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Kreis Olpe, 22. Dezember 2016

Interview: „Werkzeugmechaniker sind gefragter denn je"

Nicht nur die Firma Dömer aus Lennestadt-Langenei ist auf Werkzeugmechaniker angewiesen.
Nicht nur die Firma Dömer aus Lennestadt-Langenei ist auf Werkzeugmechaniker angewiesen.
Foto: Unternehmen
Viele Unternehmen in Südwestfalen haben momentan das Problem, ihre offenen Stellen für Werkzeugmechaniker/-innen zu besetzen – unter anderem die Dömer GmbH & Co. KG mit Sitz in Lennestadt-Langenei. Im Gespräch mit karriere-suedwestfalen.de erläutert der kaufmännische Leiter und Personalverantwortliche von Dömer, Josef Trudewind, Gründe für diese Situation und beschreibt, warum der Beruf so wichtig ist.

Herr Trudewind, Sie sind bei der Firma Dömer kaufmännischer Leiter und Personalverantwortlicher. Warum ist es momentan so schwierig, Werkzeugmechaniker auf dem Arbeitsmarkt zu finden?
Wir leben in Südwestfalen in einer starken Industrieregion. Es gibt eine Vielzahl erfolgreicher Unternehmen in verschiedenen Branchen, die für ihre Produktionsprozesse Werkzeugmechaniker benötigen. Soweit ich das beurteilen kann, ist die Auftragslage in den Unternehmen insgesamt gut. Entsprechend bestehen auch gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Arbeitslosenquote des Kreises Olpe spiegelt dieses ja wider.
...und deshalb bilden Sie vermehrt in diesem Bereich selbst aus?
Wir haben seit vielen Jahren eine hohe Ausbildungsquote. Natürlich rekrutieren wir daraus unseren Bedarf an Fachkräften. In den letzten Jahren ist es uns gelungen, die meisten Azubis anschließend in ein Beschäftigungsverhältnis zu übernehmen. Unabhängig davon haben die Unternehmen auch die gesellschaftliche Aufgabe, die jungen Menschen auszubilden.
Wie sieht das Aufgabengebiet eines Werkzeugmechanikers bzw. einer Werkzeugmechanikerin aus?
Für die Herstellung unserer Artikel setzen wir Stanz- / Umformwerkzeuge oder Stanz- / Biegewerkzeuge auf Maschinen mit einer Presskraft bis zu 1000 Tonnen ein. Auf die Werkzeuge wirken große Kräfte, was zum Verschleiß oder manchmal auch anderen Beschädigungen führt. Um die Artikel trotzdem in hoher Qualität herzustellen, müssen die verschlissenen Werkzeugteile ausgewechselt werden. Hierzu kommt das Werkzeug nach der Produktion in die Werkstatt, wird auseinandergebaut, überprüft und wieder instand gesetzt.

Aber auch die Herstellung von Neuwerkzeugen ist Aufgabe des Werkzeugmechanikers. Hierbei werden die Einzelteile eines Werkzeugs nach vorgegebenen Konstruktionszeichnungen angefertigt und anschließend zum Werkzeug zusammengebaut. Für seine Arbeit setzt der Werkzeugmechaniker verschiedene Maschinen – z.B. Dreh-, Fräs-, Erodier- oder Schleifmaschinen – ein, muss diese programmieren und bedienen können.
Also sind Werkzeugmechaniker für die Industrie sehr wichtig. Ist daher der Beruf auch zukunftssicher?
Die Werkzeugmechaniker sind auf jeden Fall wichtig. Ohne sie würde der gesamte Produktionsprozess nicht funktionieren. Werkzeugmechaniker sind fachlich sehr qualifiziert. In einer Industrieregion wir hier in Südwestfalen benötigt man Werkzeuge für die Herstellung unterschiedlichster Artikel. Ich glaube, dass sich dies nicht so schnell ändern wird und halte den Beruf des Werkzeugmechanikers deshalb auch für zukunftssicher.
Welche Inhalte werden in einer entsprechenden Ausbildung vermittelt?
Die Ausbildung der Werkzeugmechaniker ist sehr vielseitig und beruht bei uns auf drei Säulen: Der betrieblichen Ausbildung hier im Hause, der überbetrieblichen Ausbildung bei der LEWA in Attendorn sowie der Berufsschule. Die Ausbildungsinhalte folgen dem Ausbildungsrahmenplan und erstrecken sich von der Organisation und dem Aufbau des Ausbildungsbetriebes über die Planung und Steuerung von Betriebsabläufen, das Anfertigen von Werkstücken durch manuelle Bearbeitung, das Programmieren und Bedienen von numerisch gesteuerten Maschinen bis hin zum Qualitätsmanagement.
Welche Interessen sollte ein Bewerber für diese Ausbildung und insbesondere für den Berufszweig mitbringen?
Der Bewerber sollte Interesse an technischen Abläufen haben. Logisches und analytisches Denken wie es in den Schulen im Mathematik- oder Physikunterricht gefordert wird, ist eine gute Grundlage.
Kommen wir abschließend noch auf Ihr Unternehmen generell zu sprechen. Was zeichnet Dömer als attraktiven Arbeitgeber der Region aus?
Zunächst ist zu sagen, dass wir ein gesundes Unternehmen mit sicheren Arbeitsplätzen sind. Das Wachstum in unseren Marktsegmenten nutzen wir durch Konzentration auf Nischentechnologien und zukunftsweisende Technologieentwicklungen. Konstruktionsabteilung und Werkzeugbau liefern hierfür erforderliches Wissen und Flexibilität.

Wir pflegen eine offene Informationskultur und einen wertschätzenden Umgang untereinander. In die tägliche Arbeit kann sich jeder mit Ideen, Anregungen und Verbesserungen einbringen und so an der Gestaltung des Arbeitsumfeldes mitwirken. Nicht zuletzt fördern wir die berufliche Qualifikation unserer Mitarbeiter auch über die Ausbildung hinaus.
Interviews aus dem Berufsleben

Mit einer neuen Interviewreihe stellt LokalPlus ab sofort monatlich interessante Berufsbilder und spannende Ausbildungen vor. Zu Wort kommen dabei Fachkräfte, Personaler und Azubis regionaler Unternehmen, die aus ihrem Berufsalltag berichten und so einen authentischen Einblick in deren Arbeitswelt ermöglichen.

Ziel ist es, vor allem junge Menschen für eine Karriere in heimischen Unternehmen zu begeistern und so dazu beizutragen, die Lebens- und Arbeitsregion im Kreis Olpe und darüber hinaus in Südwestfalen nachhaltig interessant zu machen.
Ein Artikel von Christoph Reuber

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