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Attendorn, Attendorn, 1. November 2015

Des Königs neue Kleider: Ausstellung im Südsauerlandmuseum

Neue alte Kleider

Neue alte Kleider
Fotos: Barbara Sander-Graetz
„Des Königs neue Kleider – Mode am Hofe Konrad I.“ heißt die Ausstellung, die am Sonntag, 1. November, im Südsauerlandmuseum eröffnet wurde. Sie ist noch bis zum 9. Januar 2016 zu sehen.

Die Wanderausstellung ist das Projekt der Maß-Schneider-Innung Nordhessen anlässlich der 1.100-Jahr-Feier der Stadt Kassel. Fünf Schneiderinnen haben einen aus kostümkundlicher Sicht lebendigen Eindruck des Lebens gestaltet, wie es sich im Jahre 913, dem ersten Regierungsjahr des jungen Königs, dargestellt haben könnte.
Landrat Frank Beckehoff begrüßte neben zahlreichen Gästen bei der Eröffnung auch mit Ingeborg Bechstedt, Elke Mittendorf und Angelika Barba, drei der Schneiderinnen, die letztlich 400 Meter Stoff in historische Gewänder umgewandelt haben. „Es gab wenige Vorlagen“ „Bevor die Damen der Maßschneider Innung mit den Näharbeiten beginnen konnten, mussten sich zunächst in die Köstumkunde des Frühmittelalters einarbeiten“, wies Beckehoff auf die Problematik der Schneiderinnen hin. „Das erwies sich als äußerst schwierig“, erklärte Ingeborg Bechstedt, stellvertretende Obermeisterin der Maßschneider-Innung. „Es gab wenige Vorlagen.“

Schließlich dienten zeitgenössische Buchmalereien als Vorlage für die Schnittentwürfe. Die passenden Wollstoffe bekam man von einem speziellen Vertrieb in Witten, der auch das reine Leinen führte, das nach alten Mustern in Fasern gewebt und gefärbt wurde. Viel Handarbeit Dann waren die Schneiderinnen gefragt. In überwiegender Handarbeit entstanden die Kostüme. Nur die Schließnähte wurden mit der Maschine gefertigt. Dazu kamen die Stickereien und Applikationen. Selbst die Socken, Schuhe und Unterwäsche wurde von Hand gefertigt.

Museumsleiterin Monika Löcken ging in ihren Ausführungen auf Kleidung und deren Stellwert als Ausdruck des sozialen Standes ein. „Im Laufe des 13. Jahrhunderts kam es zur Verarmung adeliger Familien und dem erstarken einer städtischen und bäuerlichen Oberschicht. Während die Barone in Lumpen gingen, schmückte sich diese Oberschicht mit prachtvollen Gewändern. Das konnte der Adel natürlich nicht dulden und es kam zur Abfassung von Kleiderordnungen, Zwischen 1244 und 1816 sind im Reichsgebiet 1350 Kleiderordnungen nachgewiesen.“ Anspruch auf Authentizität Ingeborg Bechstedt gab in ihren Ausführungen einen Einblick in das Leben des Königs Konrad I, der ein fränkischer Reisekönig war. Er hatte keinen festen Regierungssitz, sondern zog von Pfalz zu Pfalz und von Region zu Region, um seinen Regierungsgeschäften nachzugehen. Seine Familie, seine Vertrauten und seine Wehrhaften sowie die Geistlichen zogen mit ihm. Selbstverständlich war auch das Gesinde in diesem Zug integriert. Aus diesem Grund hat sich die Innung für die Darstellung eines kleinen repräsentativen Personenkreises aus dem Königshof entschieden. „Zwar konnten aus historischer Sicht nicht alle handwerklichen Details zweifellos erklärt werden, da es aus dieser Zeit sehr wenige intakte Kleidung gibt. Dennoch wurde versucht, trotz der Verwendung moderner Stoffe dem Anspruch auf Authentizität gerecht zu werden, indem die Gewandungen mehr oder weniger ausschließlich in Handarbeit hergestellt.“ Bei der Eröffnung bekam Landrat Beckehoff schließlich noch einen Eindruck, wie es sich anfühlte, im Mittelalter einen Umhang mit Kapuze, der bei einem Nachlager auch als Decke diente, zu tragen. Im gut geheizten Südsauerlandmuseum war der wärmende Aspekt weniger gefragt, doch einen gewissen Tragekomfort konnte auch Frank Beckehoff bestätigen.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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