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Kreis Olpe, 27. Januar 2017

Eine herausfordernde Berufsperspektive - auch für Männer: Erzieher

Erzieher Sebastian Korn und Luca aus der Wohngruppe Jonathan in Drolshagen.
Erzieher Sebastian Korn und Luca aus der Wohngruppe Jonathan in Drolshagen.
Foto: karriere-suedwestfalen.de
Die Erziehung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen war schon immer eine Frauendomäne und ist es heute – leider – immer noch. Dabei bietet der Erziehungsberuf auch für Männer ein spannendes und herausforderndes Feld, bei dem es um weit mehr geht, als nur seine Arbeit zu machen: Es ist eine Tätigkeit aus tiefer Überzeugung heraus und mit dem festen Ziel, Kinder und Jugendliche auf ihrem oft schwierigen Lebensweg zu begleiten.

„Und das ist es, was den Reiz an dieser Arbeit ausmacht. Es geht nicht nur darum, den Kindern und Jugendlichen bloß ein paar nette Stunden zu bescheren, sondern darum, mit den Kindern und Jugendlichen ihren Alltag gemeinsam zu bewältigen. Klingt im ersten Moment zwar trivial, ist aber für unsere Bewohner das Allerwichtigste, da ihnen so etwas bisher nicht möglich war. Und zu sehen, dass hierdurch die Kinder wirklich profitieren, ist einfach toll“, berichtet Sebastian Korn, der als Erzieher bei der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe mbH (GFO) angestellt ist und gemeinsam mit seinen Kolleginnen sieben Kinder und Jugendliche in der Außenwohngruppe Jonathan in Drolshagen betreut. Den Kindern ein normales familiäres Umfeld bietenDazu gehört, gemeinsam mit den jungen Bewohnern den Tagesablauf zu organisieren, zu kochen, zu spielen, den individuellen Hobbies nachzugehen oder bei den Hausaufgaben zu helfen. „Das Ziel hierbei ist, den Kindern ein normales familiäres Umfeld zu bieten, in dem individuell auf sie eingegangen wird und sie die Möglichkeit haben, ihr Leben in geregelten Verhältnissen zu führen. Das ist für die Entwicklung jedes Einzelnen ganz entscheidend. Letztlich geht es aber auch darum, die Eltern dabei zu unterstützen, die Kinder zu erziehen“.

„Denn das ist unser Auftrag“, ergänzt Reinhard Geuecke, Leiter des Josefshauses der GFO, zu dem auch die Außenwohngruppe Jonathan in Drolshagen gehört. „Rein rechtlich gesehen ist unsere Einrichtung eine Hilfe für die Eltern mit dem Ziel, Kinder und Jugendliche vielleicht irgendwann wieder in der Familie zu integrieren – Stichwort ‚Erziehungspartnerschaft’. Dabei treten wir als Dienstleister auf, beraten die Eltern und betreuen die Kinder so lange wie nötig.“ Männer sind „Mangelware“„Ein großes Problem in Bezug auf unsere Arbeit ist es, Fachpersonal zu finden – insbesondere Männliches“, gibt Reinhard Geuecke an. „Dabei sind Männer als Erzieher gleichermaßen wichtig für die Erziehung und Betreuung von Kindern und Jugendlichen“, unterstreicht Sebastian Korn. „Es gibt einfach Dinge, die Männer anders anpacken als Frauen und für Kinder ist es sehr wichtig, dies zu lernen und damit frühzeitig umzugehen.
Auch Verwaltungsaufgaben gehören zu dem Berufsbild des Erziehers.
Überhaupt ist es für die Entwicklung viel besser, wenn von vornherein Frauen und Männer gleichermaßen als Bezugspersonen im Leben der Kinder existieren. Zudem gelingt es Männern in einigen Situationen, den Zugang zu den Kindern auf einem anderen Weg zu finden.“ Vorteile des Berufs ErzieherWeitere Argumente, die für den Beruf des Erziehers sprechen? „Zunächst einmal wird ein gut ausgebildeter und fähiger Erzieher niemals auf der Straße sitzen“, unterstreicht Reinhard Geuecke. „Zudem ist der Einsatzbereich des Erzieherberufs sehr breit gefächert. Erzieher kommen nicht nur etwa in einem Kinderheim zum Einsatz, sondern ebenso auch in der Kinderjugendhilfe, im Kindergarten, in Ganztagsschulen oder auch in Jugendfreizeitstätten“, verrät Sebastian Korn. „Wen also die oftmals schwierigen Hintergründe der Kinder abschrecken, der kann den Beruf auch in anderen Bereichen ausüben.“

