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Attendorn, 29. März 2017

Helios-Klinik: Verfahren feiert Premiere

Erfolgreicher Einsatz einer „künstlichen Lunge“ (ECMO)

Das interdisziplinäre Team, bestehend aus Intensivmediziner Oberarzt Dr. med. Felix Giebel und den Thoraxchirurgen Oberarzt Dr. med. Bassam Redwan und Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Servet Bölükbas sahen ihren Patienten Gülahmad Sultanachmadov bei der Nachuntersuchung in gutem Zustand wieder – und ohne Sauerstoffgerät.
Das interdisziplinäre Team, bestehend aus Intensivmediziner Oberarzt Dr. med. Felix Giebel und den Thoraxchirurgen Oberarzt Dr. med. Bassam Redwan und Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Servet Bölükbas sahen ihren Patienten Gülahmad Sultanachmadov bei der Nachuntersuchung in gutem Zustand wieder – und ohne Sauerstoffgerät.
Foto: Helios Kliniken
Attendorn. Der innovative Einsatz einer „künstlichen Lunge“ (ECMO) mit einer sogenannten Twin-Port-Kanüle hat dem Attendorner Gülahmad Sultanachmadov geholfen, als seine Lunge operiert werden musste. Das Verfahren sei im Rahmen einer solchen Operation in dieser Form weltweit zum ersten Mal dokumentiert worden, teilt die Helios Klinik mit.

Kaum noch atmen konnte Sultanachmadov, als er sich in der Helios Klinik Attendorn bei Dr. med. Michael Arattukulam vorstellte. Seine Lunge war durch die chronische Erkrankung COPD so stark geschädigt, dass es zu einem extremen Lungenemphysem mit Ausbildung von riesigen Luftblasen („Giant bulla“) gekommen war. Bei dieser Erkrankung blähen sich die kranken Lungenbläschen auf, so dass die verbrauchte Luft nicht mehr ausgeatmet werden kann. Viele Bläschen gehen ganz zugrunde, es entstehen im Extremfall große Areale, die gar nicht mehr arbeiten und die Lunge überdehnen.

Das Atemorgan war bei Sultanachmadov schon so groß, dass das Herz und auch das Zwerchfell, der wichtigste Atemmuskel, verschoben wurden. Eine Operation war unumgänglich, der Patient wurde ans „Bergische Lungenzentrum“ des Helios Universitätsklinikums Wuppertal empfohlen. Wird ein Mensch an der Lunge operiert, muss er künstlich beatmet werden. Während der Operation arbeitet dann nur ein Lungenflügel, damit am anderen operiert werden kann. Aber was tun, wenn die Lunge selbst krank ist und daher die Beatmung über eine Seite nicht ausreicht? Innovative Kombination mit der Doppelkanüle Am Wuppertaler Lungenzentrum hat Oberarzt Dr. med. Bassam Redwan spezielle Erfahrung mit dem sogenannten ECMO-Verfahren. „Bei einer Lungenoperation bei schwer eingeschränkter Lungenfunktion des Patienten kann das Lungenersatzverfahren eingesetzt werden, um den Gasaustausch, also Sauerstoffanreicherung und CO2-Entfernung komplett oder teilweise zu ersetzen. Es ist vergleichbar mit der sogenannten Herz-Lungen-Maschine während einer Herz-Operation. Die Technik wird zwar häufig bei Neugeborenen mit noch unreifen Lungen eingesetzt, kommt aber bei Erwachsenen nur als letztes Mittel bei großen Operationen oder Patienten mit eingeschränkter Lungenfunktion zum Tragen“, erklärt die Helios Klinik.

Und weiter: „Beim ECMO-Verfahren wird das Blut normalerweise aus einer Vene entnommen und an einer anderen Körperstelle wieder zugeführt. Die Thoraxchirurgen entschieden gemeinsam mit den Intensivmedizinern im vorliegenden Fall, die ECMO mit einer Doppelkanüle zu kombinieren, die das Blut sowohl entnehmen als auch in den Körper zurückführen kann – und dafür nur eine Einstichstelle benötigt.“ 30 Prozent mehr Lungenfunktion Da bei Gülahmad Sultanachmadov die Sauerstoffaufnahme im anderen Lungenflügel noch einigermaßen funktioniert habe, musste hauptsächlich die CO2-Entfernung durch die Maschine erfolgen. Daher wagte man den Einsatz der Twin-Port-Kanüle.

„Wir haben uns für den Einsatz der neuen Kanüle entschieden, um damit den Patienten zu schonen. Und es hat geklappt“, freut sich Dr. Redwan, der seinem Patienten mit der Operation 30 Prozent mehr Lungenfunktion geschenkt hat. „Herr Sultanachmadov hat vorher jeden Tag stundenlang Sauerstoff gebraucht. Das ist jetzt nicht mehr nötig, seine Lebensqualität hat sich enorm verbessert“, so Dr. Redwan.
Für ihn und seine Kollegen sei es immer wieder eine große Herausforderung, die schonendste Kombination der OP-Technik auszuklügeln. „Wir freuen uns immer, wenn es uns gelingt, das Beste aus unseren Möglichkeiten für den Patienten herauszuholen“, so Privat-Dozent Dr. Servet Bölükbas, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Bergischen Lungenzentrum. „Wir können so unsere Expertise weiter ausbauen und damit vielen Lungenpatienten eine schonendere Operation ermöglichen.“

Das komme auch den Patienten der kooperierenden Häuser wie Attendorn zugute. „Wir arbeiten sehr eng mit den Thoraxchirurgen in Wuppertal zusammen und können somit eine umfassende Hilfe bei allen Lungenerkrankungen anbieten“, so Dr. med. Martin Vielhauer, Chefarzt der Inneren Medizin an der Helios Klinik Attendorn.
(LP)

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