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Hotline: Integration, 24. August 2017

Karin Brieden, Rektorin der St.-Agatha-Schule, im Interview

„Integration gelingt mit dem Engagement aller Beteiligten“

Karin Brieden.
Karin Brieden.
Welcher Impuls hat Sie dazu geführt, in der Flüchtlingshilfe Lennestadt aktiv zu werden? 

Nach den Sommerferien 2015 kamen die ersten Flüchtlinge an unsere Schule. Sie lebten zuvor z. B. in Syrien, dem Kosovo, Afghanistan, Albanien. Teilweise hatten sie noch nie eine Schule besucht und einige Zeit in Auffanglagern in verschiedenen Ländern verbracht. Sie sollten nun in ihrer ganzen Heterogenität an unserer Schule mit zwei Standorten unterrichtet werden.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang gemacht?

Durch die Teilnahme an einem Fachtag der Bezirksregierung Arnsberg konnten erste konzeptionelle Überlegungen entwickelt werden. Die Schüler wurden altersgemäß Klassen zugeordnet und parallel ein Deutschkurs für sie eingerichtet, an dem sie in der Regel täglich zwei Stunden teilnahmen. Glücklicherweise gab es im Team eine ausgebildete Fachlehrerin. Es sind viele ehrenamtliche Mitarbeiter (EiL) in der Schule tätig, die die Kollegin im Sprachkurs mit großer Motivation unterstützten. Im November wurde vom Kreis Olpe eine ausgebildete DAZ-Lehrkraft eingestellt, die unserer Schule zugewiesen wurde und den Sprachkurs in Zusammenarbeit mit der Fachlehrerin fortführte. 

Die anfänglich sehr große Herausforderung auch für die Klassenlehrer ließ sich durch die personelle Unterstützung, eine sinnvolle Planung und gezielte Absprachen untereinander meistern. Nachdem bis Januar 2016 noch einige Kinder dazukamen und andere die Schule wieder verließen, konnten wir bis Januar 2017 intensiv mit den gleichen Schülergruppen arbeiten. Im Januar 2017 hatten wir zum ersten mal wieder Neuzugänge, fühlen uns aber durch die Erfahrung im Großen und Ganzen der Anforderung gewachsen.

Sehr hilfreich war und ist auch die Integrationsbeauftrage der Stadt Lennestadt, Frau Ruschke, die uns stets in allen Belangen unterstützt. Sie kümmert sich u. a. um Dolmetscher für wichtige Elterngespräche. 

Wir schafften vielfältige Materialien für den Sprachkurs an und konnten nach einigen Monaten auch durch zusätzlich bereitgestellte Gelder individuelle Arbeitsmaterialen für die Schüler erwerben.

Zudem wurde vom Kreis Olpe eine 7-teilige umfassende Fortbildung für Lehrer angeboten, an der unsere Fachlehrer teilnahmen, um zielgerichtet arbeiten zu können. Bis heute gibt es regelmäßige Treffen unter Leitung des Kommunalen Integrationszentrums des Kreises Olpe, um weiterhin eine gute Qualität des Unterrichts zu gewährleisten. 

Was wünschen Sie sich in Zukunft für Ihre Tätigkeit?

Ich wünsche mir, dass die Rahmenbedingungen, die in meinen Augen zufriedenstellend sind, erhalten bleiben, d. h. die DAZ-Lehrkraft bleibt, die Ehrenamtlichen auch zukünftig  Spaß an ihrer Tätigkeit haben, die Klassenlehrer auch weiterhin diese Herausforderung engagiert annehmen. 

Was ist Ihnen noch besonders wichtig mitzuteilen?

Es ist nicht nur wichtig, die Rahmenbedingungen zu schaffen. Integration gelingt nur mit dem Engagement von allen beteiligten Personen. Wir durften im Rahmen unserer Arbeit mit den Flüchtlingen  viele positive Erfahrungen sammeln, diese „neuen“ Schulkinder sind  in der Regel aufgeschlossen,  freundlich und dankbar, zur Schule gehen zu können.
(LP)

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