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Attendorn, 18. November 2016

JVA Attendorn: 20 Nordafrikaner befinden sich im geschlossenen Vollzug

Integration als Herausforderung hinter Gittern

Eine Einzelzelle in der Haftanstalt der Hansestadt.
Eine Einzelzelle in der Haftanstalt der Hansestadt.
Foto: Adventskalender der JVA Attendorn
Attendorn. Das Thema Flüchtlinge und die Unterthemen kulturelle Unterschiede, Sprachbarriere und Integration spielen auch in der Justizvollzugsanstalt in Attendorn eine Rolle. Exakt 100 Personen sind derzeit im geschlossenen Vollzug. 20 davon sind Nordafrikaner.
Die Männer sind aus den sogenannten Maghreb-Staaten nach Deutschland gekommen. Darunter versteht man die drei nordafrikanischen Länder Tunesien, Algerien und Marokko. „Die Sprache ist ein großes Problem“, sagt Ulf Borrmann, Leiter der Haftanstalt.

Das Justizministerium des Landes habe aber gut reagiert und gute Rahmenbedingungen geschaffen. „Wir haben vom Land viele Mittel bekommen, die wir bisher nicht hatten. Es gibt Geld für Lehrer, Dolmetscher und Integrationsbeauftragte. Die Stellen werden dann auch besetzt“, sagt Borrmann. Häftlinge, die an Sprachkursen teilnehmen, erhalten einen Obulus. „Wir stecken viel Engagement in die Arbeit, um die Bedürfnisse der Gefangenen ernst zu nehmen, und fahren damit ganz gut.“ „Wir haben kaum noch Konflikte“ Alles im Sinne der Eingliederung. Und der Sicherheit – sowohl der Gefangenen als auch der Bediensteten. Maßnahmen, die laut Borrmann gegriffen haben. „Wir haben kaum noch Konflikte“, sagt der JVA-Leiter. Man habe sich mittlerweile auf die Nordafrikaner eingestellt. Für die Beschäftigten sei das laut Borrmann oftmals eine Herausforderung, denn die Migranten seien infolge ihrer Flucht traumatisiert und hätten sprichwörtlich nichts mehr zu verlieren. Die Bediensteten wurden außerdem entsprechend geschult, „um im Konfliktfall den passenden Schlüssel zu haben“, so Borrmann.

Diebstahl und Raub hätten die meisten der in Attendorn einsitzenden Nordafrikaner mit dem Gesetz in Konflikt gebracht. „Sie denken oft, sie wären nur eingesperrt, weil sie arm sind“, sagt Borrmann. Die Menschen sähen den ungewohnten gesellschaftlichen Reichtum und Überfluss in Deutschland, den sie aus ihrer Heimat nicht kennen, und bedienten sich einfach. Als Straftat begriffen sie das oft nicht, erzählt der JVA-Leiter. Schwierige Feststellung der Identität Ein weiteres Problem sei die Feststellung der Identität der Gefangenen aus den Maghreb-Staaten. „Anfang des Jahres werden wir auch in der Lage sein, die biometrischen Daten der Gefangenen zu erfassen und mit anderen Behörden auszutauschen und abzugleichen“, so Borrmann.

Auch in Sachen Ernährung und Religionsausübung können Häftlinge mit Migrationshintergrund Umstellungen bedeuten. So gibt es seit Jahren in der JVA Attendorn auch Sonderkost für muslimische Gefangene, und alle zwei Wochen wird mit Unterstützung von Ditib, dem bundesweiten Dachverband der türkisch-islamischen Moscheegemeinden, die Gefängniskirche zum Gebetsraum. Allerdings spiele Religiosität bei den wenigsten Häftlingen eine Rolle, sagt Borrmann.
Offener Vollzug
180 Häftlinge sitzen in der JVA Attendorn derzeit im offenen Vollzug. Das bedeutet, dass sie unter der Woche tagsüber Ausgang haben und zur Arbeit gehen. Die meisten Wochenenden verbringen sie bei ihren Familien. Das Konfliktpotential von Personen, die sich im offenen Vollzug befinden, wird als geringer eingestuft. Sie haben sich strikt an die vorgegebenen Regeln zu halten.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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