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Attendorn, Attendorn, 10. Mai 2015

"Webkaufhaus" mit Lieferservice

Schneller als Amazon

Atalanda-Geschäftsführer Roman Heimbold (vorne, Mitte) stellte das Konzept im Rathaus vor.
Atalanda-Geschäftsführer Roman Heimbold (vorne, Mitte) stellte das Konzept im Rathaus vor.
Foto: Prillwitz
Die Attendorner Einzelhändler sagen Amazon und Co. den Kampf an: Mit der Gründung eines gemeinsamen „Webkaufhauses“ soll bis Herbst eine lokale Alternative zu den Online-Versandhändlern entstehen – mit dem Heimvorteil als entscheidendem Faktor.

65 Einzelhändler aus 50 Geschäften sind es, die am Mittwochabend den Weg ins Rathaus gefunden haben. Hier stellt Roman Heimbold, Geschäftsführer der Atalanda GmbH, das Konzept für das „Webkaufhaus“ vor, das aus vier Säulen besteht: Online-Schaufenster, Online-Marktplatz, „Same-Day-Delivery“ und Coaching. Das heißt: Örtliche Einzelhändler präsentieren sich im Internet und bieten das Einkaufen per Mausklick an. Noch am gleichen Tag wird die bestellte Ware auf Wunsch an den Kunden ausgeliefert. Und das alles unter Mithilfe von Online-Experten.
Unter anderem in Salzburg, Hamburg und Wuppertal hat der digitale Dienstleister Atalanda damit bereits Erfolg gehabt, nun soll Attendorn folgen. Heimbold sieht „gute Chancen“ für die Hansestadt, spricht von einem Transformationsprozess. „Es geht daraum, das Verkaufs- und Einkaufsverhalten zu verändern. Das braucht Energie und Zeit“, sagt er und fordert Eigeninitiative der Einzelhändler. Binnen zwei bis drei Jahren sollen sich positive Effekte bemerkbar machen."Reaktion auf verändertes Kundenverhalten"Kristin Meyer vom Stadtteilmanagement bezeichnet das „Webkaufhaus“ als „Reaktion auf das veränderte Kundenverhalten“ im Zeitalter des Internets – und als notwendige Erweiterung des Einkaufs- und Service-Angebots der örtlichen Händler. „Die direkte Verfügbarkeit von Waren in den Geschäften ist eine lokale Stärke. Mit dem neuen Modell können Kunden diese rund um die Uhr einsehen und auf Wunsch online bestellen. Das Klick-Geschäft bleibt damit aber in Attendorn“, erklärt Meyer.


Der besondere Clou des „Webkaufhauses“ ist der Lieferservice: Wer im Internet bis 17 Uhr bestellt, erhält die Ware noch am gleichen Tag. Bis 21 Uhr sollen lokale Kurierunternehmen die Bestellung ausliefern. Kosten: 5,95 Euro. „Damit sind wir schneller als andere Anbieter“, betont Meyer. Der Lieferservice beschränkt sich zunächst auf Kunden innerhalb des Stadtgebiets.

Einzelhändler, die sich an der Online-Plattform beteiligen, zahlen monatlich 20 Euro an Atalanda. Von jedem über das Portal verkaufen Artikel fließen außerdem acht Prozent des Nettowarenwerts an den digitalen Dienstleister. Im Preis inklusive sind Schulungen und die Betreuung durch Internetexperten mit dem Ziel, dass Einzelhändler das Portal zukünftig selbstständig betreiben können.Hoffnung auf neue SynergieeffekteChristian Springob ist zuversichtlich, dass sich die Gebühren auszahlen werden. „Das ist ein tolles Sprungbrett, um die Gesamtentwicklung des Einzelhandels voranzutreiben“, sagt der 1. Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Kämmerer Klaus Hesener spricht von einem „neuen Impuls, um Geschäfte und das Einkaufen vor Ort wieder neu für sich zu entdecken“. Das „Webkaufhaus“ solle perspektivisch auch Dienstleister und Gastronomen einbinden und so „neue Synergieeffekte“ schaffen.

Die Einzelhändler, die am Mittwoch an der Kick-off-Veranstaltung teilnehmen, zeigen sich von dem Vorhaben begeistert. Rund vier Wochen haben sie nun Bedenkzeit, ob sie sich verbindlich an dem Projekt beteiligen wollen. Am 1. Oktober soll das „Webkaufhaus“ an den Start gehen.
IHK Siegen unterstützt "Webkaufhaus"
Die Industrie- und Handelskammer Siegen unterstützt das Vorhaben ebenfalls. „Der Einzelhandel hat auch die Funktion, für die Attraktivität der Innenstadt zu sorgen. Das Einkaufsverhalten hat sich durch das Internet verändert, also muss eine neue Nähe geschaffen werden zwischen Händlern und Bürgern“, erklärt Rudolph König gen. Kersting. Die IHK sehe Projekte wie das „Webkaufhaus“ auch mit Blick auf den Fachkräftemangel als wichtigen und zeitgemäßen Schritt: „Wir haben eine hochleistungsfähige Industrie in Attendorn. Was nutzt die uns aber, wenn die Standortqualität und –attraktivität für Familien nicht gegeben ist?“

Ein Artikel von Sven Prillwitz

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