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Attendorn, Attendorn, 20. November 2015

JVA: 3500 Einzelstücke stehen bei Adventsausstellung zum Verkauf

Hochmotiviert und äußerst produktiv

JVA-Ausstellung:Häftlinge stellen 3500 Einzelstücke her
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Zum 30. Mal öffnet die Justizvollzugsanstalt (JVA) Attendorn am Sonntag, 29. November, von 12 bis 17 Uhr die Tore zu ihrer Adventsausstellung. Im Angebot sind in diesem Jahr rund 3500 Einzelstücke, die von den Gefangenen im Rahmen der arbeitstherapeutischen Maßnahme gefertigt wurden.

Angeboten werden Nützliches für Garten und Fensterbank sowie Männergeschenke, vorwiegend aber stabiles Kinderspielzeug aus Massivholz, geprüft nach neuesten Richtlinien. Durchschnittlich 25 Inhaftierte im offenen und vier im geschlossenen Vollzug fertigten das gesamte Jahr über die unterschiedlichsten Artikel an. „Trotz der niedrigen Zahl der Beschäftigten, teilweise mit geringen oder gar keinen Fähigkeiten ausgestaltet, waren die Inhaftierten insgesamt produktiver als in den letzten Jahren“, zieht Ludger Schröder, Leiter der Arbeitstherapie, Resümee. „Mit einigen besonders motivierten Männern hat die Zusammenarbeit viel Freude gemacht.“ Ausstellung wird über soziale Medien beworben „Im vergangenen Jahr haben die Besucher hier Schlange gestanden wie beim Winterschlussverkauf“, scherzt Ulf Borrmann, Leiter der Justizvollzuganstalt Attendorn. Für ihn war die Ausstellung 2014 eine Premiere. „Man hat mir zwar von dem Besucherandrang erzählt, aber der Ansturm war schon beeindruckend.“ Ein Auftritt in den sozialen Netzwerken soll weitere Kunden anlocken. „Im vergangenen Jahr konnten wir unseren Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent steigern“, ergänzt Ludger Schröder. „Wir haben rund 20.000 Euro eingenommen.“ Mit dem Verkaufserlös am Sonntag wird weiteres Material und Werkzeug für das kommende Jahr angeschafft. Der Lohn für die Inhaftierten hingegen liegt weit unter dem, der in der freien Wirtschaft gezahlt wird. Das macht alle Produkte so günstig. Ziel der Arbeitstherapie ist aber ohnehin nicht der Gewinn, sondern Fähigkeiten für eine Erwerbstätigkeit nach der Entlassung zu vermitteln, zu erhalten oder zu fördern. Borrmann spricht von „Win-win-Situation“ „Ursprünglich stand bei der Arbeitstherapie Holz die tagesstrukturierende Maßnahme im Vordergrund“, erklärt Ulf Borrmann, „Jetzt, durch den großartigen Verkauf, haben wir eine ,Win-win-Situation´. Zum einen Arbeit für die Inhaftierten und damit verbunden auch die Motivation für weitere Arbeit, denn das Geschaffene findet Anerkennung. Zum anderen können wir mit dem Erlös wieder neues Material anschaffen.“
Laden zur Adventsausstelung ein: (von links) Katrin Grötschel (Blindenwerk), Ulf Borrmann (Leiter JVA), Günther Degen (Blindenwerk), Katrin Bahnen und Ludger Schröder (Arbeitstherapie).
Jedes Jahr werden auch neue Ideen umgesetzt. So sind am Sonntag erstmals ein Flaschenträger, eine Schaukelkutsche, eine Schmucktruhe und ein umbaubarer Zapfbock im Angebot. Verbessert wurden der Bauernhof, der Kaufladen, die Feuerwehrwagen, „Mensch ärgere dich nicht“ und das Puppenhochbett mit Schrank. Vom absoluten Verkaufshit, den Kinderküchen, gibt es am Sonntag 80 Stück zum Verkauf. Auch das ist eine Rekordzahl in der Geschichte der Ausstellung. Blindenwerk Westfalen Zum ersten Mal bietet auch das Blindenwerk Westfalen mit seiner Zweigstelle in Valbert einen Querschnitt seiner Produkte an. Neben Holzvasen, Weinflaschenhalter oder Karte ist auch ihr Verkaufsschlager „Der kleine Valberter“ mit im Angebot.
Ehrgeiziges Projekt für 2016
Für das kommende Jahr hat sich die Arbeitstherapie Holz ein besonderes Projekt vorgenommen. So soll nach den Originalnachbauten von Lanz Bulldog, Opel Blitz oder dem VW Sambabus im Maßstab 1:1 aus Holz ein Mercedes SL 190 aus den 1950er Jahren die Fahrzeugreihe ergänzen. (bsg)
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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