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Attendorn, 15. Oktober 2016

DLRG und Sea Shepherd reinigen gemeinsam die Bigge

Acht Taucher, fünf DLRG-Mitglieder im Rettungsboot und zwölf Helfer reinigten die Bigge vom Müll der Badegäste
Acht Taucher, fünf DLRG-Mitglieder im Rettungsboot und zwölf Helfer reinigten die Bigge vom Müll der Badegäste
Foto: Ina Hoffmann
Attendorn. In jeder Badesaison verbringen zahllose Menschen die Sommertage an den Ufern der Bigge. Leider nehmen nicht alle Badegäste es so genau mit der Müllentsorgung. So sammelt sich im Laufe einer Saison jede Menge Unrat an den Ufern und auch in dem Stausee an. Um diesen zu entsorgen, wurde am Samstag, 15. Oktober, zum ersten Mal eine gemeinsame Reinigungsaktion der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und der Umweltorganisation Sea Shepherd durchgeführt.

„Das Tauchen ist meine große Leidenschaft. Deshalb engagiere ich mich auch bei Sea Shepherd, weil sie die Meere auf der Welt schützen wollen. Ich habe bei meinen zahlreichen Tauchurlauben überall auf der Welt schon so viel Müll gesehen. Die Menschen achten einfach nicht genügend auf ihre Umwelt. Wir wollen mit dieser Aktion die Menschen ein Stück weit aufmerksamer machen“, erklärt Sebastian Schneider aus Attendorn seine Motivation. Er hat den „Clean Up Day“ an der Bigge organisiert. Acht Taucher aus dem Kreis Olpe und dem Märkischen Kreis hat er für die gute Sache zusammentrommeln können. Der 35-jährige Tauchlehrer engagiert sich seit 14 Jahren beim DLRG und seit acht Jahren bei der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd. 14 Grad kaltes Wasser An der Liegewiese gegenüber des Schnütgenhofs gehen die Hobbytaucher bei 14 Grad kühlem Wasser in zwei Gruppen in die Bigge. In der sogenannten „belgischen Formation“ starten sie ihre Suche nach Müll unter der Wasseroberfläche. „Dabei taucht man in einer Formation ähnlich wie bei einem Kamm mit jeweils einem Meter Abstand“, erklärt Sebastian Schneider. Bis zu 14 Metern Tiefe untersuchen die Taucher mit ihren Taschenlampen die Umgebung und sammeln den Müll in ihren Netztaschen. Müll an der Brücke entsorgen Hobbytaucher Michael Wulf weiß aus Erfahrung, wo besonders viel Müll zu erwarten ist. „Rund um die Listertalbrücke müssen wir besonders gründlich suchen. In der Umgebung ist die Brücke bekannt dafür, dass man hier schnell seine Altlasten loswerden kann. Da wirft man mal eben etwas über das Geländer und es verschwindet sofort in den Tiefen der Bigge“, so Wulf. Er ist mit 72 Jahren der älteste und auch erfahrenste Taucher der Truppe. Schon seit 45 Jahren taucht er und hat dabei auch schon Kurioses in der Bigge gefunden: „Vor etwa 20 Jahren habe ich bei einem Tauchgang alte Waffen und Munition auf dem Grund des Sees gefunden. Natürlich habe ich das ordnungsgemäß bei der Polizei abgegeben“, erzählt Wulf. Unterstützt werden die Taucher von vier DLRG-Mitgliedern, die mit einem Boot auf Müllsuche in Ufernähe gehen- natürlich in sicherem Abstand zu den Tauchern. Sebastian Schneider koordiniert die Sammelaktion an Land, wo die Helfer die Böschungen und Uferbereiche absuchen. An diesem Tag suchen die Freiwilligen die Liegewiese am Schnütgenhof und die Waldenburger Bucht ab. „Leider können wir längst nicht alle Bereiche reinigen. Dazu sind Bigge und Lister einfach viel zu groß“, so Schneider. Zum Schutz von Mensch und Umwelt „Mit einer solchen Aktion soll zum einen natürlich die Umwelt geschützt werden. Plastik verrottet nun mal nicht und wenn die Fische kleine Stücke davon fressen, landet der Müll ja irgendwann wieder auf dem Teller eines Anglers. Und zum anderen möchten wir die Uferbereiche für die Spaziergänger, Schwimmer und Tiere sicherer machen. Niemand möchte gerne in Scherben oder ähnliches treten“, erklärt Sebastian Schneider. Grill, Wäscheständer, Elektromüll Obwohl die Bigge bereits vor Saisonstart in diesem Jahr bei einer ähnlichen Aktion gereinigt wurde, finden die Taucher und die Helfer an Land auch jetzt wieder jede Menge Hinterlassenschaften der Badegäste: Grills, Elektromüll, diverses Altmetall, ein Wäscheständer und vieles mehr wurde in der Bigge und an ihren Ufern gefunden. 21 Müllsäcke werden an diesem Tag gefüllt. „Es ist für uns immer grauenhaft zu sehen wozu wir Menschen alles in der Lage sind und unsere schöne Erde mit Füßen zu treten“, sagt der Tauchlehrer angesichts der Müllberge, die sich vor dem Einsatzfahrzeug der DLRG türmen.
21 Müllsäcke wurden mit den Hinterlassenschaften der Badegäste gefüllt
„Wir hoffen, dass wir im kommenden Jahr auch andere Ortsvereine des DLRG und noch mehr Freiwillige motivieren können, zu helfen, um noch größere Bereiche absuchen und reinigen zu können. Denn Umweltschutz geht schließlich alle etwas an“, so Sebastian Schneider.
Sea Shepherd
„Sea Shepherd“ bedeutet übersetzt „Meereshirte“. Die Umweltschutzorganisation mit Sitz im US-Bundesstaat Washington wurde im Jahr 1977 gegründet. Ziel der Organisation ist der Schutz der Meere, der Kampf gegen den Walfang und die Robbenjagd sowie Überfischung der Ozeane und die Ausbeutung von Meerestieren. Weltweit ist Sea Shepherd mit acht Schiffen auf den Meeren unterwegs und protestiert dabei sowohl friedlich für den Umweltschutz als auch bisweilen mit umstrittenen Mitteln: so haben amerikanische Mitglieder der Organisation bereits zehn Walfangschiffe versenkt- verurteilt wurden die Sea Shepherd-Anhänger dafür allerdings nicht, weil es sich um illegale Walfänger handelte. Von ihren Gegnern werden die Shepherds „Ökoterroristen“ beschimpft, von ihren Fans rund um den Globus für ihre meist provokanten Umweltschutzaktionen bejubelt.
Ein Artikel von Ina Hoffmann

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