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Attendorn, Attendorn, 5. Juni 2016

Fachsymposium zum Thema „Alternative Antriebstechniken“

Un- oder wenig bekannte Gefahren

Rettungskräfte: Über die Gefahren alternativer Pkw-Antriebe
Zum zweiten Mal hat die Feuerwehr der Hansestadt Attendorn am Samstag, 4. Juni, ein Fachsymposium zum Thema „Alternative Antriebstechniken“ ausgerichtet. Über 100 Teilnehmer verfolgten aufmerksam die verschiedenen Fachvorträge im „Höhlenrestaurant Himmelreich“. Anschließend hatten die Zuhörer, die auch von außerhalb gekommen waren, die Möglichkeit, sich an verschiedenen Fahrzeugen von 13 Herstellern direkt vor Ort über den aktuellen Stand der Fahrzeugtechnik zu informieren.

Ein Verkehrsunfall, an dem ein Pkw mit Gasantrieb, ein Hybridfahrzeug oder E-Auto beteiligt ist, stellt an die Rettungskräfte ganz besondere Anforderungen. Zunächst einmal gilt es, das Fahrzeug vorab als eines mit alternativem Abtrieb zu erkennen – und die notwendige Vorsicht walten zu lassen, um nicht selbst durch Strom oder ausströmendes Gas verletzt zu werden. Die Vielfalt der Fahrzeugantriebsarten auf den Straßen wachse, zudem werde das Innenleben der Wagen stetig umfangreicher, lernten die Besucher.

Ohne eine sogenannte Rettungskarte im Auto kann es heikel werden, etwa dort, wo sich Gasgeneratoren für die vielen Airbags befinden. „Dort sollte man mit schwerem Schneidgerät besser nicht ansetzen“, rät Lutz Hoffmann vom Bosch Kundenzentrum in Karlsruhe. Dabei komme es im Notfall auf jede Minute an. Hektik und vorschnelles Handeln könnten angesichts der komplexen Technik in vielen Autos Patient und Helfer gefährden. In Europa fehlt die Norm „Das größte Problem ist die fehlende Norm“, sind sich die Experten einig. Obwohl in Europa selbst eine Norm für eine Banane festgelegt wird, gelte das bei Fahrzeugen mit alternativen Antriebstechniken noch nicht. Die meisten Autos mit alternativen Antriebsarten unterscheiden sich äußerlich nicht oder kaum von konventionell angetriebenen Autos. Forderungen der verschiedenen Blaulicht-Fraktionen nach einheitlicher Kennzeichnung von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben würden seitens der Hersteller in Europa nicht verfolgt.

Gesetzliche Regelungen bestehen dazu nicht. Was ist zu tun? Für Besitzer eines Elektrofahrzeugs sei es sinnvoll, eine sogenannte „Rettungskarte“ im Fahrzeug mitzuführen. Diese sollte unbedingt hinter der Fahrersonnenblende deponiert werden, da die Rettungskräfte an diesem Ort danach suchen würden, erklärten die Experten. Auf der Rettungskarte stehen die entsprechenden Informationen, wo und wie die Helfer das Fahrzeug gefahrlos aufschneiden können, denn moderne Autos sind mit vielen Airbagsystemen und Stromer auch zusätzlich mit Hochvolttechnik ausgestattet. Daher müsse eine bestimmte Vorgehensweise beachtet werden, und häufig seien die neuen Techniken den Rettungskräften im Detail noch gar nicht bekannt.

Mercedes etwa ist dazu übergegangen, im Tankdeckel einen QR-Code anzubringen, über den man per Smartphone das Rettungsdatenblatt abrufen kann. „Das sollte auch über das Kennzeichen möglich sein“ wünschen sich die Rettungskräfte. Eine Kennzeichenabfrage würde dann über die Leitstelle erfolgen, die mit dem Kraftfahrtbundesamt verbunden ist. „Aber noch ist diese Information kein Standard“, weiß auch Achim Henkel von der Polizei. „Dieses gibt es nur auf gezielte Nachfrage.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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