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Kirchhundem, 20. Mai 2017

Christina Graf aus Heinsberg moderiert die zweite Bundesliga

Traumjob Sky-Moderatorin: Mit dem Fußball die Brötchen verdienen

Die Heinsbergerin Chrisitina Graf arbeitet als Sky-Moderatorin in den Fußball-Bundesliga.
Die Heinsbergerin Chrisitina Graf arbeitet als Sky-Moderatorin in den Fußball-Bundesliga.
Foto: Christine Schmidt
Heinsberg. Unter der Woche bei der Familie in Heinsberg und am Wochenende am Spielfeldrand bei den Topspielen der Bundesliga: Christina Graf arbeitet für den privaten Sender „Sky“. Fußballspieler interviewen, Taktiken der Trainer kritisch hinterfragen, Aufstiegskämpfe in der zweiten Liga kommentieren und Beiträge für den Sender drehen gehören zu ihrem Job. Ein Job, um den sie vielleicht manch einer beneidet.

Wer denkt, Fußball und Frauen passen nicht zusammen, kennt Christina Graf nicht. Die 31-Jährige war die erste Frau, die ein Spiel der zweiten Bundesliga kommentierte. Hertha BSC gegen Regensburg. Das war im Jahr 2012. Damals war sie so aufgeregt, dass sie vor lauter Nervosität die ganze Zeit mit den Beinen gewippt hat. „Dann schaute mir auch noch immer jemand über die Schulter“, erzählt die Heinsbergerin. „Das macht es nicht gerade besser.“

Heute arbeitet Graf fest für den Sender: Kommentatorin der zweiten Bundesliga, Field-Reporterin in der ersten Liga und Filmemacherin. Sie ist eine der wenigen, die so viele unterschiedliche Aufgaben abdeckt. „Eigentlich mache ich alles. Aber auch weil es einfach Bock macht.“ So wurden neben den Interviews am Spielfeldrand dann auch mal Beiträge mit Florian Niederlechner beim Segwey-Rennen und mit Thomas Eisfeld beim Lasertagduell gedreht. „Gegen Eisfeld hatte ich überhaupt keine Chance“, lacht Graf. Vorbereitung von Heinsberg aus Wo Christina Graf unter der Woche wohnt, sei quasi egal. „Ich könnte mein Büro auch in Shanghai haben", sagt sie schmunzelnd. Zu den Aufgaben neben den Bundesligaspielen gehört die Vorbereitung. Und das funktioniert sogar von Heinsberg aus. Die 31-Jährige bekommt umfangreiche Infos, Statistiken usw. zum Spieltag der einzelnen Vereine zugeschickt. Schon mal hat sie dann auch noch den jeweiligen Trainer am Telefon.

Alles baut sie mit ein, selbst aus Pressekonferenzen nimmt sie einiges mit. „Ich muss absolut save sein bei den Infos über die Mannschaft“, so die Heinsbergerin. Der theoretische Kram dauert dann meistens so zwei Tage. Den Rest der Woche bekommt sie unterschiedliche Aufträge zur Vorberichterstattung und muss viel durch Deutschland reisen. Mit der Kamera zieht sie dann los, teilweise alleine, teilweise mit einem Team, um Trainer oder Spieler beispielsweise beim Training zu interviewen.
Die Szenen schickt sie dann nach München. Mit einem Lachen erzählt Christina Graf, dass es tatsächlich mal 18 Stunden gedauert habe, von Heinsberg Videomaterial nach München zu schicken – von Köln aus nur fünf Minuten. „Sehr schnelles Internet hier“, lacht sie.

Ihre Heimatliebe und ihre Bodenständigkeit sind der 31-Jährigen anzumerken. Sie findet ihren Job längst nicht so spektakulär wie andere. „Mir geht es gar nicht darum, mich vor der Kamera zu präsentieren“, auch die Spieler kennenzulernen, findet sie nicht übermäßig spannend. „Das Wichtigste ist für mich die Nähe zum Sport. Die Nähe zum Spiel gibt mir den größten Kick“, erzählt Graf. Die Heinsbergerin spielte früher in der ersten Bundesliga der Damen, musste allerdings verletzungsbedingt mit dem Fußball aufhören – für Graf ein schwerer Schlag. Große Liebe zum FußballZum Glück verfolgte sie schon früh, parallel zum aktiven Sport, ihre beruflichen Ziele – journalistische Arbeit bei Radio und Zeitung. Irgendwann dachte sich Graf, „wenn der Fußball aus deinem Leben tritt, dann muss ich ihn eben anders einbringen.“ Gerade deshalb ist sie froh, ihre Liebe zum Fußball in dieser Form mit ihrem Leben verbinden zu können. Dass Christina Graf durch ihre sportliche Laufbahn, berufliche Vorteile hat, ist logisch. „Ich habe selber auf dem Platz gestanden, ich habe vieles auf dem Feld erlebt und glaube deshalb viele Situationen verstehen zu können“. Fachlich steht sie ihren Kollegen also in nichts nach.

Böse Zungen behaupten, Frauen haben beim Fußball nichts verloren. Christina Graf erzählt, dass sie mit diesen Klischees allerdings selten konfrontiert wird. „Mittlerweile sind wir viele Kolleginnen, die mit dem Fußball ihr Geld verdienen.“ Vor allem die Spieler treten der 31-jährigen Reporterin im Interview genauso gegenüber, wie den männlichen Kollegen.
Vor und nach den Spielen, sowie in der Halbzeit, befragt sie Trainer, Spieler oder andere Interviewpartner. Auch nach einigen Jahren Erfahrung ist Christina Graf dennoch vor manchen Zusammentreffen etwas nervös. „Die Anspannung in einem muss man haben, sonst stimmt was nicht.“ Es gebe solche und solche Tage – genauso sei es auch mit der Person gegenüber. „Zwar habe ich jetzt Routine, aber trotzdem fährt man dann manchmal nach Hause und fragt sich, was hast du denn da gemacht?“, berichtet Graf. „Aber das ist wahrscheinlich in jedem Beruf so.“

Heute ist der letzte Spieltag der Fußball-Bundesliga und Christina Graf wird zum letzten Mal am Spielfeldrand stehen – vorerst. Dann geht es während der Sommerpause erstmal in den Urlaub, um dann mit neuer Energie in die kommende Saison zu starten.
Ein Artikel von Christine Schmidt

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