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Feuerwehr-Serie, 16. November 2016

Feuerwehr-Familie Bröcher: Genug Personal für ein Fahrzeug

Wenn das Gerätehaus fast zum Wohnzimmer wird

Feuerwehr-Familie Bröcher: Genug Personal für ein Fahrzeug
Foto: Rüdiger Kahlke
Olpe. Was für die einen etwa Fußball oder Ausflüge sind, ist für die Bröchers die Feuerwehr: ein Familien-Thema. Mit Söhnen, Tochter, Neffe, Patenkind und Schwiegersohn könnte Hans-Peter Bröcher schon ein Einsatzfahrzeug besetzen. Er selbst hat aus Altersgründen die Uniform inzwischen „an den Nagel gehängt“, gehört inzwischen der Ehrenabteilung an. Der Nachwuchs setzt die familiäre Feuerwehr-Tradition aber fort – schon in dritter Generation.
„Der Papa ist schuld“, sind sich Söhne, Tochter und ihr Cousin Tobias (17) einig. Der Vater, ehemals Leiter der Olper Feuerwehr, habe sie mit seinem Engagement fürs Ehrenamt infiziert. „Wir sind immer mitgezogen worden“, sagt Karina Bröcher-Wagener (27). Als sie elf Jahre alt war, ging sie zur Jugendfeuerwehr. Sie war anfangs die einzige Frau in den Reihen der Olper Blauröcke. „Es hat mich interessiert“, sagt sie – und ist dabei geblieben. Inzwischen Unterbrandmeisterin, würde sie „gerne weitermachen“ und schlägt eine Bresche für die Emanzipation: „Wir machen alle das Gleiche. Man sollte Frauen auch Gelegenheit geben, alle Lehrgänge zu machen.“ Bei Übung künftigen Ehemann kennengelernt Bei einer gemeinsamen Übung mit der Feuerwehr Wenden lernte sie ihren Mann kennen. Michael Wagener (31) kommt auch aus einer Feuerwehr-Familie, ist „schon als kleines Kind mit dem Vater ins Feuerwehrhaus gegangen“ oder hat bei Übungen zugesehen. „Da wächst man rein“, ist er sich mit Frau und Schwägern einig. Michael Wagener ist in der Feuerwehr Gerlingen aktiv. Als Brandmeister kann der dort seine Frau „kommandieren“. Nur im Dienst, wie er augenzwinkernd betont. Die wiederum rückt sowohl am Wohnort Gerlingen mit aus als auch als „Gastlöscherin“ in Olpe, wo sie arbeitet. Wenn sie dort einsteigt, dann im gleichen Zug wie die beiden Brüder Simon (21) und Marius (23).

„Das gibt es in dieser Form nicht, dass eine Familie einen Zug besetzen kann“, resümiert Hans-Peter Bröcher, der das Engagement der jüngeren Generation unterstützt und stolz auf seine Feuerwehr-Familie ist. Trotzdem müsse man sich auch für andere Dinge interessieren „und auch mal abschalten“. Klar, meint Marius Bröcher, rede man zuhause auch über andere Dinge, „wie in Familien üblich“. Die beiden Brüder und Marko Ester, den Senior Bröcher als sein Patenkind auch noch zur Familie zählt, sind zudem in der Wettkampfgruppe aktiv. Engagement in Wettkampfgruppe und Jugendarbeit Neben dem üblichen Dienst trainiert die Gruppe einmal wöchentlich. Vor Wettkämpfen auch häufiger. Alle fahren im nächsten Jahr als eines von sechs deutschen Teams zur Feuerwehr-Olympiade nach Österreich. „So wie andere Fußball spielen, machen wir das“, sagt Marius Bröcher. Das Motiv der Brüder: Kameradschaft pflegen, weil man viele schon aus der Jugendfeuerwehr kennt, aber auch der Wettkampf an sich, der Kick, sich mit anderen zu messen. Und ja, auch Traditionspflege.
Der Erfolg, dass die Wettkampf-Gruppe der Olper Feuerwehr seit Jahren ganz vorne mitmischt, sei zusätzliche Motivation. Mit ihrem Engagement als Betreuer in der Jugendfeuerwehr, der Brandschutzerziehung in Kindergärten, den Einsätzen und Besprechungen kommt einiges an Zeit zusammen, die die drei Geschwister in Sachen Feuerwehr investieren. Das Gerätehaus ist für so etwas wie ein Treffpunkt. „Manchmal wäre ein Sofa hier ganz schön“, sagt Marius in der Umkleide. Familie als psychologisches Sprungtuch Im Dienst zählen Familienbande oder Verwandtschaften allerdings nichts. Da gibt es routinierte Abläufe, Kommandos, Hierarchieebenen, Aufgaben, die zu bewältigen sind. Im Dienst seien alle gleich zu behandeln, betont Hans-Peter Bröcher. Familienklüngel: Fehlanzeige. Man sei seit der Jugendfeuerwehr mit anderen zusammen, sieht Simon Bröcher sich nicht in einer Sonderrolle. Dennoch: Karina Bröcher-Wagener sieht auch Vorteile des Familien-Engagements in der Feuerwehr: „Man kann was erzählen, wenn jemand nicht da war“. Vor allem sei es nach manchen Einsätzen hilfreich  über das Erlebte zu sprechen „und nicht in sich reinzufressen. Da kann man in der Familie gut drüber reden.“

Die Familie als psychologisches Sprungtuch, das nach traumatischen Erlebnissen auffängt. Sie zieht ein Atemschutzgerät aus der Halterung und legt das Gerät an. In voller Einsatzmontur nicht ganz einfach. Ihr Bruder Simon lupft die gelbe Flasche ein bisschen an. Sitzt. „Dafür ist es gut, einen Bruder im Zug zu haben“, schmunzelt Karina unter der Maske.
Karina Bröcher-Wagener.
Ein Artikel von Rüdiger Kahlke

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