Nachrichten Specials
Hotline: Integration, 24. August 2017

Nedim Kalembasi (Arbeitskreis Integration) im Interview

„Nur Miteinander und gemeinsame Diskussion helfen weiter“

Nedim Kalembasi.
Nedim Kalembasi.
Welcher Impuls hat Sie dazu geführt, in der Flüchtlingshilfe in Lennestadt aktiv zu werden?

Mit sieben Jahren bin ich mit meinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland gekommen. Die sprachlichen Barrieren waren fast unüberwindbar, ich sprach kein Wort Deutsch. Die freundliche Aufnahme der Mitschüler und der Rückhalt des früheren Schulleiters Pauly gaben mit einen Platz des Wohlbefindens und der familiären Atmosphäre. Die Sprachprobleme waren bald gelöst, aufgrund des großen Zuspruchs aus der Bevölkerungsgemeinschaft in Meggen fand ich eine Ausbildungsstelle.

Aufgrund eines Gesprächs mit Bürgermeister Hundt teilte ich seine Sorgen und wurde in der Flüchtlingshilfe aktiv. Diese Menschen stehen vor den identischen Schwierigkeiten wie ich damals.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht?

Die überwiegenden Erfahrungen sind positiv. Man muss aber auch die Nöte der Bevölkerung verstehen, wenn sie aufgrund der Vielzahl der ankommenden Flüchtlinge und unterschiedlichen Nationalitäten Sorge um ihre eigene Identität haben. Wenn man mit diesem Thema nicht offen umgeht, ist man schlichtweg verloren. Nur das Miteinander und die gemeinsame Diskussion helfen hier weiter.

Man muss natürlich auch ehrlich und offen mit den Problemstellungen und auch mit den ankommenden Menschen umgehen. Es hilft nichts, einen Schein der guten Welt zu wecken und den Flüchtlingen nicht die Augen zu öffnen, dass nur durch Integration, Akzeptanz der hiesigen Umgangsformen und Erlernen der Sprache ein Miteinander möglich ist. Wie sagte Herr Pauly: „Ehrlichkeit währt am längsten.“

Was wünschen Sie sich zukünftig für Ihre Tätigkeit?

Wenn man mich nach Wünschen fragt, so kann ich nur antworten, dass ich mir Offenheit, Miteinander und keine Parallelgesellschaften wünsche. Hierzu haben auch die Flüchtlinge einen erheblichen Beitrag zu leisten, indem sie sich integrieren und auch das örtliche Vereinsleben annehmen.

Was ist Ihnen noch besonders wichtig mitzuteilen?

Lennestadt war für mich zunächst die zweite Heimat, für meine Söhne die erste Wahl und Heimat. Lennestadt ist zwischenzeitlich meine und unsere erste Heimat geworden. Dafür danke ich der Bevölkerung und auch den Verantwortlichen im Rathaus.
(LP)

Bildergalerie: „Nur Miteinander und gemeinsame Diskussion helfen weiter“