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Attendorn, 16. Juni 2019

Ein ganz besonderes Ritual

Attendorner Bäumchensetzer sind wieder im Einsatz

Mit spektakulären Sprüngen werden die Bäumchen gesetzt.
Mit spektakulären Sprüngen werden die Bäumchen gesetzt.
Foto: Barbara Sander-Graetz
Attendorn/Ennest. Es ist wieder so weit. Wie in jedem Jahr im Frühling sind sie wieder unterwegs: Die bunten bemalten Autos, die sich gerade an den Wochenenden durch die Straßen in Attendorn und Umgebung schlängeln, denn es ist „Bäumchen setzen“ Zeit - und das ist gut so.

In der Zeit zwischen den Abschlussprüfungen und Zeugnisausgabe heißt es für die Abiturienten und Oberstufenschüler der beiden Attendorner Gymnasien St. Ursula und Rivius „Bäumchen setzen“. Der Tradition folgend werden ihnen in ihren Gärten kleine Bäume gepflanzt und das bestandene Abitur gefeiert. Unverkennbares Zeichen der „Bäumchen setzen“ Zeit sind die sogenannten „Gauwagen“. Diese Autos, die gerade noch einen TÜV haben, werden in wochenlanger Arbeit in eigener Initiative mit Themen, Sprüchen und Zeichnungen versehen. Dabei entstehen echte Kunstwerke. So hat der Künstler Lucas Bitter aus Fretter in diesem Jahr für seinen Vetter ein Auto mit dem Thema „Abba“ gestaltet. Auf der Motorhaube des Audis ist ein einmaliges Bild der schwedischen Kultband entstanden. Kunst pur und ein echter Hingucker. Beim Bäumchen setzen am Samstag, 15. Juni, ist das letzte Ziel des Tages der Garten von Familie Stuff in Ennest. Tochter Luisa hat Abitur gemacht. Zusammen mit Marek Müller bekommt sie im Garten ihre beiden Bäumchen gesetzt. Bis alle der rund 40 Gauwagen eingetroffen sind und einen Parkplatz gefunden haben, haben die Insassen der „Gaupolice“ eine ganz besondere Idee. Mit einer überdimensionalen Zwille schießen sie Wasserbomben auf die anderen Autos. Großes Gejohle gibt es für jeden Treffer. Bei den warmen Temperaturen eine willkommene Erfrischung. Das eigentliche Ritual findet im heimischen Garten statt und geht natürlich nicht ohne die Einheizer und Setzer, die mit Spitzhake und Bäumen ausgestattet sind. Unter lautem Grölen und Schmähgesängen der jeweils anderen Schule wird zunächst das Loch in den Rasen gehackt. Erde fliegt und Bierduschen gibt es gratis dazu.

Schließlich wird mit einem spektakulären Sprung das Bäumchen in die Erde gesetzt, mit Bier begossen und die Flasche in den Boden daneben gesteckt. Das ganze wiederholt sich viermal. Danach wird das Scheunentor für die Verpflegung geöffnet. Der Andrang ist groß. Setzen macht hungrig und durstig. Nachbarn sind gekommen um das Treiben zu bestaunen. Manche haben selber das Setzen bei ihrem eigenen Abitur erlebt, für andere ist es eine Premiere. Auf jeden Fall ist es ein einmaliges Erlebnis. Schließlich geht es weiter zum Joker, wo alle gemeinsam den Abschluss des Tages feiern, bevor es am nächsten Wochenende weiter geht zum „Bäumchen setzen“.
Ein Artikel von Barbara Sander-Graetz

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