauten kunstvolle Pyramiden, und bei den Jongleuren drehten sich gleich neun Teller auf einmal. Die „Tauben“ stiegen kleine Leitern hoch oder fuhren mit den Mädchen, verkleidet als Feen, im Karussell. Und auch die Ponys und Ziegen gehorchten den Kids im Zirkuszelt aufs Wort.

Besondere Begeisterung machte sich im Publikum breit, als die Kinder über das Seil balancieren oder die Fakire vor keinem Nagelbrett zurückschrecken. Die Trapeznummer, die im Vorfeld bei den Kindern sehr gefragt war, sorgte für laute Bewunderungsrufe, für „Oohs“ und „Aahs“. Zuschauern stockt der Atem Manchen Zuschauer stockte gar der Atem ob der furiosen Darbietungen. „Ich bin froh, dass ich einen Jungen habe“, so eine spontane Äußerung einer Mutter, als sie sah, wie die Mädchen bei der Trapeznummer Richtung Zirkuszelt schwebten. „Atme weiter, da passiert schon nichts“, beruhigte sie eine andere Mutter. Die Kinder wirkten nicht wie eine Gruppe Anfänger, sondern wie ein Wanderzirkus, der Rast im Repetal machte. Die jungen Artisten ließen keine Nummer aus, die man auch im großen Zirkus zu sehen bekommt. Wann immer der Vorhang sich öffnete und der Scheinwerfer anging, wurden die Zuschauer in eine neue Welt der Illusion und Fantasie entführt.

Und so vergingen die zwei Stunden Vorführung wie im Flug. Für die elf Jahre alte Kira aus Meggen war es der erste Auftritt in der Manage gewesen. „Ich bin bei den Akrobaten, denn ich turne gerne, und das macht viel Spaß.“ Ihre Mutter hatte die Idee, sie beim Zirkusprojekt des JuZ mitmachen zu lassen. Eine gute Idee, fand Kira, zusammen mit ihren Freundinnen habe sie eine ganz besondere Ferienwoche erlebt. Die hatte auch Johanna (8) aus Helden. Sie eroberte als Tänzerin die Herzen der Zuschauer. „Im nächsten Jahr möchte ich bei den Ponys oder Ziegen sein, oder ich werde Clown.“

In die Rolle des Spaßmachers war Kerold in diesem Jahr geschlüpft. Der Neunjährige kommt aus Ägypten und war eins von 20 Flüchtlingskindern, die in diesem Jahr das Angebot mitnutzen. „Ich war gerne ein Clown, weil der so lustig ist.“ Kerold spricht nach einem Jahr in Deutschland hervorragend Deutsch. Fehlende Sprachkenntnisse kein Hindernis Eine Sprachbarriere gab es ohnehin nicht. Drei Flüchtlingskinder waren dabei, die die deutsche Sprache noch nicht beherrschen. „Macht nichts“, so die jungen Betreuer. „Wir können uns auf Französisch verständigen, und dann geht es. Da weiß man dann auch, wofür man das in der Schule lernt.“

Doch jetzt heißt es erst einmal wieder ein Jahr warten, bis der „Zirkus Rondel“ in die Stadt kommt – und aus Kindern für eine Woche Zirkusartisten werden.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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