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Attendorn, 07. September 2019

Einmalig im Sauerland

„Tiny House“: Reduziertes Wohnen auf kleinstem Raum in Helden

Detlev Beckmann und Bettina Kleeschulte haben sich das erste Tiny House im Sauerland gebaut.
Detlev Beckmann und Bettina Kleeschulte haben sich das erste Tiny House im Sauerland gebaut.
Foto: Christine Schmidt
Helden. Mitten in Helden steht ein kleines Haus auf Rädern – das sogenannte „Tiny House“. Nach dem Prinzip, wie es Peter Lustig in „Löwenzahn“ schon vorgelebt hat: Auf kleinsten Raum reduziert und ökologisch leben. Bettina Kleeschulte und ihr Mann Detlev Beckmann haben sich ein solches Haus gebaut und vor die Tür gestellt.

Ein Holzkasten auf Rädern, große Fenster, heller Boden und eine gemütliche Einrichtung nur mit dem Nötigsten – so sieht das Tiny House aus. Reduziertes Wohnen ist hier das Stichwort. „Es ist alles da“, sagt Bettina Kleeschulte, „aber eben minimiert.“ Allerdings ist ein „Tiny House“ nicht mit einem Wohnwagen zu vergleichen.

Die Mini-Häuser sind ein neuer Trend, der jetzt auch im Sauerland angekommen ist – zumindest im Repetal. Sie stehen für ein nachhaltiges, unabhängiges Leben und sind fern ab vom täglichen, extremen Konsum. Denn auf kleinstem Raum lebt es sich günstiger und umweltfreundlicher. Idee kam schon vor zehn Jahren auf Das Ehepaar aus Helden hat das gesamte Haus ökologisch, aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz, hergestellt. „Wir bauen sonst große Häuser aus Holz. Jetzt sollte es eben ein winziges sein“, lachen die beiden.

Aber wie kommt man auf den Gedanken, sich so etwas in den Garten zu stellen? Schon vor zehn Jahren hatten sie die Idee, so genannte „Kubys“ für den Garten zu entwerfen. Wenn man kurzfristig mal Platzbedarf habe, sei so etwas genau das Richtige. Außerdem sei es für manche einfach zu teuer, ein eigenes Haus zu bauen, und auch Wohnungen in Städten seien kaum bezahlbar.
Liebevoll hat Bettina Kleeschulte den kleinen Wohnraum gestaltet.
„Wir sind aus dem Urlaub wiedergekommen und dann haben wir immer solche Einfälle“, erinnert sich Bettina Kleeschulte. Also wurde die Idee von damals wieder aufgegriffen, nur etwas anders umgesetzt. Eigentlich sollte das Projekt für die Architektin als Büro dienen oder als Schlafgelegenheit bei Messen.

Und dann merkte das Ehepaar, wie groß der Bedarf und das Interesse bei Urlaubern, aber auch für Homeoffice waren. Seit Ende Juli vermieten sie die Unterkunft nun auch an Leute, die das besondere Erlebnis suchen. „Es ist eine ganz bestimmte Zielgruppe“, sagt Kleeschulte. „Es sind die alternativen Freigeister, die hier die Verbindung zur Natur suchen.“ Ganz nah an der Natur Genau das ist es, glaubt Detlev Beckmann, weshalb solche Übernachtungsmöglichkeiten im Trend liegen: die Natur. Ob Baumhäuser, „Tiny Houses“ oder eben das klassische Campen, „die Menschen sind ganz nah an der Natur, das ist unser urkultureller Instinkt“, so der Tischler.

Nach mehr als einem Monat Vermietung weiß das Paar, dass viele Interessenten das Projekt nur mal ausprobieren möchten und ihr Fazit meist überraschend ausfalle. Bettina Kleeschulte erzählt, dass viele der Gedanke reize, auf kleinstem Raum nur mit dem Nötigsten reduziert zu leben – „und die Leute finden es super“. „Ich denke, die Menschen wollen so einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz leisten, wenn sie hier übernachten“, sagt Beckmann. Denn „endlich“ sei die Gesellschaft für Themen wie Klimawandel und Umweltschutz sensibilisiert worden.

Und wie lebt die Familie? Sie wohnen in einem 300 Jahre alten Bauernhaus. Aber sie könnten es sich vorstellen, so zu wohnen. „Wir finden es spannend, so etwas zu planen, und es macht viel Spaß. Wir haben noch einige Versionen“, erzählen sie von ihrem aktuellen Vorhaben.

Denn plötzlich wollten sich auch andere ein solches Häuschen in den Garten, oder wo auch immer, hinstellen. Jetzt entwerfen und produzieren die Zwei weitere Objekte zum Kauf - aber natürlich nicht von der Stange, sondern jedes ganz individuell.
Ein Artikel von Christine Schmidt

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