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Attendorn, Attendorn, 12. Juli 2015

Tanzcafé im Tagwerk feiert erfolgreiche Premiere / Für Demenzkranke und Angehörige

Musik und Melodien von einst verbinden

Tanzcafé feiert erfolgreiche Premiere
Fotos: Barbara Sander-Graetz
„Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein.“ Aus dem Lautsprecher klingt Conny Froboess mit Musik von damals. Um den Tisch im Caritas-Tagwerk in Attendorn sitzen fünf Paare und zwei Frauen. Sie unterhalten sich, freuen sich über die Musik. Wippen mit den Füßen, summen auch schon mal mit. Es sind die Lieder aus ihrer Zeit, die heute hier gespielt werden bei der Premiere des Tanzcafés. Aus der Zeit, als sie noch Paare waren, wie viele andere auch. Heute ist es anders. Einer der Partner hat Demenz.

Im Leben ist nichts mehr wie es war und oft ist das Leben jetzt anstrengender. Namen und Gesichter sind vergessen, Alltäglichkeiten oftmals schon lange. Doch Musik und Melodien, die sind irgendwie hängen geblieben. „Musik ist in vielen Gehirnbereichen gespeichert und bleibt daher auch oft lange in Erinnerung“, weiß Marion Schultz, Altenpflegerin mit gerontopsychiatrischer Ausbildung im Caritas-Zentrum Attendorn.

Im Rahmen ihres Projektes „Ambulantes Angebot für Angehörige im Umgang mit Menschen mit Demenz“ hat sie im vergangenen Jahr eine angeleitete Gruppe für Angehörige ins Leben gerufen, die einen an Demenz erkrankten Menschen begleiten. Die Resonanz war groß. Viele Angehörige sind froh über den geschützten Raum, in dem sie sich austauschen können mit Menschen, die ebenfalls betroffen sind. „Da muss man nicht immer alles erklären“, weiß eine Ehefrau, „denen geht es oft genauso wie mir. Die verstehen mich.“ „Die lockere Atmosphäre tut allen gut" Dieses Angebot will Marion Schultz nun erweitern und hat zum ersten Mal zu einem Tanzcafé geladen - inklusive Partner. „Wir haben im Haus Mutter Anna damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die lockere Atmosphäre tut allen gut und lässt auch wieder Fröhlichkeit ins Leben kommen“, so die Fachfrau. Auch hier gibt ihr der Erfolg Recht. Ein Dutzend Teilnehmer seien für das erste Mal eine hervorragende Resonanz.

Um sich ein wenig kennenzulernen, gibt es zunächst eine lockere Runde. Wer möchte, kann ein Bier oder Radler trinken, und dann geht es auf die Tanzfläche. Wer Demenz hat, ist hier nun nicht mehr zu unterscheiden. Auf der Tanzfläche sind es nur Menschen, die sich zu zweit im Tanzschritt bewegen, die sich zu dritt oder viert an den Händen fassen, schunkeln, tanzen und einfach Spaß haben. Erster gemeinsamer Tanz seit 34 Jahren Manche wissen nicht mehr den Namen ihres Tanzpartners, können aber noch einzelne Zeilen aus den Klassikern von damals mitsingen. „Rote Lippen soll man küssen, denn zum Küssen sind sie da…“ Ein stark demenziell veränderter Mann, der 34 Jahre lang nicht mehr mit seiner Frau getanzt hat und auch erst gar nicht teilnehmen wollte, steht plötzlich auf und fordert seine Frau zum Tanzen auf. Sie kann es im ersten Moment gar nicht glauben und strahlt über das ganze Gesicht.

Für kurze Zeit ist die Demenz heute nicht mehr so wichtig. Heute durften alle dem Alltag entfliehen, der manchmal so fremd und so beschwerlich geworden ist. „Es geht darum, sich in der Musik wiederzufinden, die man vielleicht mit dem Partner oder dem Leben verbindet. Dazu kommt, dass die Bewegung gut tut und sie glücklich macht“, freut sich Marion Schultz über den Erfolg ihrer Premiere.
Zwei feste Veranstaltungen im „Tagwerk"
Das Tanzcafé wird ab sofort an jedem ersten Dienstag im Monat von 15 bis 17 Uhr angeboten.
Der Angehörigenabend findet am letzten Dienstag des Monats von 17 bis 18.30 Uhr statt.

Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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