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Attendorn, Attendorn, 24. September 2015

Bürgermeister bei Ratssitzung in Attendorn: "Nicht nur auf Kosten der Kommunen"

Kollaps eine Frage der Zeit?

130 Flüchtlinge sind zurzeit in der Rundturnhalle, hinzu kommen 13 Jugendliche im Konvikt sowie 285 Asylsuchende in den städtischen Unterkünften.
130 Flüchtlinge sind zurzeit in der Rundturnhalle, hinzu kommen 13 Jugendliche im Konvikt sowie 285 Asylsuchende in den städtischen Unterkünften.
Foto: Barbara Sander-Graetz
„Die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber hat eine unbekannte Dramatik angenommen und ist auch in Attendorn zu einer dringlichen Herausforderung geworden“, Bürgermeister Christian Pospischil nutzte die Ratssitzung am Mittwoch, 23. September, um einen Bericht über die Lage der Flüchtigen in der Hansestadt zu geben.

Der erste Mann der Stadt ließ kurz nochmals die Situation rund um die Belegung der Rundturnhalle Revue passieren und machte deutlich, dass es für die Bezirksregierung keine Alternative gegeben hätte. „Die Rundturnhalle ist nun an den Kreis abgegeben worden. Zusammen mit dem DRK Kreisverband ist er der Betreiber der Halle und damit auch für alle Fragen und Anliegen zuständig. Attendorn ist mit einer Person aus der Verwaltung im Krisenstab des Kreises vertreten und wir helfen natürlich, wo wir können.“ Grenzen erreicht Doch die Verwaltung stößt an ihre Grenzen, machte Pospischil deutlich. Daher sei ein weiterer Mitarbeiter im Sozialamt eingestellt worden und die Stelle eines weiteren Bufdies in diesem Bereich könne ebenfalls noch besetzt werden. „Viele Dinge bleiben zurzeit liegen. Das betrifft nicht nur das Sozialamt, sondern auch das Schulamt, das Meldeamt, die Pressestellen und das Gebäudeamt. Das Personal zeigt hier eine Einsatzbereitschaft weit über das normale Maß der Dinge hinaus.“

Doch auch Pospischil schlug kritische Töne an. „Wenn der Bund großzügige Einladungen ausspricht, muss er auch Verantwortung übernehmen.“ Er können zwar die Flüchtlinge verstehen, die ihre Heimat für bessere Lebensverhältnisse verlassen, aber „für Menschen aus dem Westbalkan kann es nur eine Zuwanderung in den Arbeitsmarkt und nicht in das Asylverfahren geben.“

Zurzeit sind in der Rundturnhalle 130 Flüchtlinge untergebracht. Hinzu kommen 13 Jugendliche im Konvikt sowie 285 Asylsuchende in den städtischen Unterkünften. „Anfang August hatten wir noch 167 Asylsuchende unterzubringen“, so Pospischil. Zunächst gehe man davon aus, dass man keine weiteren Flüchtlinge aus Arnsberg mehr zugewiesen bekomme, „doch das ist nicht sicher.“
Bürgermeister Christian Pospischil schlug auch kritische Töne an.
„Wir haben ein Haus in Papiermühle erworben und einen Tag später sind hier schon Asylsuchende eingezogen.“ Jetzt plant die Stadt ein weiteres Haus zu erwerben. Außerdem sollen ein kleiner Wohncontainer nach Petersburg und drei größere Container nach Ennest, Helden und an den Donnerswangen kommen. „Zusätzlich haben wir die Gymnastikhalle am Hohlen Weg und eine leere Fabrikhalle im Visier, damit wir die kommenden Monate bewältigen. Des Weiteren appellieren wir an alle, uns freie Wohnungen zur Verfügung zu stellen.“ Stadt tritt in Vorleistung Finanziell schlägt der Flüchtlingsstrom in der Stadtkasse schwer zu Buche. „Die Stadt tritt hier in Vorleistung.“ So geht man von Geld – und Sachleistungen in Höhe von 1 Millionen und bis zu drei Millionen für Unterkünfte aus.

„Eine Erstattung vom Land bekommen wir nur in Höhe von 700.000 Euro. Land und Bund stehen in der rechtlichen und moralischen in der Pflicht, den Zustrom finanziell und in geordneten Bahnen zu regeln. Der Zuzug kann auch eine Chance sein, um den demographischen Wandel abzudämmen. Aber nicht nur auf Kosten der Kommunen, denn sonst ist deren Kollaps nur eine Frage der Zeit.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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