„In diesem Job bekommt man die ganze Emotionalität des Lebens ab. Darauf muss man Lust haben und man muss sich darüber im Klaren sein, dass man eine große Verantwortung trägt“, ergänzt Geuecke. „Aber auch das kann ein großer Anreiz für diesen Berufszweig sein.“

Zudem bietet sich die Möglichkeit, ganz individuell zu arbeiten – sowohl was die Art der Betreuung angeht – da hier in erster Linie Ziele definiert sind, aber der Weg dorthin frei wählbar ist – als auch die zeitliche Komponente. So kann man mit einer ganzen, einer halben oder nur einer viertel Stelle arbeiten. Somit lassen sich die Dienstpläne in der Regel sehr gut an das Privatleben anpassen. Persönliche Interessen oder Hobbies mit einbringenEin weiterer Vorteil des Erzieherberufs ist, dass die Möglichkeit besteht, seine ganz persönlichen Interessen oder Hobbies mit einzubringen und mit den Kindern zu teilen. Sebastian Korn: „Wenn ich beispielsweise da bin, wissen die Kinder, sie können mit mir Sport treiben oder zum Beispiel Fußball spielen. Also kann ich bei der Arbeit sozusagen mit den Kindern gemeinsam meinen Hobbies nachgehen. Und bei welcher Arbeit wäre das sonst möglich?“

Dem pflichtet Mathias Kakuschki bei. Er ist derzeit neben 20 Kolleginnen der einzige männliche Erzieher im Kindergarten Herrnscheider Kindernest. Er ist zwar nicht rund um die Uhr für die Kinder verantwortlich, weiß aber, dass er durch seine Tätigkeit einen entscheidenden Anteil an der Erziehung und Förderung der Kinder hat. Arbeiten im KindergartenAber auch hier im Kindergarten ist die Arbeit weit vielschichtiger, als von vielen angenommen wird. Neben der Arbeit mit den Kindern gehören auch Formalien zu seinem Aufgabengebiet. Die Arbeit muss dokumentiert werden, Entwicklungsberichte werden verfasst und es ist wichtig, einen engen Kontakt mit den Eltern zu pflegen.

Das Argument, der Job sei unattraktiv wegen der oftmals geringen Bezahlung, will Mathias Kakuschki nicht so recht gelten lassen: „In anderen Berufen wird auch nicht unbedingt mehr Geld verdient. Aber mit Sicherheit bekommt man bei dieser Arbeit wesentlich mehr zurück, als bei vielen anderen Berufen.“ „Reinschnuppern“ bei der GFOWer den Beruf des Erziehers gern näher kennen lernen möchte, hat die Möglichkeit, dies beispielsweise während eines Praktikums zu tun. „Wir bieten stetig Schul- oder Studienpraktika in unseren Einrichtungen an. Zudem kann bei uns auch das Anerkennungsjahr im Rahmen der Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher abgeleistet werden“, verrät Reinhard Geuecke. „Die GFO bietet somit zahlreiche Möglichkeiten, sich selbst in diesem Berufszweig auszuprobieren“.

Möglich ist auch, parallel zur klassischen schulischen Ausbildung als Erzieher eine betriebliche Erzieherausbildung zu machen. Dies empfiehlt sich insbesondere für Quereinsteiger. Hierbei arbeitet man vom ersten Tag an in einer Einrichtung und besucht parallel alle 14 Tage für zwei Tage die Schule.
Interviews aus dem Berufsleben

Mit der Reihe "Interviews aus dem Berufsleben" stellt LokalPlus monatlich interessante Berufsbilder und spannende Ausbildungen vor. Zu Wort kommen dabei Fachkräfte, Personaler und Azubis regionaler Unternehmen und Institutionen, die aus ihrem Berufsalltag berichten und so einen authentischen Einblick in deren Arbeitswelt ermöglichen.

Ziel ist es, vor allem junge Menschen für eine Karriere in heimischen Unternehmen zu begeistern und so dazu beizutragen, die Lebens- und Arbeitsregion im Kreis Olpe und darüber hinaus in Südwestfalen nachhaltig interessant zu machen.
Ein Artikel von Christoph Reuber

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