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Lokalsport, 14. September 2017

Lob für Organisatoren und Prozedere

Yacht-Club Lister richtet Landesmeisterschaft im Finn aus

Die Sieger der Regatta und nordrhein-westfälischen Landesmeister (von links) Karl-Heinz Erich, Dirk Sundermann, Klaus Reffelmann, Udo Murek und Uwe Fernholz.
Die Sieger der Regatta und nordrhein-westfälischen Landesmeister (von links) Karl-Heinz Erich, Dirk Sundermann, Klaus Reffelmann, Udo Murek und Uwe Fernholz.
Foto: privat
Attendorn. Da bei der geplanten Segel-Landesmeisterschaft an der Sorpe kein Wind wehte und kein Lauf gestartet werden konnte, sprang der Yacht-Club Lister spontan in die Bresche und bot an, die Landesmeisterschaft während der noch anstehenden und geplanten Regatta am 9. und 10. September nachzuholen. Die Formalitäten waren schnell erledigt, Vorstand und SVNRW stimmten zu. So wurde aus dem Westfalenpreis die Landesmeisterschaft mit hochkarätigem Feld. Zur Siegerehrung wurde das einfache und engagierte Prozedere ausdrücklich von den Offiziellen gelobt.

Der Wettergott war den Seglern am Samstag mit Dauerregen und unstetigem Wind zwischen 0 und 3 Beaufort nicht besonders gnädig. So kenterten auch gleich  mehrere Boote, darunter auch Martin Cordes, 2. Vorsitzender des gastgebenden YCL. Weitere Kenterungen im zweiten Lauf führten dazu, dass einige Teilnehmer für den Samstag die Segel strichen und sich in der Gastronomie bei Heißgetränken wieder aufwärmten.

Gleich im ersten Lauf kam es außerdem zu lautstark geäußerten Protesten. Einen Protest kann jeder Segler in begründeten Fällen gegen einen anderen Segler aussprechen, wenn eine Regelverletzung vorliegt. Dies wird am Ende des Wettkampftages vor dem Schiedsgericht verhandelt. In diesem Fall kam es zu einer zweistündigen Verhandlung mit dem Protestführer, drei Gegnern und drei Zeugen, die gehört wurden. Am Ende mussten sich sowohl der Protestführer als auch die Gegner mit einer Disqualifikation für den Lauf zufrieden geben.
Das Teilnehmerfeld auf dem Weg zur Leetonne. Es führt mit der Segelnummer 39 Karl-Heinz Erich. Das Boot mit der Segelnummer 909 gehört zum späteren Landesmeister Udo Murek.
Nachdem dies geklärt war, trank und aß man wieder in guter Tradition zusammen und erfreue sich an der Happy Hour, dem Freibier und den Köstlichkeiten vom Grill. Neben dem harten Wettkampf steht immer der gemeinsame Spaß im Vordergrund.

Auch für die DLRG Welschen-Ennest war der erste Wettkampftag hart. Bei strömendem Regen saßen die Wasserretter im Wesentlichen auf ihrem Boot und schauten zu. Bei den Kenterungen sicherten sie die Havaristen, durften aber nur eingreifen, wenn dies vom Segler gewünscht war, da dann für den Segler der Lauf beendet ist. Daher wird im Allgemeinen versucht, das Boot ohne fremde Hilfe aufzurichten und weiter zu segeln. Besseres Wetter am Sonntag Der Sonntag meinte es besser mit den Sportlern. Ordentlicher Wind mit Sonne und Wolken hatte den Regen verdrängt. So konnten weitere zwei Läufe gesegelt werden. Die gesamte Regatta zeichnete sich durch ein recht homogenes Leistungsniveau aus, was nach jedem Lauf zu interessanten Verschiebungen innerhalb der Platzierungen führte. Der Ausgang der Landesmeisterschaft war bis zum Ende offen. Durch einen fulminanten Sieg im letzten Lauf konnte sich so Klaus Reffelmann noch den zweiten Platz ersegeln.

Platz 1 und die Landesmeisterschaft sicherte sich schließlich Udo Murek vom Yacht-Club Bayer Leverkusen, gefolgt von Vize-Landesmeister Klaus Reffelmann vom Westfälischen Yachtclub Deleke von der Möhne und Karl-Heinz Erich vom Allgemeinen Hessischen Yachtclub (Platz 3). Da letzterer jedoch nicht für Nordrhein-Westfalen startet, wurde er innerhalb der Landesmeisterschaft nicht gewertet.

Den dritten Platz in der Landesmeisterschaft holte Uwe Fernholz vom YCL nach Hause. Dies entsprach dem fünften Platz der Gesamtwertung. Auf Platz vier rangiert ebenfalls ein Nicht-NRWler, Dirk Sundermann vom Segel-Club Dümmer aus Niedersachsen.
Die Landesmeister Klaus Reffelmann, Udo Murek und Uwe Fernholz (von links) zusammen mit Ulrich Haase vom SVNRW (ganz links).
Besondere Aufmerksamkeit sei auch noch auf den ältesten Teilnehmer, Horst Schlick, gelenkt. Dieser zeigte sich mit seinen 84 Jahren äußerst agil in seinem Boot. Zurecht zollte man ihm großen Respekt, insbesondere für Platz 14 in der Gesamtwertung von 21 Teilnehmern.

Bei dieser sehr männerlastigen Bootsklasse befand sich am Wochenende zumindest eine Frau in der Wettfahrtleitung. Isabel Niebel vom YCL stand ihre Frau zwischen 21 männlichen Teilnehmern und einem fast rein männlichen Organisatorenteam (Schiedsgericht und Wettfahrtleitung) und begleitete die Regatta auf Seiten der Offiziellen. Virtueller Verein Und eine letzte außergewöhnliche Besonderheit: Der Drittplatzierte Karl-Heinz Erich ist Mitglied in einem virtuellen Segelverein. Der Allgemeine Hessische Yachtclub existiert nur im Internet. Der Verein hat weder ein Bootshaus noch ein Heimatrevier noch Steganlagen oder ähnliches. Er gibt seinen Mitgliedern die Möglichkeit, an Regatten teilzunehmen, da man hierfür in einem Verein unter dem Dachverband des Deutschen Segler-Verbandes organisiert sein muss.

Über die Internetseite werden die Mitglieder zusammen gehalten. Entsprechend gering ist der Jahresbeitrag. Von dieser interessanten und eigenwilligen Sorte Verein gibt es deutschlandweit eine Handvoll Exemplare.
(LP)

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