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Attendorn, 18. Oktober 2017

„Chirurg für einen Tag“

Attendorner Gymnasiasten operieren am offenen Gummibärchen

Operation an der offenen Zitrone
Fotos: Barbara Sander-Graetz
Attendorn. Im Rahmen der Projektwoche des St. Ursula Gymnasiums durften 14 Schüler der „MINT“-Klasse der Jahrgangsstufe 10 jetzt einmal „Chirurg für einen Tag“ sein. In einem Operationssaal der Helios Klinik in Attendorn erhielten sie theoretische Einblicke in die Arbeit eines Mediziners und durften auch einige Geräte testen.

Dr. med. Klaus Friedhoff, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, begrüßte die Zehntklässler und ihre Lehrerin Ingrid Sangermann im Konferenzsaal. Anhand eines Vortrags über die Operation an der Gallenblase erklärte er den Schülern den Alltag im OP und beantwortete zwischendurch immer wieder Fragen der neugierigen Zuhörer. Von denen erklärten auch einige, sich nach dem Abitur eine medizinische Karriere vorstellen zu können. 

Nach dem Vortrag durchliefen die Schüler mehrere Stationen, an denen sie die verschiedensten Aufgabenbereiche der Chirurgie hautnah erleben durften. Aufgeteilt in zwei Gruppen ging es, unter Beachtung der Sterilitätsvorschriften und nachdem alle OP-Kleidung angelegt hatten, in den Operationssaal. Hier durften die Schüler mit einem Endoskop sogenannte minimal-invasive operative Eingriffe vornehmen – und zwar an einer Zitrone, einem Gummibärchen und einem Apfel. Taktile Geschicklichkeit und Feinmotorik waren hierbei gefragt, etwa wenn es darum ging, einer Zitronenschale eine Naht zu setzen. Anfangs noch ein wenig schüchtern, war bei einigen Schülern schließlich der Ehrgeiz geweckt – und am Ende „schon ganz passable Ergebnisse zu sehen“, so die Einschätzung des Experten Dr. Friedhoff. Kooperation zwischen Gymnasium und Helios Klinik Eine zweite Gruppe unter Anleitung des leitenden chirurgischen Oberarztes Dr. Mathias Bebobru fand derweil heraus, welche Möglichkeiten Ultraschall-Untersuchungen bieten. Ein Freiwilliger bot sich an, seine Mitschüler über den Ultraschallkopf ins Innere seines Körpers blicken zu lassen. Bebobru erklärte derweil: Alle wasserhaltigen, blutreichen Organe seien für den Ultraschall gut untersuchbar. Daher sei der Darm für die Schüler ein perfektes Untersuchungsobjekt. Eine Blinddarmentzündung konnte bei dem Schüler allerdings nicht ausgemacht werden – sehr zur Erleichterung des Freiwilligen. Ziel der Aktion „Chirurg für einen Tag“: Mit dieser Kooperation zwischen Helios Klinik und St.-Ursula-Gymnasium will das Haus den Nachwuchs für ein Medizinstudium oder einen Beruf in der Medizin begeistern – und die ärztliche Versorgung mittel- und langfristig stärken. „Für junge Menschen, die darüber nachdenken, später Medizin zu studieren, ist dieser Blick hinter die Kulissen nicht nur sehr aufschlussreich, sondern zugleich sicherlich auch sehr spannend. Denn neben Grundinformationen erhalten sie hier unmittelbare Eindrücke aus dem Alltag in den Operationssälen. Wir haben jetzt schon einen Fachkräftemangel in der Medizin. Wir müssen es schaffen, die jungen Menschen für diese Berufe zu begeistern“, sagte Chefarzt Friedhoff. „Selbst wenn von den 14 jungen Leute heute vier Medizin studieren, drei in der Stadt bleiben und einer wieder hierher zurück aufs Land kommt, dann hat sich der Einsatz schon gelohnt.“
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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