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Attendorn, Attendorn, 31. Oktober 2015

Spektakuläre Stadtführung

Spektakuläre Stadtführung
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Die zweite Eventstadtführung durch die Hansestadt Attendorn war am Samstag, 31. Oktober, ein voller Erfolg. Innerhalb von Minuten waren die vier Führungen im Vorfeld ausverkauft. Jeweils 90 Personen, ob groß oder klein, folgten rund zwei Stunden Stadtausrufer Tobias Schrottke und sein Vater Manfred durch Attendorn.

Umgeben von dichtem Nebel und rotem Licht stieg Kallenboel aus dem Keller des Sauerländer Doms ans Tageslicht. Weiß geschminkt und gezeichnet von der Pest, die in Attendorn wütete, tritt er vor das Publikum. „Man hat mich begraben, weil man dachte, ich wäre tot. Doch nach neun Stunden hörten Frauen Geräusche aus meinem Grab, denn ich war inzwischen aus seiner Ohnmacht erwacht. Das Grab wurde geöffnet, ich wurde herausgeholt. Bald darauf wurde ich nach Köln und durch die benachbarten Gebiete geführt, um gegen ein geringes Entgelt vom Volke begafft zu werden.“ Peter Höffer spielte den Kallenboel bei den Event-Stadtführungen am Samstag so überzeugend, dass es einige Kinder in der Gruppe schon ein wenig mulmig wurde. Stadtgeschichte lebendig darstellen, das war das Ziel der Eventführung und das ist dem Team um Frank Burghaus und Susanne Filthaut von der Stadt Attendorn auch bei der zweiten Auflage dieses Angebotes bestens gelungen. Doch bis alles reibungslos laufen konnte, war eine Menge Arbeit im Vorfeld angesagt. Dabei galt es auch, geeignete geschichtliche Punkte zu finden und mit Personen auszustatten, die die Geschichte lebendig darstellten.

Start waren in diesem Jahr die Hoesch Hallen. Nach einem kleinen Umtrunk sammelten Tobias und Manfred Schrottke die Gruppe ein und gemeinsam ging es zum ersten Punkt der Eventführung, der gegenüberliegenden Hospitalkirche. Hier warteten Klaus Gabriel als gestrandeter Pilger auf der Heidenstraße und Ulrich Gabriel als Stifter der Kirche auf die Gäste. Beide sind Akteure der Theatergruppe Helden und gaben nicht nur einen Einblick in die Geschichte der Kirche, sondern verteilten auch Seitenhiebe auf die Schützen, die deutsche Bahn und die Fifa. Stadtbrand mit viel Pyrotechnik Weiter ging es Richtung Innenstadt. Mit viel Pyrotechnik wurde hier der große Stadtbrand aus dem Jahre 1783 durch Anna Katharina Schnüttgen, dargestellt von Anja Geuecke, inszeniert. Auf sie traf die Gruppe später nochmals im Pulverturm.

Nachtwächter Dieter Auert, unterstützt mit dem Laternenanzünder und Peter Höffer als Irrer im Torenkasten an der gleichnamigen Straße waren die nächsten Haltepunkte der Eventführung. Schließlich wurde Uli Selter als Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg aus der Stadt gejagt und auf der Burg Bilstein beschossen, wo die Schützen allerdings anstatt des Bischofs eine Katze erlegt und seitdem die „Kattfiller“ sind. Diese „Wahre Geschichte der Kattfiller“ präsentierte Uli Selter den Teilnehmern auch später noch im Innenhof des Seniorenhauses St. Liborius mit Gitarrenklängen untermalt. Gleichzeitig bekamen alle Zuhörer hier eine Stärkung aus dem Hause Harnischmacher.

Auf dem Marktplatz erwarteten die Teilnehmer die Osterfeuervereine und ihr besonderes Brauchtum. Martin Kraemer als Polizist erklärte, warum man in „Großvaters Berg“ jedes Jahr das Osterkreuz schlägt und wie es zu dem Begriff „Olper Tied (Zeit)“ kam. Großes Finale am Rathausplatz Anschließend erklärten Mitglieder des Theatervereins Helden, was es mit dem Kratzstein an der Pfarrkirche auf sich hat. Auf Stefan Drexelius als Bellebaum traf die Gruppe „Am kleinen Graben“. Er erzählte vom Kaffee rösten und wie der Muckefuck entstanden ist. Das große Finale gab es in diesem Jahr am Rathausplatz. Zunächst ging es um die Explosion des Munitionslagers nach dem Zweiten Weltkrieg, bevor Martin Vollmert, begleitet von den Attendorner Schützen, auf dem Rathausbalkon die Neuigkeiten aus der Stadt verkündete. Doch dann brach ein Feuer aus und die Wehr rückte mit dem Handpumpenwagen an. Da waren auch die Teilnehmer gefragt und mussten in Windeseile eine Menschenkette für das Löschwasser bilden. Nachdem das Feuer gelöscht war, endete die Stadtführung mit viel Applaus und Begeisterung.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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