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Attendorn, 06. November 2019

Ausgrabungen

Archäologen des LWL staunen über einmalige Funde in Neu-Listernohl

Dr. Eva Cichy (rechts) zeigt, wie die Ansiedlung ausgesehen haben könnte. Daneben Birgit Haberhauer-Kuschel und Carolin Glasbrenner, Amt für Planung und Bauordnung der Stadt Attendorn (links).
Dr. Eva Cichy (rechts) zeigt, wie die Ansiedlung ausgesehen haben könnte. Daneben Birgit Haberhauer-Kuschel und Carolin Glasbrenner, Amt für Planung und Bauordnung der Stadt Attendorn (links).
Foto: Nicole Voss
Neu-Listernohl. „Das ist ziemlich krass“, bringt Prof. Dr. Michael Baales, Leiter der Olper Außenstelle der LWL-Archäologie für Westfalen, seine Emotionen beim Ortstermin im zukünftigen Baugebiet Neu-Listernohl-Nord auf den Punkt. Dort fanden Archäologen die Grundrisse des ältesten Hauses des Sauerlandes.

„Wir haben in den letzten Jahren mehrere Ausgrabungen zu dieser Thematik durchführen können, doch haben die zumeist eher schlechten Erhaltungsbedingungen so etwas bisher nicht ermöglicht", betont Prof. Dr. Baales.

Neben der eisenzeitlichen Hofstelle fanden die Forscher auf der Ausgrabungsfläche auch Spuren einer späteren Nutzung. Aus der Neuzeit stammen die Reste von drei großen Feldbrandöfen, in denen Kalk gebrannt wurde. Der Kalkstein konnte direkt vor Ort abgebaut werden. Mit dem dort gewonnenen Kalk als Grundstoff für Kalkmörtel sind in der Umgebung vermutlich zahlreiche Gebäude errichtet worden. Sichtbar sind die Feldbrandöfen durch die kreisrunden Verfärbungen in der Erde.Archäologen hatten auf spezielle Funde spekuliertAuf den Punkt gebracht sind es Spuren eines über 2.000 Jahre alten Hofes aus der Eisenzeit. Das ergaben die Ausgrabungen durch die archäologische Fachfirma von Dr. Georg Engstein, Dortmund.

Die Archäologen hatten längst auf spezielle Funde in dem Gebiet spekuliert. „Hier war in der Eisenzeit viel los. Die Wallburgen sind ein Hinweis darauf“, untermalt Dr. Eva Cichy. Wir wissen aus unseren Erfahrungen genau wo wir den Bagger ansetzen müssen. Wir hatten nur nicht das Glück, dass Gebäudegrundrisse vorhanden sind“, erklärt Prof. Dr. Michael Baales.Bedeutendste Entdeckung ist ein Gebäudegrundriss Die bedeutenste Entdeckung ist ein Gebäudegrundriss. Klar ist auch, dass das Haus aus Holz gebaut war. Erhalten sind jedoch nur noch die Gruben der Pfosten, die sich als Bodenverfärbungen gut erkennen lassen. Zwei Reihen Pfostengruben lassen Rückschlüsse auf ein größeres Gebäude zu.

Ob es sich dabei um eine Hofanlage, oder mehrere kleine Einzelgebäude handelt, können auch Dr. Baales und Dr. Eva Cichy noch nicht mit Sicherheit sagen. Die zahlreichen Pfostenlöcher auf der mehr als einen Hektar großen Ausgrabungsfläche deuten auf Nebengebäude hin. Dabei kann es sich um Speicherbauten handeln, in denen beispielsweise Getreide gelagert wurde.Erste Hinweise auf die eisenzeitliche Besiedelung erhielten die LWL-Archäologen im Frühjahr 2019 bei Probegrabungen. Die Ausgrabungen waren notwendig geworden, da das Areal von der Stadt Attendorn großflächig überbaut werden soll und die Archäologen eine frühere Besiedelung annahmen.

„Hier in Neu-Listernohl hat uns die Geländesituation aufmerksam gemacht. Fruchtbare Böden und die Nähe eines Fließgewässers waren schon immer für Siedler attraktiv“, so Dr. Eva Cichy. Nach der mit der Stadt Attendorn vereinbarten Voruntersuchung, bei der größere Gruben mit zahlreichen großen Keramikscherben sichtbar wurden, waren großflächige Untersuchungen notwendig.

Die Stadt Attendorn hat in gewisser Weise Glück gehabt. Wären die Funde während der Erschließung/Bauphase aufgetaucht, wäre ein Baustopp unabdingbar geworden.
Ein Artikel von Nicole Voss

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