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Attendorn, Attendorn-Lichtringhausen, 25. August 2015

Asylunterkunft in Grundschule: Stadt klärt Bürger über Hintergründe und Konzept auf

Notlösung nach nur zweiwöchiger Vorbereitungszeit

Gut besucht war die Einwohnerversammlung in Lichtringhausen.
Gut besucht war die Einwohnerversammlung in Lichtringhausen.
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Um alle Attendorn zugewiesenen Asylbewerber unterbringen zu können, nutzt die Hansestadt Attendorn ab dem 1. September auch die ehemalige Grundschule Lichtringhausen (LokalPLus berichtete). Wie genau das aussehen soll und warum die Entscheidung auf diese Immobilie gefallen ist, haben Bürgermeister Christian Pospischil, Christiane Plugge vom Sozialamt und Klaus Hesener als Dezernent für Soziales und Schule am Dienstagabend in einer kurzfristig einberufenen und gut besuchten Bürgerversammlung erklärt.

„Mit so einem Ansturm hatten wir nicht gerechnet“, sagte Pospischil im Gasthof Kramer. Immer mehr Menschen strömten in den Saal, der schließlich noch erweitert werden musste. Die geplante Präsentation seitens der Stadt fiel daher aus. „Die Zahl der Asylbewerber ist sprunghaft angestiegen. Wir werden wohl Ende August über 200 Menschen haben, die wir alle unterbringen müssen, “ so Pospischil. Der bestehende Wohnraum sei ausgeschöpft, die Hansestadt müsse kurzfristig neue Unterkünfte akquirieren.

„Wir haben heute maximal einen Vorlauf von zwei Tagen“, beschrieb Christiane Plugge die Situation der Stadt. „Vorher hatten wir rund zwei Wochen Zeit, geeignete Vorbereitungen zu treffen.“ Jetzt sei man „randvoll“ - und daher benötige man die Schule als Quartier. Menschen aus 31 Nationen seien als Asylbewerber in Attendorn derzeit untergebracht. „Dabei muss man besonders darauf achten, nicht verfeindete Religion und Nationen in einer Unterkunft unterzubringen, was zwangsläufig zu Spannungen führt“, so Plugge.
Klaus Hesener, Christian Pospischil und Christiane Plugge (v.l.) standen Rede und Antwort.
Die genaue Zahl der Menschen, die in Lichtringhausen untergebracht werden, konnte Christiane Plugge nicht nennen: „Wir planen hier eine Belegung mit Familien und gehen von rund 40 Personen aus. Wir haben bei der Bezirksregierung erwirkt, dass wir hauptsächlich Familien zugewiesen bekommen.“ Alleinstehende Männer aus dem Balkan sollen nach Angaben von Bürgermeister Pospischil „hauptsächlich in Attendorn selber untergebracht werden".
Die Klassenräume der Grundschule sollen zu Schlaf- und Wohnzimmern mit abgeschlossenen Bereichen umfunktioniert werden. Im Untergeschoss soll es einen Gemeinschaftsraum, eine Küche und einen Waschraum geben. Hinzu kommt ein Bereich für die Kinder. Die Toiletten der Pausenhalle und die Duschen in der benachbarten Turnhalle sollen den sanitären Bereich abdecken.

„Allerdings“, so Christiane Plugge, „werden wir Duschzeiten für die Asylbewerber einrichten, die nicht mit der Belegung der Turnhalle durch Vereine kollidiert.“ Einen eigenen Wachdienst werde es nicht geben. Sollten Probleme auftreten, seien das Sozialamt oder im Ernstfall die Polizei Ansprechpartner für die Bevölkerung. Die Kinder sollen auf die örtlichen Schulen verteilt werden.
Wie lange die Asylbewerber in Lichtringhausen bleiben, dazu konnten die Vertreter der Stadt keine Angaben machen. „Wir brauchen erst einmal für die Menschen ein Dach über den Kopf. Wir sind in Verhandlungen mit der Wohnungsbaugenossenschaft, und auch zwei weitere Objekte sind in Planung, aber so schnell noch nicht bezugsfertig“, teilten die Vertreter der Stadt mit. Appell an Hilfsbereitschaft Auf die Nachfrage, warum die Asylbewerber nicht in das leerstehende Landhotel Struck einquartiert würden, antwortete der Bürgermeister, dass das Haus in Privatbesitz sei.
Pospischil und Co. Versammlung um an das ehrenamtliche Engagement der Lichtringhauser zu appellieren. „Bringen Sie sich mit Patenschaftsmodellen ein. Hier ist das Ehrenamt gefragt. Helfen sie den Menschen sich hier einzuleben. Das kann gelingen, wenn man bereit ist, sich einbringt und öffnet für Neues“, so Pospischil.

Wie gut das funktionieren kann, stellte Peter Mussler aus Niederhelden kurz vor. Er und seine Mitstreiter unterstützen in Patenschaft Familien im Röllecken und Mecklinghausen. „Das sind nicht nur Flüchtlinge, sondern es sind Menschen, die zu uns kommen. Menschen in großer Not.“

Klaus Hesener erklärte zum Ende der Versammlung. „Wir hier sind das letzte Glied in der Kette und müssen ihnen als Bürger das vermitteln. Aber auch wir als Stadt halten diesen Zustand auf Dauer nicht durch, doch wir versuchen zurzeit das Beste zu machen und Lösungen zu finden. Doch langfristig brauchen wir von der Spitze der Politik Entlastung“, nahm der Kämmerer die Bundespolitik in die Pflicht.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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