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Attendorn, Attendorn, 17. Januar 2016

„Lohnenswert in Attendorn zu leben“

Bürgermeister Christian Pospischil
Bürgermeister Christian Pospischil
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Deutliche Worte fand Landrat Frank Beckehoff beim vierten Neujahrsempfang am Freitagabend, 15. Januar, im Attendorner Rathaus. Der DRK Ortsverband und die Stadt Attendorn hatten geladen und freuten sich über einen gut gefüllten Ratssaal. Vertreter aus Wirtschaft und Politik, sowie aus Vereinen und Institutionen nutzen diese Plattform, um ins Gespräch zu kommen.

Doch zunächst begrüßte Martin Diller, Vorsitzender der DRK Ortsgruppe Attendorn, die Gäste und dankte den vielen Helfern für ihren Einsatz im vergangenen Jahr. „Rund 70 Veranstaltungen haben stattgefunden, die von uns begleitet wurden. Dazu kamen die Flüchtlinge und ihre Betreuung.“ „Noch nicht dagewesene logistische Leistung“ Das Thema Flüchtlinge nahm auch gleich Frank Beckehoff auf, der als Präsident des DRK Kreisverbandes Stellung bezog. Man habe ein ereignisreiches Jahr mit „Flüchtlingsströmen historischen Ausmaßes hinter sich, den wir im Kreis Olpe mit aufgefangen haben.“ 2995 Hilfssuchende sind zurzeit im Kreis Olpe gemeldet. „Dabei sind die drei Notunterkünfte noch nicht einmal komplett belegt.“ Der finanzielle Aufwand für Unterbringung und Versorgung schlage allein mit 400.000 Euro jeden Monat zu Buche. „Das erfordert eine so noch nicht dagewesene logistische Leistung von Haupt- und Ehrenamt.“
DRK-Vorsitzender Martin Diller
Die einzelnen Notunterkünfte werden jeweils durch 15 hauptberufliche DRKler und zahlreiche Ehrenamtler betreut. Aber Deutschland könne den Flüchtlingsstrom nicht alleine bewältigen. „Es braucht ein gesamteuropäisches Konzept. Wegducken und Abspringen anderer Länder zeigt, eine solidarische Gemeinschaft ist in weiter Ferne.“ Die Obergrenze bei der Aufnahme, die Attendorn gesetzt habe, mache die Überforderung der Kommunen deutlich und „findet mein Zustimmung.“ „Keine kommunale Aufgabe“ Ein solches Übermaß berge die Gefahr der Bildung und Festigung von Parallelgesellschaften. Er forderte die Flüchtlinge auf, auch ihren Teil zur Integration zu leisten, indem sie die Sprache erlernen und die hiesigen Werte anerkennen. „Wer das nicht will, hat dauerhaft keinen Platz in Deutschland“.
Frank Beckehoff, Martin Diller, Christian Pospischil (von links)
Aufgrund von oftmals mangelnder Qualifikation für den deutschen Arbeitsmarkt rechnet Beckehoff mit einem massiven Anstieg der finanziellen Aufwendungen für die Flüchtlinge und forderte finanzielle Mittel von Bund und Land. „Die Kommunen brachen hier eine schwarze Null, denn das ist keine kommunale Aufgabe.“ Asylsuchende als Chance Beckehoff betonte aber auch die Chancen durch die Flüchtlinge, die gerade dem demographischen Wandel entgegen wirken könnten. „Sie sind ein Potential und aus asylberechtigten Leistungsempfängern können integrierte Steuerzahler werden.“
Auch Bürgermeister Christian Pospischil stimmte Beckehoff zu, doch zuvor lobte er die vielen Einsatzkräfte. „Das war jetzt die Abteilung: Gastgeber überschütten sich gegenseitig mit Lob“, so Pospischil mit einem Augenzwinkern, „Jetzt gibt es noch eine Rückschau auf das Jahr 2015 und einen Ausblick auf 2016.“ Beim Rückblick durften natürlich auch die Flüchtlinge nicht fehlen, aber auch das Industriegebiet Fernholte/Eckenbachtal blieb nicht unerwähnt „Wir sind zuversichtlich, dass es 2017 weiter geht. Die Klage verzögert das Ganze, aber sie kann es nicht aufhalten, denn die Notwendigkeit des Industriegebietes steht außer Frage.“ „Attendorn ist sicher nicht perfekt“ Haushalt, Innenstadtentwicklungskonzept, Leader-Projekte, Breitbandverbindung, Krankenhaus, Ärzteversorgung, Feuerwehr 2020 und Aufwertung des Schwalbenohls gehörten zu den Punkten beim Ausblick auf 2016.
„Attendorn ist sicher nicht perfekt“, schloss Pospischil seine Ansprache, „aber auch ihre gewaltigen Vorzüge sind nicht zu übersehen. Attendorn ist eben dreimalig- einmalig. Es ist lohnenswert in Attendorn zu leben. Sie ist zwar sicher nicht die schönste, aber die stärkste Stadt in Südwestfalen.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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