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Attendorn, Attendorn-Petersburg, 6. Oktober 2015

Neue Unterkünfte für Flüchtlinge: 150 Zuhörer bei Bürgerversammlung

Auf Entschuldigung folgt Verständnis

Anwohner nehmen Pospischils Entschuldigung an
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Ein Wohnhaus in Papiermühle und ein Wohncontainer in Petersburg: Um die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern ging es am Dienstagabend bei der Bürgerversammlung in der evangelischen Friedenskirche in Petersburg. Attendorns Bürgermeister Christian Pospischil klärte die rund 150 Zuhörer nicht nur über den aktuellen Stand der Dinge auf, sondern entschuldigte sich im Namen der Hansestadt auch für die im Vorfeld kritisierte mangelhafte Informationspolitik der Verwaltung.

Dass auf dem Grundstück der evangelischen Kirchengemeinde in Petersburg ein Wohncontainer für Flüchtlinge aufgestellt werden soll und dafür ein Spielplatz abgebaut worden ist, war einigen Bewohnern sauer aufgestoßen. Sie waren schlichtweg nicht über die Planung benachrichtigt worden.

„Das war unsensibel von uns“, räumte Bürgermeister Christian Pospischil ein. „Wir haben am 23. September im Rat die Entscheidung getroffen, und schon einen Tag später sind die Bagger gekommen um den Spielplatz abzubauen. Da alles sehr kurzfristig war, hätten wir Sie wenigstens über die sozialen Netzwerke informieren sollen. Es tut mir leid“, so Pospischil.
Bürgermeister Christian Pospischil (rechts) und Wolfgang Dröpper erklärten das weitere Vorgehen.
Das war die Entschuldigung, die viele der 150 Anwesenden hören wollte. Allerdings machte Christian Pospischil auch klar, dass er nicht im Vorfeld, wenn Verhandlungen über Grundstücke und Unterkünfte geführt werden, die Nachbarschaft schon in de Pläne einweiht. „Das kann Unruhe und Widerstand hervorrufen. Außerdem ist diese Mehrarbeit nicht zu schaffen.“ Suche nach Wohnraum geht weiter Pospischil schilderte die Lage, in der sich die Stadt zurzeit befindet: „Wir haben im August rund 30 Asylsuchende pro Woche bekommen, die wir unterbringen mussten. Durch die Rundturnhalle als Erstaufnahme mit 200 Flüchtlingen, bekommen wir zurzeit keine Zuweisungen und können einen Moment Luft holen.“ Das werde aber nicht so bleiben; die Verwaltung versuche jetzt, neuen Wohnraum aufzutun für weitere Flüchtlinge.
Die Anwohner reagierten größtenteils mit Verständnis auf die Entscheidungen der Stadt und zeigten sich hilfsbereit.
In dieser Situation habe die Stadt auch ein Wohnhaus in Papiermühle erworben, welches direkt einen Tag später bezogen worden ist. In Petersburg dagegen wird ein Container für rund 25 Asylsuchende auf dem Platz des ehemaligen Spielplatzes neben der Friedenskirche in der kommenden Woche aufgestellt. Dafür mussten die Spielgeräte abgebaut werden. Dier Spielplatz wird direkt daneben aber wieder aufgebaut. Kirchengrundstück bis Ende 2017 gepachtet „Wir haben das Gelände bis Ende 2017 an die Stadt verpachtet“, so Wolfgang Dröpper vom Presbyterium. „Dieser kann bei Bedarf verlängert werden. Werden die Container nicht mehr gebraucht, ist die Stadt verpflichtet, alles wieder in den ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen.“

Der Drohgebärde eines Anwohners, die Stadt werde schon sehen, was passiere, wenn in diesen Container statt der erhofften Familien 20 alleinstehende Männer kommen würden, konnte der größte Teil der Versammlung nicht teilen. Auch die Sorge eines anderen Anwohners, die traumatisierten Flüchtlinge könnten mit Messern auf die Kinder losgehen, fand keinen großen Beifall. „Das kann ich nicht garantieren“, so Pospischil, „aber ich kann Ihnen auch nicht garantieren, dass nicht Ihr Nachbar mit einem Messer auf Sie los geht.“
Der Spielplatz in Petersburg wird nun zum Standort für die Wohncontainer, doch die Kletter- und Spielgeräte werden nur wenige Meter weiter aufgebaut.
Christiane Plugge vom Sozialamt beantwortete anschließend zusammen mit Bürgermeister Pospischil die vielen Fragen bezüglich ehrenamtlicher Hilfe, Sprachkursen, Versicherungen, Gesundheitsprüfung und Spenden. Vielfältige Hilfsangebote
Jan Busenius schlug vor, ein Willkommensfest zu machen, wenn die Flüchtlinge angekommen sind, und Hans-Werner Scharioth wollte einfach wissen: „Was kann ich tun?“ Dafür ist ab sofort auch Katrin Luers vom Sozialamt zuständig, die ehrenamtliches Engagement koordiniert. Klaus Rameil dankte der der Stadt für ihren Einsatz, was mit großem spontanem Applaus bedacht wurde.

Jürgen Schulte bat darum, wenn die Flüchtlinge vor Ort sind und sich eingelebt haben, nochmals ein Treffen anzusetzen, damit auch die Befürchtungen des Abends aus der Welt geschaffen werden können. Zentrale Infoveranstaltung am 22. Oktober Zunächst aber gibt es eine zentrale Veranstaltung zur Flüchtlingspolitik der Stadt am 22. Oktober in der Stadthalle. Auf Nachfrage bestätigte Bürgermister Pospischil, dass es auch Verhandlungen gibt, das Forstamt in Neu-Listernohl als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen.
Sorge um rechte Umtriebe

Ein Vorfall allerdings beunruhigte die Gemüter. Am Wochenende waren in Neu-Listernohl Plakate von rechten Gruppierungen aufgetaucht. Polizei und Staatschutz ermitteln. „Diese Gruppen versuchen dort, wo Unmut zu spüren ist, etwas daraus für ihre Sache zu machen. Lassen Sie sich nicht instrumentalisieren. Sollte sie etwas Beunruhigendes bemerken, wenden sie sich, ohne zu zögern, an die Polizei oder die Stadt, denn Altena ist nicht so weit von uns entfernt.“ (bsg)
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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