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Attendorn, Attendorn, 23. September 2015

Öffnungszeiten zum Registrieren von Helfern erweitert / Konzert in der örtlichen Pfarrkirche für die Hilfesuchenden

Flüchtlinge in Attendorn: Hilfsbereitschaft von allen Seiten

Im Pfarrzentrum Sel. Adolph Kolping, arbeiten Frauen aus der Kirchengemeinde. Im ehemaligen Kirchenraum ist jetzt eine Kleiderkammer entstanden.
Im Pfarrzentrum Sel. Adolph Kolping, arbeiten Frauen aus der Kirchengemeinde. Im ehemaligen Kirchenraum ist jetzt eine Kleiderkammer entstanden.
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Die Hilfsbereitschaft in Attendorn ist ungebrochen. Noch immer melden sich Freiwillige bei der Anlaufstelle der Hansestadt Attendorn, in der Musikschule gegenüber der Rundturnhalle.

Tamara Luke von der Stadt Attendorn zeigt sich beeindruckt: „Es haben sich schon mehr als 200 Menschen registrieren lassen“, freut sich die Ansprechpartnerin für die Stadt. „Besonders am Wochenende haben sich Ärzte mit arabischen Hintergrund gemeldet. Das ist klasse, denn das macht die Verständigung, die gerade bei medizinischen Fragen besonders wichtig ist, um vieles einfacher.“
Berfin Inal (13, r.) und ihre Freundin Dilara Yilmaz (17) tragen sich in die Helferlisten ein.
Gerade füllen Berfin Inal (13) und ihre Freundin Dilara Yilmaz (17) den Meldebogen für freiwillige Helfer aus. „Wir können dolmetschen“, erklären sie, „Wir können kurdisch und uns so besonders mit Flüchtlingen aus der Region verständigen.“

Dilara Yilmaz war schon vor Ort, als am Sonntag die ersten Flüchtlinge kamen. „Ich habe mit den Kindern gesprochen und gespielt. Das war ganz toll. Daraufhin habe ich bei meinen Freundinnen und in der Schule Werbung gemacht. Ganz viele sind gekommen und wollen jetzt auch helfen.“
Tamara Luke von der Stadt freut sich über so viele freiwillige Helfer.
Tamara Luke fügt hinzu: „Jeder, der helfen will, muss sich allerdings eigenverantwortlich um seinen Impfschutz kümmern.“

Eigentlich sollte die Registrierung der Freiwilligen schon abgeschlossen sein, doch aufgrund der großen Bereitschaft in der Bevölkerung, den Flüchtlingen helfen zu wollen, wurden die Öffnungszeiten erweitert. Die Anlaufstelle bleibt in dieser Woche daher zu folgenden Zeiten weiter geöffnet: Mittwoch, 23. September bis Freitag, 25. September, jeweils von 17 bis 19 Uhr.
Unendlich viele Kleiderspenden sind schon angekommen. Trotzdem soll nichts direkt an der Sammelstelle abgegeben werden.
Die Stadt bittet weiterhin: „Bitte verzichten Sie bei der Registrierung schon auf das Mitbringen von Sach-, Kleider- oder Essensspenden. Alles wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem DRK zentral koordiniert und kommuniziert.“

Vor Ort an der Rundturnhalle trifft LokalPlus am Dienstag, 22. September, Kreisrotkreuzleiter Winfried Erlebach. Zunächst heißt es, am Dienstag solle noch ein Bus mit 20 Flüchtlingen ankommen. Doch der wird dann wieder abgesagt. Dafür sollten am Mittwochmorgen 20 Flüchtlinge kommen, doch auch das wird am Dienstagabend gegen 19 Uhr wieder storniert. Schlechte Kommunikation „Die Kommunikation könnte auf jeden Fall besser sein“, so Erlebach. „Immerhin müssen wir Personal vorhalten, um die Flüchtlinge zu registrieren und erst zu versorgen. Man sollte bedenken, dass wird alles von ehrenamtlichen Mitarbeitern und den Mitarbeitern der Kreisgeschäftsstelle geleistet.“ Über die große Hilfsbereitschaft zeigt sich Erlebach hocherfreut. „Wir müssen nur alles richtig koordinieren und einen Dienstplan erstellen, damit jeder weiß, wann er vor Ort sein sollte.“
Gebraucht wird in erster Linie Männerkleidung in S oder M oder Schuhe in den Größen 40 bis 42.
Nebenan, im Pfarrzentrum Sel. Adolph Kolping, arbeiten derweil Frauen der Kirchengemeinde. Hier, im ehemaligen Kirchenraum, ist jetzt eine Kleiderkammer entstanden. Die Frauen sortieren die vielen Kleiderspenden. „Wir haben auch einen Teil aus Lichtringhausen bekommen“, so Mariette Keseberg. „Dort war die Resonanz auf den Spendenaufruf überwältigend.“ (LokalPlus berichtetet).

In Gruppen kommen die Flüchtlinge zu ihnen und werden mit dem nötigsten ausgestattet. „Viele haben nur noch das, was sie am Leibe haben und brauchen von Schuhen über Jacken, Hosen und Pullover einfach alles.“ Dabei zeigt sich: Besonders Männerkleidung in den Größen S und M sowie Schuhe in den Größen 40 bis 42 sind der Renner. Sauerländer Männer hingegen sind größer und leben auch auf größerem Fuß. „Allerdings haben wir noch genügend Spenden. Wenn wir etwas brauchen, melden wir uns. Spenden sollen nicht direkt zu uns gebracht werden“, bittet Mariette Keseberg. Lehrer und Schüler helfen Hilfe bekommen die Frauen auch von Kevin Risch, evangelische Religionslehrer am St.-Ursula-Gymnasium, und seinem Kurs aus der Jahrgansstufe Q1, die in der Kleiderkammer einspringen. Für das Wochenende ist eine weitere Hilfsaktion geplant.

Um den Flüchtlingen in der Notunterkunft in Attendorn schnell und unbürokratisch helfen zu können, haben sich vier Chöre und zwei Lehrerinnen der Musikschule Attendorn zusammengeschlossen und spontan ein Benefizkonzert auf die Beine gestellt. Das Konzert findet am kommenden Samstag, 26. September um 19 Uhr in der Attendorner Pfarrkirche („Sauerländer Dom") statt.

Die Besucher können sich auf ein abwechslungsreiches Programm freuen. Mit dabei sind der Frauenchor Cäcilia "Donne Cantanti" (am Klavier Florian Becker), der Männergesangverein "Cäcilia" Attendorn, der gemischte Chor Neu-Listernohl (am Klavier Thorsten Poot), das Vokalensemble "Stilmix" und zwei Lehrerinnen der Musikschule Attendorn, Marina Mitrusic (Klavier) und Ines Schmitz-Hertzberg (Klarinette).
Ein Willkommens-Schild an der Rundturnhalle in Attendorn.
Der Eintritt ist kostenlos, die Musiker hoffen auf großzügige Spenden. Die Spendengelder werden an das Deutsche Rote Kreuz übergeben.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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