Nachrichten Dies und das
Attendorn, Attendorn, 6. Juni 2016

Betriebsversammlung bei Kemmerich / Kunden sollen weiter hinter der Firma stehen

Insolvenzverwalter kündigt größtmögliche Transparenz an

Betriebsversammlung bei Kemmerich
Symbolfoto: IHK Siegen
Die Maschinen standen am Montagnachmittag, 6. Juni, für eine Stunde still bei der Firma Kemmerich. Allerdings nicht aus Streikgründen, wie es in der Gerüchteküche der Hansestadt hieß, sondern wegen einer Betriebsversammlung: Der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Dr. Jan-Phillip Hoos, soll die Belegschaft über die aktuelle Situation und die weiteren Schritte aufgeklärt haben, hat LokalPlus aus gut unterrichteter Quelle erfahren.

Das international tätige Unternehmen hatte am Freitag, 3. Juni, in einer Pressemitteilung erklärt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt zu haben (LokalPlus berichtete). Er habe das Wochenende genutzt, um sich einen Überblick zu verschaffen und Kontakt mit den Kunden aufzunehmen, soll Hoos erklärt haben. Diese hätten ihm versichert, weiterhin volles Vertrauen in den Automobilzulieferer und Metallverarbeiter zu haben. Um das Unternehmen erfolgreich sanieren zu können, solle das Tagesgeschäft wie üblich laufen.

Außerdem habe der Rechtsanwalt der Belegschaft versichert, Kontakt mit Firmenpartnern von Kemmerich und dem Arbeitsamt aufgenommen zu haben, um die Bezahlung der Löhne im Laufe dieser Woche zu gewährleisten. Die Gehälter gehen in den kommenden drei Monaten in Form von Insolvenzgeld an die Angestellten, die am 1. Juni in einer E-Mail der Geschäftsführung über den Zahlungsverzug informiert worden waren. Weiter soll Hoos versprochen haben, regelmäßige Mitarbeiterversammlungen einberufen zu wollen, um die Belegschaft so aktuell und so transparent wie möglich auf dem Stand der Dinge zu halten. Auch eine Telefon-Hotline solle eingerichtet werden. Betriebsrat soll nichts gewusst haben Pikant: Vor knapp einer Woche – und damit noch vor der Mail der Geschäftsführung und dem Bekanntwerden des Lohnverzugs – hatte die jährliche Betriebsversammlung der Firma Kemmerich stattgefunden. Nichts habe damals auf die aktuelle Situation hingedeutet. Auch der Betriebsrat habe betont, nichts von der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gewusst zu haben, hat LokalPlus weiter erfahren. Die Stimmung innerhalb der Belegschaft gleiche derzeit einem Wechselbad der Gefühle. An einen Streik allerdings denke niemand, Protestaktionen stufe die Belegschaft derzeit als kontraproduktiv ein.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz und Sven Prillwitz

Bildergalerie: Insolvenzverwalter kündigt größtmögliche Transparenz an