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Lokalsport, 27. November 2017

Einige Spieler von 1977 treffen sich auf dem Weihnachtsmarkt

Vor 40 Jahren: Als der SSV Elspe in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals stand

Ottmar Griffel (rechts) erzielte damals in Gladenbach den Anschlusstreffer zum 1:2 - und damit den Endstand.
Ottmar Griffel (rechts) erzielte damals in Gladenbach den Anschlusstreffer zum 1:2 - und damit den Endstand.
Fotos: Hermann Niedergriese
Elspe. Das Jahr 1977 ist für die Fußballhistorie im Kreis Olpe ein ganz besonderes: Der damalige Bezirksligist SSV Elspe stand in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals – als erster Club im Kreis. Beim Weihnachtsmarkt in Elspe, der am kommenden Wochenende rund um die Schützenhalle stattfindet, kommen einige Spieler von damals nochmal zusammen und blicken nach 40 Jahren zurück – auf die Auslosung, auf das Spiel am 29. Juli 1977 und die Feier danach. In der aktuellen Ausgabe der Vereinszeitung des SSV Elspe ist dazu folgender folgender Bericht erschienen, den der Verein LokalPlus freundlicherweise für eine Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat:

„Es gibt Kapitel in der Vereinsgeschichte, die muss man immer wieder erzählen; weil sie Identität stiften, weil sie die Vereinsseele ausmachen und weil solche sportlichen Höhepunkte auch nach Jahrzehnten noch die Augen leuchten lassen. Vor 40 Jahren erreichte die Bezirksligamannschaft des SSV Elspe die erste Hauptrunde im DFB-Pokal.
„Wir waren der erste Sportverein im Kreis Olpe, der so weit gekommen ist“, sagt Willi Biermann, der damals auf der Verteidigerposition spielte. „Sensationell“, vermerkte dazu die Vereins-Chronik. Zuvor hatte der SSV Elspe den hochfavorisierten Oberligisten Sportfreunde Siegen durch ein Tor von „Pitti“ Knappstein niedergerungen. Wie das manchmal ist im Leben, kam zum Können auch ein bisschen Glück hinzu. In der letzten Runde auf Landesebene half der Mannschaft von Spielertrainer Dieter Vollmerhaus ein Freilos weiter. Im Lostopf mit dem FC Schalke Hauptrunde, da winken doch Bundesligavereine und bei einem Heimspiel satte Einnahmen. Doch statt Schalke 04 - „Wir waren unter den sechs letzten Losen im Topf mit den Schalkern“ -, wurde es… Gladbach. Nee, Bergisch-Gladbach. Auch nicht. Auslosungen wurden in den 70er-Jahren noch nicht als Show im Fernsehen übertragen und Kommunikationswege wie WhatsApp, SMS oder Twitter waren noch nicht erfunden. Unsicherheiten schlichen sich in die vereinsinterne Telefonkette ein, sodass Willi Biermann schließlich beim „Kicker“ anrief: „Dort bestätigte man mir: Es ist der SC Gladenbach.“
1300 Zuschauer verfolgten das Hauptrundenduell zwischen dem Landes- und dem Bezirksligisten.
Bundestrainer Helmut Schön hatte statt des erhofften Bundesligisten eine Mannschaft aus der Hessenliga zugelost. Ein höherklassiger Gegner aus der Landesliga zwar, aber „wir waren schon ein wenig enttäuscht, kein lukrativeres Los gezogen zu haben“, sagt Clemens „Pelé“ Berghoff, damals Mannschaftskapitän, und in der Saison zuvor Torschützenkönig der Elsper mit 28 Treffern.
Die beiden alten Helden des SSV sind sich in einem Punkt aber einig. So ein steiniger Weg mit 128 Mannschaften auf Kreis- und Landesebene (heute 64)  ist für Amateurmannschaften nicht mehr machbar.  „Heute schaffst Du das nicht mehr“, meint Clemens Berghoff. Es reicht nur zum Anschlusstreffer durch Ottmar Griffel Die nachfolgenden Vorbereitungen auf das Spiel am 30. Juli 1977 waren sehr sorgfältig. Eine Woche zuvor besuchte Willi Biermann mit seiner Frau Christa den Austragungsort Gladenbach und reservierte für das gemeinsame Mittagessen ein Restaurant. Am Spieltag rückte die Mannschaft um 9 Uhr vom Vereinslokal Haus Hester ab, von den Tageszeitungen fuhren die Reporter Gisbert Baltes und Hermann Niedergriese mit.
Um 10.30 Uhr nahm Trainer Vollmerhaus die Spieler in Gladenbach mit auf einen gemeinsamen Spaziergang, um sie auf das große Ereignis einzuschwören. Vollmerhaus spielte zuvor beim Oberligisten RSV Meinerzhagen und war für Elsper Verhältnisse ein bekannter Mann. „Das war schon etwas, dass Vollmerhaus zum SSV kam“, sagt Biermann.
Und, gab es einen „Geist von Elspe“? Nun ja, er half der Mannschaft nicht. „Gladenbach war 90 Minuten besser, drückend überlegen“, erinnert sich Clemens Berghoff. Vor rund 1300 Zuschauern und gleißender Hitze unterlagen die Elsper 1:2. Wolfgang Eberts im Tor war bester Spieler des SSV, der junge Ottmar Griffel erzielte kurz vor dem Abpfiff den Anschlusstreffer. „Das Tor kam viel zu spät, das Thema war schon erledigt“, sagt Berghoff. 

Was folgte, war eine überragende 3. Halbzeit im Vereinslokal Hester, Spieler und Betreuer gaben bis in die frühen Morgenstunden noch einmal alles. „Wir haben ausgiebig mit Treßchen und Hermann gefeiert“, erinnert sich Clemens Berghoff, „trotz der Niederlage - es war ein einmaliges Erlebnis.“
Der Mannschaftskader:
Wolfgang Eberts, Dieter Trudewind (Tor), Willi Biermann, Georg Meser (verst.), Klaus-Dieter Klein, Christoph „Tito“ Steinhoff, Spielführer Clemens Berghoff, Hermann Schmidt, Siegfried „Pitti“ Knappstein, Reinhard Alberti, Peter Schrichten, Ottmar Griffel, Reinhold Mester, Willi Schulte, Spielertrainer Dieter Vollmerhaus, Betreuer Gerd Hochstein, Masseur Dietmar Müller.
(LP)

Bildergalerie: Vor 40 Jahren: Als der SSV Elspe in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals stand