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Lokalsport, 08. November 2017

Nachgefragt: Nach der Generalabsage des Kreisliga-Spielbetriebs in Arnsberg

Fußballkreis Olpe: „Heile Welt“ mit mehr ruppigen Tönen

Fußballkreis Olpe: „Heile Welt“ mit mehr ruppigen Tönen
Symbolfoto: Sven Prillwitz
Kreis Olpe. Der Fußballkreis Arnsberg hat für den kommenden Sonntag, 12. November, den gesamten Spielbetrieb in den Kreisligen eingestellt. Damit reagiert der Verband nach eigenen Angaben auf zunehmende Pöbeleien und Beschimpfungen sowie Gewalt gegen Schiedsrichter im Allgemeinen – und im Besonderen auf die körperliche Attacke auf einen jungen Referee am vergangenen Wochenende. Im Fußballkreis Olpe dagegen scheint die Welt noch in Ordnung zu sein, obwohl Verbandsfunktionäre auch hier eine zunehmende Verrohung der Sitten feststellen.

Fälle, in denen es auf oder abseits des Platzes zu körperlicher Gewalt unter Spielern oder gegen Schiedsrichter kommt, seien hier „die absolute Ausnahme“, sagt Marco Cremer, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses. Und Andreas Hesse, als Vorsitzender der Kreisspruchkammer (KSK) für die Aufarbeitung und Sanktionierung von Vergehen zuständig, betont, dass es sich „in den meisten Fällen“ um Schubsereien handle.

Alles unerfreuliche Vorfälle, aber verglichen mit anderen Fußballkreisen sei das „hier noch ein Stück weit heile Welt“, sagt Hesse. Schiedsrichter-Chef Cremer spricht, auch mit Blick auf das „gute Verhältnis zu den Vereinen“ und die gute Qualität der Sportplätze, davon, dass „wir hier quasi im Fußballparadies sind“. Schlüter: Referees genießen hohes Ansehen Ähnlich äußert sich Joachim Schlüter. „Wir haben uns vielleicht die etwas bessere Fußballkultur auf dem Platz bewahren können“, sagt der FLVW-Kreisvorsitzende. Das zeige sich auch daran, dass Spielabbrüche eine absolute Seltenheit seien. Wichtigen Anteil daran hätten auch die Schiedsrichter, die im Kreis Olpe aufgrund ihrer Leistungen hohes Ansehen genössen.

Dennoch gehe es auf den Fußballplätzen und in den Zuschauerbereichen ruppiger zu, was den Sprachgebrauch angeht. „In den letzten ein, zwei Jahren hat sich der Sprachjargon etwas geändert, da werden mehr härtere Töne angeschlagen“, sagt Marco Cremer. Darin spiegelt sich für den Chef des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses auch die gesellschaftliche Entwicklung wider. Schiedsrichter pfeifen zum Teil mehrere Partien am Wochenende Eine Einschätzung, die sich auch bei der Kreisspruchkammer bemerkbar macht. „In den letzten Jahren hatten wir konstante Fallzahlen. In dieser Saison aber geht es leicht nach oben mit den Fällen, in denen Schiedsrichter beleidigt und angegangen werden“, sagt Andreas Hesse. Zur Besonnenheit im Umgang mit den Unparteiischen ruft Marco Cremer auf. Nicht nur aus Gründen des gegenseitigen Respekts und des Fairplay, sondern auch mit Blick auf den Schiedsrichtermangel: „Aktuell können wir alle Spiele im Kreis so gerade eben besetzen. Das gelingt uns aber auch nur, weil der eine oder andere Schiedsrichter am Wochenende mehrere Spiele pfeift.“

Joachim Schlüter findet es richtig, dass der Fußballkreis Arnsberg seinen Schiedsrichtern mit der Generalabsage für alle Kreisliga-Paarungen am Sonntag den Rücken stärkt. „Ich kann es gut verstehen und finde es wichtig, da jetzt ein deutliches Zeichen zu setzen.“ Ähnlich hatte sich FLVW-Präsident Gundolf Waschalewski zu der Absage geäußert.

Wichtig sei es aber auch, dass „man immer wieder am Thema Fairness arbeiten muss“, betonte der FLVW-Kreisvorsitzende Schlüter. Vereine, Spieler und auch Zuschauer müssten „wissen, dass wir den Fußballsport aus Freude miteinander ausüben und dass bei uns kein Platz ist für Krakeeler und für Leute, die sich mit Gewalt auf Kosten anderer ausleben wollen.“
Ein Artikel von Sven Prillwitz

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