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Attendorn, Attendorn, 26. März 2016

1500 Menschen nehmen am Brauch teil

Semmel. Segnung. Spektakel.

Semmel. Segnung. Spektakel.
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Kurz vor 14 Uhr. Karsamstag in Attendorn. Die Klapsteren anstelle der Glocken sind zu hören. Damit ziehen die Kinder um die Kirche. Der Turmbläser – in diesem Jahr zum ersten Mal Felix Heinze – schmettert aus dem Turm des Sauerländer Doms.

Unzählige Menschen haben jetzt nur ein Ziel. Den Platz hinter dem Sauerländer Dom. Im Gepäck: Ihren Ostersemmel, mal klein, in Form von Brötchen, mal riesig, gleich für die ganze Familie. Rund 15.000 Stück und vielleicht auch mehr, denn genaue Zahlen gibt es nicht, sind in den vergangenen Wochen in den Attendorner Backstuben gebacken worden.

Die Menschen kommen aus allen Himmelsrichtungen und aus allen Ecken der Erde, denn zum Semmelsegnen, da ist der Ur-Attendorner in der Heimat. Ostern ohne den Ostersemmel? Undenkbar. Lässt man den Blick über den Platz schweifen, so hat man das Gefühl, es werden jedes Jahr mehr Menschen, die den Weg hierher finden. Die letzten stehen in den Seitengassen und hören die Worte, die Pastor Neuser an die Gläubigen richtet, nur über Mikrofon. Sehen können sie ihn nicht mehr. Trotz erhöhtem Podest ist er nur ein Punkt in der Menge. Doch Pastor Neuser freut sich. Für ihn ein phänomenaler Anblick. Die Menschenmasse, die sich diese magischen Minuten der Segnung nicht entgehen lässt.
Pastor Neuser bedankt sich bei allen Porten für die Vorbereitungen auf das Osterfest. Ein besonderer Dank geht auch an die Konditoren und Bäcker, die die Ostersemmel gebacken haben und an die Metzger, die für den passenden Knochenschinken sorgen. „Ohne sie würde es so ein einmaliges Ostern in Attendorn nicht geben.“ Aber Pastor Neuser macht auch den Sinn des Osterfestes mit einer kleinen Geschichte deutlich. Alle hören gebannt zu. „Glauben lebt nicht nur vom dabeistehen, sondern vom mitmachen“, gibt er den Menschen noch mit auf den Weg. Auffällige Form Rund 1500 Menschen heben zur Segnung den Semmel in die Luft und stimmen beim „Lobet den Herrn“ kräftig mit ein. Nun mit der Segnung ist die Fastenzeit endgültig vorbei. Jetzt schmeckt der Attendorner Ostersemmel besonders gut. Hergestellt wird er aus einem Roggenmischbrotteig und mit gutem Kümmel durchsetzt. So entsteht der einzigartige Geschmack eines Kümmelbrots, das einfach zu jedem Osterfest dazugehört. Besonders auffällig ist die Form des Ostersemmels. Die Ostersemmel haben an beiden Enden je einen Einschnitt aus denen beim Backen die zwei Hörner entstehen. Diese Form soll an die Schwanzflosse eines Fisches erinnern. Nochmals wird gesungen, dann ist die Segnung vorbei. Viele bleiben noch für einen Plausch auf dem Platz hinter der Kirche stehen. Immerhin trifft man heute oftmals auch die, die man lange nicht mehr gesehen hat. Dann geht es nach Hause. Nächster Termin rund drei Stunden später: Kreuze vermessen um halb sechs.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

Bildergalerie: Semmel. Segnung. Spektakel.